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Leihmutterschaft : Bauchmama

  • -Aktualisiert am

Was kostet eine Leihmutterschaft? Bild: Wresch, Jonas

Das Paar mit dem Kinderwunsch lebte in Deutschland. Dort ist Leihmutterschaft illegal. In der Ukraine nicht.

          Der Wunsch war da, seit sie sich kannten. Am Anfang dachten sie nicht daran, dass er unerfüllt bleiben könnte. Doch mit den Jahren kamen die Zweifel - und mit den Zweifeln die Angst. Aus dem Wunsch wurde ein riesiges Unbedingtwollen. Er war da am Morgen und am Abend, bei der Arbeit und bei der Liebe. Er bestimmte den Rhythmus des Lebens: Monat um Monat das Auf und Ab von Hoffnung und Enttäuschung.

          Acht Jahre ging das so. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Der Wunsch machte missgünstig und schickte ungute Gedanken über die anderen, die ein Kind nach dem anderen bekamen. Sie mochte diese Gedanken nicht. Aber sie ließen sich nicht verscheuchen.

          Der Arzt stellte fest, dass es an ihr lag. Er versuchte, ihnen zu helfen. Einmal, ein zweites, ein drittes Mal. Jeder Versuch kostete anderthalbtausend Euro, die nicht von der Kasse bezahlt wurden. Sehr viel Geld für eine Kauffrau und einen Arbeiter. Es machte ihnen nichts aus. Aber sie fanden es ungerecht. Schließlich arbeiteten sie hart. Andere bekamen Kinder und Hartz IV. Andere bekamen Kinder, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Nicht aus Liebe, so wie sie.

          Die Antwort kam aus dem Internet

          Nach dem dritten Versuch wusste sie, dass sie nie schwanger werden würde. Die Ärzte gaben ihr zwar noch eine geringe Chance. Sie war jung, gerade Anfang 30. Aber sie wollte und konnte nicht mehr. Der Wunsch war größer denn je.

          Sie gingen zum Jugendamt, um ein Kind zu adoptieren. Man sagte ihnen, die Chancen stünden schlecht und sie würden mindestens sieben Jahre warten müssen - eine zweite Ewigkeit. Trotzdem schrieben sie die Bewerbung, stellten alle Papiere zusammen und reichten sie ein. Monatelang geschah nichts. Sie waren unglücklich. Eines Tages setzte er sich nach der Schicht an den Computer. Es musste doch noch eine Möglichkeit geben. Was kann man jetzt noch tun? Er stellte seine Frage in einem Internetforum. Und bekam eine Antwort. Sofort schickte er ihr eine SMS ins Büro. „Ich habe etwas gefunden. Komm nach Hause, wir müssen reden.“

          Er war auf eine Agentur für Leihmutterschaft in der Ukraine gestoßen. „Wir helfen Ihnen, den größten Wunsch Ihres Lebens zu verwirklichen“, hieß es dort auf deutsch. Sie überflog die Zeilen: Spezialistenteam, betreute Fortpflanzung, hohe Schwangerschaftsquoten, günstige Preise. Überall auf der Website lächelten Babys, rundeten sich Bäuche. Die Hoffnung war wieder da.

          Das Kind hätte dann drei Mütter

          Sie schrieben eine Mail. Am nächsten Morgen war die Antwort im Postfach. Sie rechneten alles durch, gingen zur Bank und nahmen einen Kredit auf. Sie kalkulierten knapp. Als die Bank fragte, wofür sie den Kredit bräuchten, sagten sie: privat. Zwei Wochen nach der ersten Mail saßen sie im Flugzeug nach Kiew. Die Agentur war ihr einziger Kontakt. Sie sahen nur die Hoffnung. Sie wollten vertrauen. Dass Leihmutterschaft in Deutschland illegal ist, sittenwidrig, war ihnen egal. In der Ukraine ist sie erlaubt.

          Noch vor der Abreise hatten sie auf der Website der Agentur die Eizellenspenderin ausgesucht. Die Leihmutter durfte nicht die Eizelle spenden, weil sie sonst ihr eigenes Kind austragen und verkaufen würde. Das ist auch in der Ukraine gesetzlich verboten. Das Kind würde also drei Mütter haben: die Eizellenspenderin, die Leihmutter und sie. Eine genetische Mutter, eine, die das Kind austrägt und zur Welt bringt, und sie. Sie würde keine natürliche Verbindung zu dem Kind haben, nur ihren Willen. Er sagte, weil der Samen von ihm sei, dürfe sie die Eizellenspenderin und die Leihmutter aussuchen.

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