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Samenspende Schön, dich kennenzulernen (2)

Ein Gericht hat entschieden: Menschen, die ihre Geburt einer Samenspende verdanken, dürfen wissen, wer ihr Erzeuger ist. Florian, 32, ist ein privater Samenspender. Er fährt durch ganz Deutschland, um kinderlosen Paaren ihren größten Wunsch zu erfüllen.

© Dieter Rüchel Manche Spender geben sich Namen wie „Lattentier“, „Cowboy“ oder „Fruchtzwerg“.

Ich spende seit vier Jahren. Aber nicht bei einer Samenbank; ich bin ein sogenannter privater Spender. Was das für mich und die Spenderkinder bedeutet, erzähle ich gleich. Ich sollte vielleicht erst einmal erklären, wie das private Spenden funktioniert.

Es gibt unterschiedliche Seiten im Netz, auf denen man Leute wie mich kontaktieren kann, ich bin auf der Seite „spermaspender.de“. Da sind viele verschiedene Männer mit ihren Profilen zu sehen, sie geben sich Namen wie „Lattentier“, „Cowboy“ oder „Fruchtzwerg“. Fotos gibt es auf Anfrage, aber die Profile kann jeder einfach durchklicken, auch ohne angemeldet zu sein.

Es funktioniert ein bisschen wie bei der Partnersuche. Die Spender machen unterschiedliche Angaben, zum Beispiel zu Wohnort (bei mir Süddeutschland), Alter (32), Größe (1,78 Meter), Gewicht (72 Kilo), Körperform (athletisch), Haarfarbe (braun), Haarvolumen (hohe Stirn), Augenfarbe (braun), Schulabschluss, Beruf (Metzger), Religion, Lieblingsmusik, Lieblingsessen, Nationalität, Erkrankungen, Familienstand und zur sexuellen Orientierung. Dann kann man, wenn man möchte, noch einen persönlichen Text dazuschreiben und mitteilen, was man so für ein Mensch ist und ob man sich auch eine Partnerschaft mit der Dame vorstellen kann, falls gegenseitige Sympathie da ist. Garniert wird das Ganze von Werbung für Autoreifen und Reizwäsche.

Etwa die Hälfte von uns spendet nicht durch Beischlaf

Der Seitenbetreiber verkauft auch das passende Zubehör zur Befruchtung – Gleitgel, Spritze, Urinbecher und so. Denn etwa die Hälfte von uns spendet nicht durch Beischlaf – da steht dann im Profil: „Methode: natürlich“ –, sondern in einen Becher. Die Frau wartet so lange im Nebenzimmer und injiziert sich dann unser frisch gewonnenes Sperma mit einer Spritze.

Meist müssen wir so schnell anrücken wie die Feuerwehr, denn so ein Eisprung, der kommt ja eher spontan. Mit einer privaten Partnerschaft lässt sich das schlecht vereinbaren – die meisten Freundinnen kommen nicht damit klar, dass ich so oft unterwegs bin und dann nichts mehr für sie habe, wenn ich mit ihnen kuschele. Ich bin schon länger Single und rücke sozusagen auf Anruf zum Spenden aus.

Aber ich mache immer ein Vorgespräch mit der Kundin. Sie kann also den ersten Kontakt nicht erst dann herstellen, wenn sie gerade ihren Eisprung hat. Vor Ort ejakuliere ich in den Becher; zur natürlichen Befruchtung konnte ich mich noch nicht durchringen, weil es einfach unpraktisch wäre. Dann müsste ich ja nach jedem Sexualkontakt zum Arzt, um bei der nächsten Spende wieder ein neues Attest vorlegen zu können – ich hab mich auf Aids und Hepatitis untersuchen lassen. Und so oft zum Arzt, das schaff ich zeitlich einfach nicht. Ich hab ja auch noch was anderes zu tun. Ich hab ja auch noch einen Beruf, ich arbeite im Schlachthof als Fleischbeschauer. Ich bin die rechte Hand vom Tierarzt. Und als Hobby mache ich noch Showtanz.

Pro Spende bekomme ich hundert Euro

Mit dem Spenden angefangen habe ich, um eine geregelte Einnahmequelle zu haben. Ich habe neben dem Showtanz noch ein anderes, sehr teures Hobby. Ich entwickele einen Motor auf Wasserstoffbasis. Da muss ich viele Versuche machen, viele Teile kaufen. Derzeit baue ich einen Prototyp. Letzte Woche habe ich drei Meter Schlauch gekauft, teuren Schlauch, der die Hitze aushält, dafür musste ich 270 Euro zahlen!

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