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Kindern Ostern erklären „Jesus wollte nicht Chef sein“

Für Eltern ist die Kreuzigung und Auferstehung Jesu schwieriger zu erklären als Weihnachten, das Fest der Geburt Christi. Doch was, wenn die Kleinen fragen? Albert Biesinger, Professor für Religionspädagogik, kennt kindgerechte Antworten.

© REUTERS Vergrößern Wie soll man Kindern Ostern erklären?

Warum wurde Jesus ans Kreuz genagelt? Und wie geht das mit der Auferstehung? Für Kinder ist Ostern sicher ein seltsames Fest. Für Eltern ist es noch viel schwieriger zu erklären. Doch was, wenn die Kleinen fragen? Albert Biesinger, Professor für Religionspädagogik, kennt kindgerechte Antworten.

Herr Biesinger, Ostern ist das wichtigste Fest der Christen. Für Eltern sind Kreuzigung und Auferstehung Jesu aber viel schwieriger zu erklären als zum Beispiel Weihnachten als Fest der Geburt Christi. Sie sind Professor für Religionspädagogik in Tübingen und haben kürzlich das Buch „Was feiern wir an Ostern?“ veröffentlicht. Was antworten Sie, wenn ein Kind fragt: Warum hat Gott zugelassen, dass sein Sohn ans Kreuz genagelt wird, hatte er ihn nicht lieb?

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Doch, er hat ihn sogar sehr geliebt. Gott hat Jesus dazu nicht gezwungen. Jesus ist freiwillig aus der göttlichen Welt zu uns gekommen, um uns zu zeigen, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Damit er das konnte, musste er selber durch den Tod hindurchgehen. Jesus kam nach seinem Tod wieder zu Gott, durch die Auferstehung.

Biesinger © privat Vergrößern Ostern für Kinder: Alfred Biesinger lehrt Religionspädagogik

Und wie geht das, die Auferstehung?

Wenn man es mit einer Fernsehkamera filmen wollte - man würde es auf dem Film nicht sehen. Kindern sage ich: Der tote Körper bleibt hier, auf der Erde, aber der göttliche Funke in jedem, die Seele, geht in die neue Welt Gottes. Die Eltern haben ihren Kindern das Leben geschenkt, aber Gott hat jedes Kind gewollt und ihm von sich einen Lichtfunken mitgegeben. Dieses göttliche Licht kehrt bei der Auferstehung zurück zu Gott.

Am Abend vor seiner Kreuzigung wusch Jesus seinen Freunden die Füße. Warum hat er das gemacht? Das konnten die doch selbst.

Als Jesus lebte, gab es noch keine geteerten Straßen, die Wege waren staubig. Die Menschen trugen meist Sandalen. Also hatten sie öfter schmutzige Füße. Damals mussten in vornehmen Häusern die Diener den Gästen die Füße waschen. Jesus wollte zeigen, dass er sich nicht für den Chef hält, sondern den Menschen dienen will.

Jesus wurde ans Kreuz genagelt. Warum hat er sich nicht gewehrt?

Eine Kreuzigung ist ein schmerzhafter Tod. Damit wird deutlich, dass Jesus selbst Opfer wurde, dass er keiner war, der immer siegt, dem es immer gutgeht und der immer lächelt. Er wurde ungerecht behandelt. So zeigte er den Menschen, die selber Schmerzen haben, dass es ihm genauso ging. Jesus war auf dieser Welt von Anfang an bedroht, schon König Herodes wollte ihn töten, als er noch ein Baby war - deshalb flohen ja seine Eltern mit ihm nach Ägypten. Es gibt auch heute Kinder, die auf der Flucht und in Gefahr sind. Jesus hat all das erlebt, damit er den Menschen, die leiden, nahe ist.

Warum machte Jesus den Soldaten nicht klar, dass er kein Verbrecher ist?

Es gab um Jesus herum sehr böse Menschen, die Angst hatten, dass er zu mächtig wird, dass er alles durcheinanderbringt mit seinen Reden, und die haben ihn ermordet. Jesus hat ja nicht aufgehört zu behaupten, dass er Gottes Sohn ist. Die Soldaten haben nicht gewollt, dass sich seine Botschaft weiterverbreitet. Weil Jesus bei der Wahrheit blieb, wurde er gekreuzigt. Aber die Soldaten hielten ihn für einen Lügner. Sie merkten nicht, dass er ein ganz besonderer, ganz friedlicher Mensch ist.

Warum haben Jesu Freunde und seine Mutter ihm nicht geholfen?

Maria stand weinend unter seinem Kreuz. Die Jünger hätten das schon gewollt, aber sie hatten Angst. Die wären sonst auch gefangen genommen und umgebracht worden. Das ging ja so weit, dass selbst Petrus, eigentlich der beste Freund von Jesus, den Soldaten gesagt hat: Ich kenne diesen Menschen nicht, ich habe mit ihm nichts zu tun.

Letzte Kinderfrage: Warum kam Jesus nicht sofort in den Himmel?

In der Bibel steht, dass er am dritten Tag auferstanden ist von den Toten. Jesus war also richtig tot, nicht noch halb lebendig. Auch für uns gilt, dass wir nicht bis zum Jüngsten Tag warten müssen, bis wir auferstehen. Ich glaube, dass Jesus uns in der Stunde unseres Todes in die göttliche Welt begleitet, in ein neues Leben. Deshalb zünden wir auch das Osterfeuer und die Osterkerze an. Ihr Licht ist stärker als die Dunkelheit des Todes.

Die Fragen stellte Uta Rasche.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 11.04.2009, 17:35 Uhr