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Scheidungsplaner : Nach der Party kommen die Huskys

  • -Aktualisiert am

Die Scheidung wird zur Show: „Frisch geschieden“ steht auf dem Schild am Heck. Bild: Monika Faßmer

Eine Scheidung bot bislang wenig Anlass zur Freude. Nun aber wird auch sie noch zum Event – mit Feten und Fotos.

          Jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden, im vergangenen Jahr zerbrach der „Bund fürs Leben“ bei 188000 Paaren. Das bringt Streit und Leid - und vielen ein Geschäft. Online-Scheidungen, Scheidungsmessen, Scheidungspartys, Scheidungsfotografie: Der Scheidungsmarkt blüht. Betrauerte man früher das Ende der Ehe im stillen Kämmerlein, kann man sich heute maßgeschneidert und farbenfroh scheiden lassen, coram publico, digital, mit Feier, auch schnell - an einem Wochenende im „Scheidungshotel“, Frühstück inklusive.

          „All das zeigt, wie verrückt unsere Zeiten sind“, sagt Hannspeter Schmidt. Der Diözesanbeauftragte für Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Erzbistum Köln weiß auch, dass die Scheidung als „Befreiung“ empfunden werden kann. Aber in seiner Beratungsstelle ist sie in den allermeisten Fällen immer noch eine „hochproblematische Situation“.

          „Welcher Scheidungstyp sind Sie?“

          Christoph Pruefer, der das Portal „scheidung.de“ betreibt, kennt die Sorgen der Scheidungswilligen, etwa um die gemeinsamen Kinder und ums Geld. Auch er versteht sein Angebot als „Krisenbewältigung“. „Wir bieten Ihnen alle Infos kostenlos zu Scheidung, Unterhalt, Scheidungskosten, Kindern und Finanzen.“ Wer will, kann gleich einen Antrag ausfüllen - online, in nur sechs Schritten.

          Angaben zu Kindern, bestehenden Verträgen und Unterhalt müssen gemacht werden. „Welcher Scheidungstyp sind Sie?“ - „Einvernehmlich ohne Streit“? „Ein paar Sachen sind noch zu klären“? „Es wird wohl ein Rosenkrieg“? „Kooperationsanwälte“ von „scheidung.de“ sollen dann alles Weitere regeln.

          Gut fünf seriöse Anbieter von Online-Scheidungen gebe es, sagt Pruefer. Hinzu kämen 30, die das Ganze „en passant“ machten. Schon zwei bis drei Prozent aller Scheidungen in Deutschland würden mit einem Online-Antrag eingeleitet. „Die Kundenzahlen steigen kontinuierlich“, sagt Pruefer.

          Scheidungsparty als Disco-Ersatz

          Viele Geschiedene - im Durchschnitt sind sie 43 Jahre alt - haben noch ihr halbes Leben vor sich. Der Schritt will also gut vorbereitet sein. Zu Hilfe kommen ihnen Scheidungsmessen. Prüfers Unternehmen „Added Life Value“ hat eine solche Messe 2010 ausgerichtet. Aussteller waren Familienrechtsexperten, Vaterschaftstest-Anbieter, Mediatoren, Glückstrainer, Detektive, Reise- und Wellnessanbieter, Lebensberater und sogar das Jugendamt der Stadt Düsseldorf. Die erste Messe dieser Art fand 2007 in Wien statt. Die Scheidungsrate in Österreich ist noch höher als in Deutschland.

          Hannspeter Schmidt, der Eheberater aus dem Erzbistum Köln, kennt niemanden, der Lust gehabt hat, seine Scheidung zu feiern. Die katholischen Eheberatungsstellen bieten andere Formen der Verarbeitung an - etwa Besinnungstage. Schließlich gilt der römisch-katholischen Kirche die Ehe als unauflöslich: „Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden“ (Matthäus 19,6). „Solange die Ehe als Sakrament und schützenswertes Gut angesehen wird und die Scheidung kein gutes Image hat, kommt man nicht auf die Idee, eine Party zu machen“, sagt Manfred Herzer, Familiensoziologe an der Mainzer Universität.

          Herzer sieht solche Phänomene als Ausfluss von Säkularisierungsprozessen, die zu einer „Entheiligung der Ehe“ führten. Im Übrigen tragen sie einem pragmatischen Umstand Rechnung: Von einem gewissen Alter an ist es gar nicht mehr so einfach, einen neuen Partner zu finden. Mit dem Älterwerden fielen die „institutionellen Plätze“, wo sich Singles begegneten, wie Clubs, Diskotheken, weg. Online-Single-Börsen oder öffentliche Scheidungspartys könnten hier als Ersatz dienen.

          Deutschlands erste Scheidungsfotografin

          Seine „Entehelichung“ zu feiern entspreche dem Bedürfnis mancher Menschen, auch die Scheidung mit einem symbolisch-zeremoniellen Akt zu begehen. Das kann - wie im Falle der Feten - auf eine eher gesellige und triviale Weise geschehen, es kann aber auch individuell und künstlerisch vonstattengehen - ein Anspruch, den Monika Faßmer hat. Sie ist Deutschlands erste Scheidungsfotografin. Seit 2009 macht die Hamburgerin Shootings mit geschiedenen Frauen. Ganz am Anfang seien auch ein paar Männer unter den Kunden gewesen.

          Bei ihnen sei jedoch die „Message“ nicht sofort zu erkennen, sagt die Vierunddreißigjährige. Schließlich nimmt in ihrer Kunst das Brautkleid eine zentrale Rolle ein. „Das Kleid ist für mich eine Form von Versprechen“, sagt Faßmer, die zwar nicht geschieden ist, aber von ihrem einstigen Verlobten kurz vor der Hochzeit im Stich gelassen wurde. Das Brautkleid fasziniere sie. Allerdings ist nach ihren Schnappschüssen nicht mehr viel davon übrig.

          Denn meistens zerstören es die Models. Faßmers Devise: „Trash the Dress!“ Mal wird das Kleid mit Schokosauce oder Sprühsahne verhunzt, mal mit einer Schere kleingeschnitten. Mal suhlen sich die Models mit weißem Schleier im Schrott, mal zerreißen dressierte Huskys das Erinnerungsstück („Husky-Shooting“).

          „Die Erinnerung optisch verarbeiten“, „sich von alten Dingen lösen“ - das bietet die Fotografin ihren Kundinnen. Illusionen macht sie sich aber nicht: „Man kann eine Trennung nicht an einem Tag bewältigen.“ Sie könne nur einen „kleinen Beitrag“ leisten, immerhin „ein Anfang“, wie sie sagt. Eine Therapeutin sei sie nicht. Für Herzer, den Mainzer Soziologen, stellt diese fotografische „Inszenierung“ einen „massiven Akt“ dar. Die Frauen hängten das Brautkleid ja nicht einfach in den Schrank oder würfen es weg. „Ich bin kein Therapeut, aber wenn ich einer wäre, würde ich sagen: oh, oh.“

          Aus der Bewältigungsforschung wisse man, dass Menschen bewältigten, indem sie sich Sachen erklärten. Sie erzählten sich selbst und anderen eine Geschichte des Scheiterns. Bei der Scheidung seien es zunächst viele einzelne Geschichten, die man seinen Verwandten und Freunden erzähle. Daraus wolle man aber stets eine große „Geschichte der Scheidung“ machen, die in einer „verarbeitbaren Weise in die eigene Biographie“ integriert werden solle.

          Quelle: F.A.Z.

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