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Pausenbrot Unser täglich Not

Schnippeln, schmieren, einpacken - und am Ende war wieder alles falsch. Jeden Morgen mühen sich Eltern, ihren Kinder eine Sterne-Brotzeit zu kreieren. Von der Sisyphos-Arbeit am Pausenfrühstück der Kleinen.

© Jan-Hendrik Holst Der Traum eines jeden Kindes - und jeder Mutter: Dem Liebling schmeckt’s.

Eine Stulle ist eine Scheibe Brot mit Butter und Belag. Das Pausenfrühstück eines Schulkindes ist eine Philosophie. Jeden Tag stehe ich eine Viertelstunde früher auf als der Rest der Familie, um rechtzeitig vor Mann und Kindern in der Küche zu sein und die Brotboxen für die Schule zu beladen. Der Soundtrack in meinem Kopf stammt von den Toten Hosen: „Ein belegtes Brot mit Schinken. Schinken! Ein belegtes Brot mit Ei. Ei!“ Leider mag meine Tochter weder Schinken noch Eier, und gerade das Brot bereitet mir zum Wochenstart Kopfzerbrechen, weil es mindestens von Samstag ist und daher dröge und bröselig. Wäre vielleicht ein übrig gebliebenes Stück Pizza vom Vorabend besser? Hetze ich doch noch irgendwen zum Bäcker?

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Längst sitzt die Familie beim Frühstück und bedient sich aus einer Schale mit Äpfeln, Birnen und Orangen, die ich aufgeschnitten habe. Ich hingegen springe zwischen Kühlschrank und Vorratskammer hin und her, trockne eine Salatgurke ab und sprudele Mineralwasser. „Kann ich heute was Heißes zu trinken mitnehmen?“, fragt meine Tochter. Ich schnaube nur, spüle die Thermosflasche aus und stelle den Wasserkocher an. Wo steckt nur dieses verdammte Plastikdöschen, in das ich Studentenfutter füllen wollte? Wieder einmal bin ich diejenige, die den morgendlichen Zeitplan ruiniert. Mein Tee wird kalt.

Um 9.40 Uhr ist Frühstückspause

Wie viel mütterliche Hingabe verträgt eine Familie, wenn sie dafür mit schlechter Laune bestraft wird? Was ist wichtiger für einen guten Start in den Tag: eine entspannte gemeinsame Viertelstunde am Frühstückstisch oder die perfekt komponierte Pausenbox? Montag: ein Graubrot mit Jagdwurst. Ein Knäckebrot mit Schmalz, diesem pflanzlichen Fettaufstrich aus dem Bioladen. Außerdem in einer Extrabox gestiftelte Karotten, Gurke, Apfelschnitze und Mandarinenspalten. Dazu roter Tee mit einem Drittel Traubensaft.

Meine Tochter besucht eine Ganztagsschule. Sie bekommt dort ein warmes Mittagessen von mäßiger Qualität, das ihr durchaus schmeckt. Aber schon um 9.40 Uhr ist Frühstückspause. Und auch zwischen Mittag und Schulschluss liegen noch einmal drei Stunden, in denen sie Hunger bekommen kann. Wenn es eine Lehre im Leben mit Kindern gibt, die ich fanatisch verfechte, ist das der Zusammenhang zwischen nölendem Nachwuchs und Nahrung: Siebzig Prozent aller Quengelanfälle auf Ausflügen, auf dem Rückweg vom Kindergarten, selbst an unspektakulären Nachmittagen daheim lassen sich mit einer Laugenbrezel oder ein bisschen Banane abstellen. Früher, als Kinderlose, war für mich die Tupperdose mit Apfelschnitzen das Symbol schlechthin, dass Frauen eben doch verblöden, wenn sie Mütter werden, weil sie ihre Persönlichkeit und ihre Prioritäten dieser umspannenden Überversorgung opfern. Inzwischen mache ich keinen Schritt mit Kindern mehr ohne Notfallproviant.

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