02.12.2007 · In Aschaffenburg hat eine 64-Jährige ein gesundes Kind zur Welt gebracht. Die Türkin hatte sich im Ausland eine von einer 25 Jahre alten Frau stammende Eizelle einsetzen lassen. In Deutschland ist dies verboten.
Von Ewald Hetrodt, AschaffenburgEin Vortrag zum Thema „Infertilität - Der unerfüllte Kinderwunsch“ ist auf dem Zettel angekündigt, der an der gläsernen Eingangstür zur Frauenklinik am Ziegelberg in Aschaffenburg klebt. Die Veranstaltung für Ärzte und „Betroffene“ hat schon am Mittwochabend im Seminarzentrum der AOK stattgefunden. Die Schwestern haben wohl vergessen, die Ankündigung abzunehmen, als sich hier am Tag danach eine medizinische Sensation ereignete: Eine Vierundsechzigjährige brachte ein gesundes Kind zu Welt, nachdem sie früher schon mehrere Fehlgeburten erlitten hatte. Elias Karam, hat nach Agenturangaben einen Kaiserschnitt vorgenommen. „Die Frau kam zu mir, weil sie Hilfe brauchte. Als Arzt gebe ich diese ohne Nachfragen“, sagt er.
Die Umstände sind heikel. Die Türkin hatte sich nämlich im Ausland eine von einer 25 Jahre alten Frau stammende Eizelle einsetzen lassen, die zuvor mit Spermien ihres Mannes befruchtet worden war. In Deutschland ist das Spenden von Eizellen verboten. Die Vierundsechzigjährige gilt als die älteste Frau, die in Deutschland jemals Mutter wurde. In Spanien hat im vergangenen Jahr eine 67 Jahre alte Spanierin Zwillinge bekommen.
Erfahrene Klinik
Die privat geführte, kleine Klinik hoch über dem Aschaffenburger Mainufer ist am Bayerischen Untermain seit 53 Jahren etabliert. Sie verzeichnet nach eigenen Angaben jährlich nahezu eintausend Geburten. Diese ist zwar beispiellos, wurde am Wochenende aber erst mit einer Verspätung von mehreren Tagen bekannt. Sogar die Italienerin Riviello Lucia, die in der Klinik schon seit einer Woche von dem Frauenarzt Elias Karam behandelt wird, hat von dem Ereignis erst durch die Journalisten erfahren.
Im Stationszimmer im ersten Obergeschoss werden an diesem trüben Sonntagnachmittag strikte ärztliche Anweisungen äußerst gewissenhaft ausgeführt. „Wir bestätigen Ihnen weder Einzelheiten, noch die Sache selbst“, lautet der Bescheid von Schwester Margit. Und Julia weiß sowieso nichts. Denn sie ist nur Praktikantin und erst seit heute Mittag da.
Fröhlich klingendes Babygeschrei
Dafür ist im ersten Obergeschoss fröhlich klingendes Babygeschrei zu hören. Doch es kann auch von dem Jungen stammen, der hier erst am Samstag zur Welt gekommen ist - auf eine ganz gewöhnliche Weise und ohne Komplikationen, wie sein Vater Farudi Ahmadwal stolz berichtet, während er vor dem Portal steht und in seinem großen Glück gleich zwei Zigaretten hintereinander raucht.
Schließlich schaut Taraker Alper aus dem nahegelegenen Stockstadt mit Frau und Kind vorbei. Sie wollen eigentlich nur eine Freundin besuchen. Dem Mann gelingt bei dieser Gelegenheit aber mühelos, was den Journalisten verwehrt bleibt. Er spricht mit der Hauptperson. Es sei eine Türkin, berichtet er anschließend. Sie sehe ziemlich geschafft aus, „aber auch ganz fit und nicht schlecht“. Das Kind oder den Mann hat Alper nicht gesehen, dafür aber das Lächeln auf dem Gesicht der Mutter. „Meine Frau hat das in dem Moment auch so gehabt“, sagt er. Und er muss noch ein Kompliment loswerden: „Die Dame sieht aus wie fünfzig.“