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Sonntag, 12. Februar 2012
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Mutter mit 64 Nur die Eltern sind glücklich

04.12.2007 ·  Nach der Entbindung einer 64 Jahre alten Frau geht der Chef der Aschaffenburger Klinik auf Distanz. Mit der Vorgeschichte habe sein Haus nichts zu tun. Ein führender Reproduktionsmediziner bezeichnet den Fall als „Missbrauch des medizinischen Fortschritts“.

Von Ewald Hetrodt
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In dem Zimmer mit der Nummer 13 im ersten Obergeschoss der privaten Frauenklinik am Aschaffenburger Ziegelberg liegt die derzeit wohl bekannteste Patientin Deutschlands - aber nicht mehr lange. Der 64 Jahre alten Türkin, die in der vergangenen Woche eine gesunde Tochter zur Welt gebracht hat, geht es so gut, dass sie voraussichtlich schon in dieser Woche wieder entlassen werden kann, wie es in der Klinik heißt.

Bis dahin soll die Mutter so gut wie möglich von der Öffentlichkeit abgeschirmt werden. „Gerade als Privatklinik“ sehe man sich in besonderer Weise zur Diskretion verpflichtet, heißt es in einer Pressemitteilung des Geschäftsführers Michael Halbach. Er bedauere, dass „durch eine Indiskretion, die weder die Klinik noch ihre Mitarbeiter zu verantworten haben“, Details mit „Sensationscharakter“ bekannt geworden seien, heißt es.

Klinik nicht so entzückt ist wie die Eltern

Dass er trotz des beispiellosen Mutterglücks in seinem Haus nicht so entzückt ist wie die Eltern, lässt die Klarstellung vermuten, die die Verwaltung gestern verbreitete. Halbach stellt heraus, dass die Patientin schon schwanger gewesen sei, als sie den Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Elias Karam, vor rund zwei Monaten aufgesucht habe. Sie sei „wie jede andere Schwangere“ in Aschaffenburg stationär aufgenommen und operativ entbunden worden. Der Mediziner und die Klink seien „weder direkt noch indirekt am Zustandekommen der Schwangerschaft beteiligt“ gewesen. Zu der ganzen Vorgeschichte des Falles könnten sich nur die Eltern äußern.

Diese Distanzierung erklärt sich durch die Rechtslage. In Deutschland ist die Entnahme und Befruchtung einer gespendeten Eizelle nach dem Embryonenschutzgesetz nämlich verboten. Ärzte dürfen noch nicht einmal über die theoretische Möglichkeit eines solchen Eingriffs informieren. Eine Frau, die sich im Ausland eine befruchtete fremde Eizelle einpflanzen lässt, wird hingegen in Deutschland nicht bestraft.

Wenn das Kind eingeschult wird, sind die Eltern 70

Diesen Weg hat die Türkin gewählt, die in dem Aschaffenburger Stadtteil Damm lebt. Sie hatte sich im Ausland die Eizelle einer Fünfundzwanzigjährigen einsetzen lassen. Der Preis einer Eizellenspende soll zwischen 8000 und 12.000 Euro liegen. „Viel Geld“ habe man gezahlt, berichtete der 64 Jahre alte Ehemann, mit dessen Samen die Eizelle befruchtet worden war. Er bestätigte, gemeinsam mit seiner Frau schon zwei Kinder adoptiert zu haben. Bei der Geburt war er nicht dabei. Das mehr als zwei Kilogramm schwere Töchterchen wurde zweieinhalb Wochen vor dem eigentlich errechneten Zeitpunkt auf die Welt geholt. Der Vater zeigte sich stolz und sehr zufrieden: „Hauptsache, meine Frau ist gesund.“Sie gilt nun als die älteste Frau, die in Deutschland jemals ein Kind geboren hat.

Viele Mediziner lehnen insbesondere bei Frauen, die älter als 45 Jahre sind, eine Eizellenspende ab. Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Reproduktionsmedizinischen Zentren in Deutschland, Ulrich Hilland, hat die Schwangerschaft der 64-jährigen Frau als Missbrauch des medizinischen Fortschritts bezeichnet. Eine Schwangerschaft in diesem Alter sei nicht im Sinne des Kindeswohls. Eltern hätten die Pflicht, sich um ihre Kinder zu kümmern. „Bei einer 64-jährigen Frau sehe ich aber Probleme, dass diese Pflicht auch bis zum Erwachsenwerden durchgeführt werden kann“, sagte Hilland. Er plädierte aber zugleich dafür, Eizellenspenden auch in Deutschland zuzulassen. In medizinisch klaren Fällen müsse dies möglich werden. „Wir würden aber die Altersgrenze hier bei 45 Jahren sehen und nicht jenseits der 50. Alles andere ist aus ethischer Sicht nicht vertretbar.“

Als „eine egoistische Lösung des Paares“ bezeichnete das Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Klaus Diedrich, den Aschaffenburger Fall. Bei Frauen, die jenseits der natürlichen Empfängnis, also über 45 Jahre alt sind, sehe er eine Eizellenspende kritisch. „Man muss schon fragen, ob man das so zu Lasten des Kindes noch machen darf.“ Schließlich könne es sein, dass die Eltern bei der Einschulung des Mädchens schon tot seien.

Quelle: F.A.Z., 04.12.2007, Nr. 282 / Seite 58
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