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Partnervermittlung Glaube, Liebe, Hoffnung

Einsame Christen finden nun auch im Internet schneller Anschluss. Unter kathtreff.org oder auch feuerflamme.de können sie ihrem Schicksal auf die Sprünge helfen – und einen Partner suchen.

© dpa Vergrößern Die Hälfte der zwölf Millionen Singles in Deutschland sucht einen Partner im Internet

Felix Walther glaubt an Gott, seit seiner Kindheit. „Ich habe deshalb immer nach einer katholische Frau gesucht, die fest im Glauben steht“, sagt der Achtunddreißigjährige. Aber Felix Walther hat diese Frau lange nicht gefunden. „Wo denn auch?“ Irgendwann riet ihm eine Freundin, sich doch in einer religiösen Partnervermittlung im Internet anzumelden. In der digitalen Scheinwelt sollen seit einiger Zeit nämlich auch Gläubige zueinander finden, indem sie sich einloggen, auf Profile klicken, die liebsten Bibelverse unbekannter Menschen lesen, in deren Fotoalben blättern, zarte Kontakte knüpfen – und sich vielleicht verlieben.

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Zurzeit leben in Deutschland etwa zwölf Millionen Menschen ohne einen Partner, jeder Zweite von ihnen sucht einen über das Internet. Das ist bei Singleportalen mit religiösem Antlitz beinahe genauso wie bei herkömmlichen Brunftplätzen. Wer etwa Teil des Heiratsmarktes auf kathtreff.org werden möchte, der muss zuvor einen Fragebogen ausfüllen, in dem er neben Augenfarbe, Größe und Ausbildung auch verrät, wie viel Alkohol er durchschnittlich konsumiert, welches Gebet er am liebsten spricht, welcher Heilige ihn am meisten beeindruckt. Er versichert auch, dass er wirklich ein „katholischer Single“ ist. Gerade einmal zwei Jahre nach ihrer Gründung hat die katholische Vermittlungsstelle mehr als 4000 registrierte Nutzer. Das Ziel wird unumwunden gleich auf der Startseite der Homepage verkündet: „Herzlich eingeladen sind alle Katholiken, die die Lehre der Kirche ernst nehmen, heiraten wollen und dies auch kirchenrechtlich können.“

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Weihbischof inszenierte Partnerbörse

Auf kathtreff.org hat auch Felix Walther seine Frau Christine kennengelernt. Im Sommer 2006 sah er ihr Bild auf dem Monitor und fühlte sich sofort angesprochen. Sie haben telefoniert, einander getroffen und im März 2007 schließlich geheiratet. Kosten der Vermittlung: rund 150 Euro. Trotzdem sagt Felix Walther. „Meine Frau und ich, wir haben beide das Gefühl, dass unsere Liebe nur von Gott geführt und gewollt ist.“

So hat es sich der Salzburger Weihbischof Andreas Laun wohl vorgestellt, als er die Idee des katholischen Portals der einsamen Herzen hatte und eine Wiener Agentur beauftragte, sie in die Tat umzusetzen. Auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner ist begeistert von einem derartigen Angebot und bedankt sich in einem Grußwort für den „katholischen Heiratsdienst“ aus. Die meisten einsamen Herzen auf kathtreff.org kommen nach Angaben der Betreiber des Portals aus Deutschland. Aber auch aus der Schweiz, Österreich, Italien, Spanien, Polen, den Niederlanden, Großbritannien oder der Ukraine haben sich Leute angemeldet. 62 Prozent der Nutzer seien Männer.

„Eine Singlebörse für Gläubige ist eine kluge Idee“

Was die Katholiken können, das können die Protestanten schon lange. „Da draußen sind Menschen auf der Suche nach Gleichgesinnten, aber die finden sich einfach nicht“, glaubt Rainer Zincke und klingt dabei traurig. Zincke ist Mitbegründer von feuerflamme.de, dem evangelischen Portal für Frauen und Männer, die allein sind und gern ein Leben in Liebe und Gemeinsamkeit führen würden. Diesen Menschen will Zincke helfen, jedoch nicht nur aus Nächstenliebe. „Wir machen mit der Singlebörse ein sehr gutes Geschäft.“ Zwar ist die Anmeldung kostenlos, will man aber mehr als zwanzig Nachrichten im Monat versenden und ein Fotoalbum anlegen, kostet es sechzig Euro im Jahr.

Rainer Zincke macht den Computer an, öffnet ein paar Dokumente und beginnt zu erzählen: 5000 Männer und Frauen hätten sich inzwischen angemeldet, 53 Prozent von ihnen seien weiblich, 29 Prozent bekennen sich zur Evangelischen Landeskirche, 17 Prozent seien geschieden, vier Prozent lebten getrennt. Alle wollen sich verlieben. Da gibt es etwa passion4thelost, 40 Jahre alt, lange dunkle Haare, Nichtraucherin, kinderlos und ledig. Auf feuerflamme.de liest man, dass sie auf der Suche ist nach jemandem, „der auch ein großes Herz für Jesus und Menschen hat“. Vielleicht findet sie ihn ja in cosanostra, einem 37 Jahre alten Mann, kinderlos, ledig, Nichtraucher. Er mag Dinge wie „Cha Cha und Ostern, Kerzenschein und türkises Meer“. Was er nicht mag: „Milchnudeln, Volksmusik, Unehrlichkeit und Blutwurst“. Da wird sich doch eine Frau finden!

„Eine Singlebörse für Gläubige ist eine kluge Idee“, sagt Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. „Ich muss doch wissen, dass mein Partner die gleichen Werte und Grundüberzeugungen hat.“ Schließlich wirke sich das stabilisierend auf eine Partnerschaft aus. Noch dazu, wenn man von vornherein weiß, mit wem man es da eigentlich zu tun habe. Daran glaubt auch Felix Walther, der sich letztlich eben nicht nur auf die Hilfe Gottes verlassen wollte: „Ich kann mich ja nicht mein Leben lang in den Sessel zurücklehnen und flehen: Großer Guter, wann schickst Du mir endlich eine passende Frau?“

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 12.03.2008, 09:35 Uhr