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Sorgerecht : Der entsorgte Vater

Verwaiste Spielecke: In seiner Wohnung bewahrt Volker Bode Spielsachen für seinen Sohn auf Bild: Verena Müller

Weil Dominiks Mutter nicht will, dass ihr Sohn seinen Vater sieht, wächst der sechs Jahre alte Junge ohne ihn auf. Vielen Kindern in Deutschland geht es so wie ihm - die Justizministerin muss nun handeln.

          Volker Bode (alle Namen wurden geändert) hat einen sechsjährigen Sohn, den er seit dessen Geburt nicht öfter als zwei Dutzend Mal gesehen hat. Die Geschichte seiner „Familie“ beginnt vor sieben Jahren: Bode hat gerade die Stelle gewechselt, als er Kerstin Prinz in der neuen Firma kennenlernt. Nach drei Monaten sind Bode und Prinz ein Paar, nach fünf Monaten reisen sie zusammen nach Neuseeland, dann zeugen sie ganz bewusst ein Kind.

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kurze Zeit später fallen Bode Prinz' Stimmungsschwankungen auf. Er erklärt sich ihre schlechte Laune zunächst mit Hormonschwankungen. Doch es wird nicht besser, sondern immer schlimmer, und beide trennen sich fünf Monate vor dem geplanten Entbindungstermin. Um seines ungeborenen Kindes willen ruft Bode Prinz auch danach in regelmäßigen Abständen an, aber er kassiert stets nur Beschimpfungen. Auf eine telefonische Anfrage dieser Zeitung reagiert Kerstin Prinz ebenfalls abweisend: Sie droht, gegen eine Veröffentlichung des Falles zu klagen. Ihre eigene Sicht der Dinge möchte sie nicht schildern.

          Jährlich 350.000 Trennungskinder

          Das Kind in Prinz' Bauch gehört zu einer erschreckend großen Gruppe: Insgesamt werden in Deutschland jedes Jahr etwa 350.000 Kinder von Trennung oder Scheidung betroffen. Das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl von Wuppertal, Bochum oder Bielefeld. Nach der Trennung der Eltern leidet oft die Beziehung zwischen Vater und Kind: Trennungsväter, die im Streit mit ihrer Exfrau oder -freundin leben, haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur selten das Sorgerecht für ihre Kinder, selbst wenn sie verheiratet waren. In jedem zweiten strittigen Fall, der vor Gericht landet, wird der Frau das alleinige Sorgerecht zugesprochen. Geschiedene Väter bekommen das alleinige Sorgerecht hingegen nur in jedem siebten bis achten Fall - und damit noch seltener, als dass das Kind außerhalb seiner Kernfamilie, etwa bei einer Pflegefamilie, untergebracht wird.

          Demonstration vor dem Europäischen Gerichtshof

          Auch Volker Bode ahnt nach der Trennung, dass es schwer für ihn werden könnte, seinen Sohn kennenzulernen. Denn Kerstin Prinz bricht jeglichen Kontakt zu ihm ab. Am Wochenende nach dem errechneten Geburtstermin findet er nur durch einen Trick heraus, in welchem Krankenhaus sein Sohn liegt, und fährt noch am gleichen Tag zu ihm. Es ist ein sehr schöner, glücklicher Moment, doch sofort eilt eine Krankenschwester herbei und vertreibt ihn: „Ich habe hier eine Verfügung von der Mutter, keiner darf das Kind sehen!“ In einem Schreiben von Prinz' Rechtsanwältin, das ihm kurz darauf ins Haus flattert, unterstellt sie ihm, er habe im Krankenhaus randaliert.

          Unverheiratete Väter gelten als bloße „Erzeuger“

          Bode ist hilflos, wütend und verzweifelt darüber, dass die Mutter seines eigenen Kindes zu solchen Mitteln greift. Doch er kann nichts dagegen tun. Das Sorgerecht für seinen Sohn hat er nicht, da er nicht verheiratet war und Prinz seinem Antrag niemals zugestimmt hätte. Die Zustimmung der Mutter nämlich ist bei unverheirateten Paaren nötig, wenn die Eltern das Sorgerecht gemeinsam ausüben wollen. Ist sie dazu nicht bereit, ist der unverheiratete Vater ein bloßer „Erzeuger“ - und darauf angewiesen, dass die Mutter ihm, wie es das geltende Umgangsrecht vorsieht, gestattet, sein Kind zu sehen. Wenn sie das nicht tut, bleibt ihm lediglich, sein Recht vor Gericht einzuklagen.

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