16.01.2008 · Singles, die nach einer neuen Liebe Ausschau halten, machen längst nicht mehr vor den einstigen Schlagbäumen halt. Einen Wegweiser für die Anbahnung transnationaler Partnerschaften auf privater Ebene bietet jetzt eine repräsentative Umfrage in dreizehn europäischen Staaten.
Von Thomas JansenNicht nur das ökonomische, sondern auch das erotische Beziehungsgeflecht Europas wird zusehends engmaschiger. Singles, die nach einer neuen Liebe Ausschau halten, machen hierbei längst nicht mehr vor den einstigen Schlagbäumen halt. Einen Wegweiser für die Anbahnung transnationaler Partnerschaften auf privater Ebene bietet jetzt eine repräsentative Umfrage, die die Online-Partneragentur Parship - nach eigenen Angaben die größte ihrer Art in Europa - auf der Grundlage von 13.000 Befragungen in dreizehn europäischen Staaten durchgeführt hat.
Wie so oft, wenn die nationalen Beziehungsqualitäten im Wettstreit miteinander stehen, liest man hier vieles, was einem bekannt vorkommt und darauf hindeutet, dass die Beziehungswirklichkeit vielleicht tatsächlich nicht mehr als ein Klischee ist. Da gibt es zum Beispiel den Italiener, der als „Dating-Weltmeister“ fungiert. Der becircende Single von der Apeninenhalbinsel kann nämlich im Durchschnitt 3, 5 Verabredungen im Jahr vorweisen, während sein britisches Pendant mit 1,4 Verabredungen fast schon autistische Neigungen verrät.
2,3 Verabredungen im Jahr hat ein deutscher Single
Hierzulande bringen es die Singles immerhin auf 2,3 Verabredungen. An der Spitze liegen Singles aus dem Land der Nibelungentreue hingegen in der Kategorie „feste und ernsthafte Beziehungen“. Auf 2,6 dieser nicht näher bestimmten Beziehungsgattung kommen sie, während französische Singles nur auf 1,4 verbindlichere Amouren zurückblicken können. Offen bleibt allerdings zunächst, ob dies nur daran liegt, dass deutsche Singles - es wäre ja immerhin denkbar - vielleicht auch die meisten flüchtigen Affären haben oder aber - worauf vieles deutet - an ihrer moralischen Integrität.
Dagegen wiederum spricht, dass 76 Prozent der deutschen Singles eine langfristige Partnerschaft nur ohne Trauschein anstreben - soviel wie sonst nirgendwo. Für Klarheit sorgt hier die Antwort auf die Frage, welche Art von Beziehung generell gewünscht wird. Hier werden die Italiener ihrer vorgesehenen Rolle wieder gerecht. Fast jedem Dritten steht hier der Sinn nach einem nicht allzu unverbindlichen Abenteuer, während in Deutschland 55 Prozent der Singles ernsthafte Absichten haben.
Unzufriedenheit mit dem solitären Dasein
Es gibt jedoch auch Überraschungen. Zum Beispiel die, dass deutsche Singles - gemeinsam mit ihren britischen Kollegen - diejenigen sind, die die größte Unzufriedenheit über ihr solitäres Dasein verspüren - einen Platz, der eigentlich für die Singles mediterraner Herkunft reserviert ist.
Die ermittelte Selbstwahrnehmung der Singles ist ebenfalls sehr hilfreich. Auf die Frage nach den Gründen für ihr Singledasein geben Frauen aus allen dreizehn beteiligten Ländern die schlechten Erfahrungen mit der vergangenen Beziehung am häufigsten an (48 Prozent), während 38 Prozent der Männer ihren Singlestatus am liebsten auf ihre Schüchternheit zurückführen. Was lernen wir daraus? „Singles sind sensible Geschöpfe“, wie es in der Untersuchung heißt, und das europaweit.