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Tochter im englischen Internat : Hanna und die Truro-Girls

Kleiderordnung: Das Tragen einer Uniform gehört in englischen Privatschulen zum guten Ton. Bild: Stefan Finger

Vier Monate hat meine fünfzehnjährige Tochter im Mädcheninternat in England verbracht. Das war teuer, vor allem aber eine große Erfahrung. Auch für den Rest der Familie.

          Den Spruch habe ich vor ein paar Jahren schon einmal gehört. Aber erst jetzt weiß ich, wie wahr er ist. Er geht ungefähr so: Wenn die Tochter heiratet, dann verliert der Vater zwar die Mitgift, aber er gewinnt das Badezimmer zurück. Gut, meine Tochter hat nicht geheiratet, das Kind ist schließlich erst fünfzehn. Aber sie hat das Haus verlassen. Und eine Art Mitgift musste ich auch zahlen. Um es gleich zu sagen: fast 10.000 Euro. Aber die Sache mit dem Badezimmer, die stimmt tatsächlich. Meine Frau, mein elfjähriger Sohn und ich hatten schon vergessen, wie das ist, wenn man nicht ständig vor verschlossener Tür steht, nicht stundenlang anklopft und nicht jeden Akt der Körperpflege strategisch planen muss.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Meine Tochter Hanna hat nicht geheiratet, sie ist ins Internat gegangen. Nicht zur Strafe, sondern freiwillig. Nicht als pädagogische Notlösung, sondern als Teil der Ausbildung. Nicht nach Salem oder Louisenlund, sondern nach England. Und nicht, um dort einen Abschluss zu machen, sondern nur für ein paar Monate, für einen „term“. Das war der Deal. Und wie es aussieht, war es ein ziemlich guter. Nicht nur wegen des Badezimmers, sondern vor allem wegen „der besten Zeit meines Lebens“, wie Hanna ihren Aufenthalt an der Truro High School for Girls neulich genannt hat.

          Vor einem Jahr wusste sie noch nicht einmal, wo Truro liegt. Und ich, ehrlich gesagt, auch nicht. Ich habe zwar in England studiert, aber das ist fast 25 Jahre her und hat sich in London abgespielt und nicht in Cornwall. Doch dorthin hat es meine Tochter nun verschlagen, in den äußersten Südwesten der Insel, in die kleine Verwaltungsstadt Truro mit ihrer schönen Kathedrale, dem alten Hafen und ihrer High School for Girls. Deren Direktorin, Caroline Pascoe, haben wir Anfang des Jahres in Frankfurt kennengelernt, auf einer Art Messe. Hanna war schon nach ein paar Minuten Feuer und Flamme und meine Frau und ich auch.

          Die Schule schien geradezu familiär

          Auf die Idee, überhaupt Ausschau nach einem Internat in England zu halten, hatten uns Freunde gebracht. Wie wir waren sie auf der Suche nach Möglichkeiten für einen Auslandsaufenthalt für ihre Tochter in der 10. Klasse gewesen, hatten das Für und Wider eines ganzen Schuljahres in Amerika oder Neuseeland abgewogen, waren irgendwann auf die Euro-Internatsberatung in München gestoßen und hatten ihre Tochter schließlich für ein Trimester auf eine Schule in Nordengland geschickt. So freundeten auch wir uns mit dem Internatsgedanken an, ließen uns Unterlagen schicken und besuchten den Informationstag der Internatsberatung in Frankfurt.

          Nach dem Gespräch mit Mrs. Pascoe haben wir noch ein paar Schulprospekte durchgeblättert und Internetseiten durchforstet, aber die Argumente für die Truro High School waren zu gut: Die Schule ist mit ihren 440 Mädchen vom Kindergarten bis zur Abschlussklasse nicht sehr groß, mit nur 60 Boardern, sprich Internatskindern, geradezu familiär und wird mit einem Anteil von acht Prozent internationaler Schülerinnen von Muttersprachlern und nicht wie manches renommierte und extrem teure Internat in Großbritannien von Kindern aus China, Russland und arabischen Ländern dominiert.

          Kostspielig ist ein Aufenthalt aber auch in Truro. Gut 7000 Pfund müssen die Eltern eines Internatskindes für einen Term hinblättern. Das summiert sich mit den Kosten für die Uniform und die Anreise, mit Taschengeld und englischem Handy-Vertrag schnell auf die erwähnten 10.000 Euro. Kein Pappenstiel, aber ein mehr als lohnendes Investment, wenn man bedenkt, dass ich Anfang September ein kleines Mädchen nach Truro gebracht habe und kurz vor Weihnachten ein junges Fräulein zurückgekommen ist, das sich ohne Scheu auf Englisch unterhält, schulischen Ehrgeiz entwickelt hat und nach dem Abitur in zwei Jahren unbedingt wieder in die Welt ziehen will.

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