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Statistisches Bundesamt : Die Ehe verliert an Bedeutung

  • -Aktualisiert am

Deutschlandweit werden mehr Ehen geschieden – die meisten enden allerdings weiter durch den Tod des Ehepartners. Bild: dpa

Die Scheidungsrate ist im Jahr 2011 leicht gestiegen – dafür halten bestehende Ehen länger. Ein neuer Höchststand wurde bei Alleinlebenden verzeichnet.

          Die Zahl der Scheidungen in Deutschland ist im vergangenen Jahr abermals leicht gestiegen. Wie das Statistisches Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, wurden 2011 rund 187 600 Ehen geschieden. Das waren 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Fast die Hälfte der Paare hatte Kinder unter 18 Jahren. Insgesamt waren somit im Jahr 2011 rund 148 200 Minderjährige von der Scheidung ihrer Eltern betroffen, 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

          Im vergangenen Jahr wurden elf von 1000 bestehenden Ehen geschieden. Im Vergleich dazu endeten 1992 nur sieben von 1000 Ehen vor dem Scheidungsrichter. Die jährliche Zahl der gerichtlichen Scheidungen nahm von 1950 bis 2006 mit wenigen Ausnahmen zu und beläuft sich seither auf etwa 190 000 Scheidungen im Jahr. Die meisten Ehen enden allerdings weiter durch den Tod eines Ehepartners.

          Fortzusetzen scheint sich der Trend, dass Paare eher später als früher getrennte Wege gehen. Die durchschnittliche Dauer der im Jahr 2011 geschiedenen Ehen betrug 14 Jahre und sechs Monate. 1992 waren es noch elf Jahre und sechs Monate gewesen. Nur 47 Paare entschieden sich 2011 bereits im ersten Ehejahr zur „Korrektur ihres tragischen Irrtums“, wie Loriot es nennt. Bei mehr als der Hälfte (52,8 Prozent) der Scheidungen stellte die Frau den Scheidungsantrag.

          Einen neuen Höchststand vermelden die Statistiker bei der Zahl der Alleinstehenden. 15,9 Millionen – das sei der höchste Wert seit der ersten gesamtdeutschen Erhebung im Jahr 1991. Als alleinlebend gilt laut Erhebung eine Person, die alleine im Haushalt lebt, unabhängig davon, ob sie einen Lebenspartner oder Kinder hat. Nicht berücksichtigt werden dabei die 1,7 Millionen alleinstehenden Menschen in Deutschland, die ihren Haushalt mit anderen Personen teilen.

          Mit 53 Prozent lag der Anteil der alleinstehenden Frauen im Jahr 2011 etwas höher als jener der Männer. Ein merklicher Unterschied zeigt sich aber zwischen Westdeutschland, wo die Quote binnen zwei Jahrzehnten um 35 Prozent stieg, und Ostdeutschland mit einem Zuwachs von 57 Prozent.

          Das Alleinsein ist nach Angaben des Präsidenten des Statistischen Bundesamts, Roderich Egeler, „oftmals mit besonderen Problemen“ verbunden. So beziehen Alleinlebende überdurchschnittlich oft Hartz-IV-Leistungen und sind häufiger von Armut betroffen. Sorgen machen müssen sich demnach Bewohner der Stadtstaaten und größeren Städte. Hier ist der Anteil der Alleinstehenden überproportional hoch. In Berlin und Leipzig waren jeweils 31 Prozent, in München 29 Prozent Singles zu verzeichnen. Spitzenreiter ist Hannover. In der niedersächsischen Landeshauptstadt lebt jeder Dritte allein. Bei den Flächenländern verzeichnet Sachsen mit 23 Prozent die meisten einsamen Herzen, Rheinland-Pfalz mit 16 Prozent die wenigsten.

          Bei den Personen zwischen 18 und 34 Jahren leben Männer häufiger allein als Frauen, im höheren Alter ist es umgekehrt. Mit dem Titel „echter Junggeselle“ dürfen sich laut Statistik immerhin 60 Prozent der alleinlebenden Männer zwischen 35 und 65 Jahren schmücken. Allerdings sind alleinlebende Männer mittleren Alters den Zahlen zufolge auch seltener erwerbstätig als nicht alleinlebende. In der gleichen Altersgruppe lag der Anteil der Single-Frauen dagegen bei „nur“ 42 Prozent. Sie sind dafür aber häufiger in Führungspositionen anzutreffen als ihre verheirateten Altersgenossinnen.

          Laut den Statistikern verliert die Ehe als Lebensform weiter an Bedeutung. Junge Menschen heiraten seltener und später. Seit den sechziger Jahren ist die Zahl der Eheschließungen rückläufig. Gründe dafür seien „die längeren Ausbildungszeiten oder die immer stärker werdenden Anforderungen der Arbeitswelt an Flexibilität und Mobilität“, sagte Egeler.

          Erfreuliches zu vermelden gibt es dafür in der Altersgruppe 65 plus: 2010 schlossen rund 11 800 Menschen den Bund fürs Leben. 1100 von ihnen traten das erste Mal vor den Traualtar.

          Quelle: F.A.Z.

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