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Veröffentlicht: 25.06.2009, 11:55 Uhr

Jugendämter Zahl der Inobhutnahmen deutlich gestiegen

Immer weniger Kinder sind zu Hause gut aufgehoben: Die Jugendämter holen zunehmend mehr junge Menschen kurzfristig zum Schutz aus ihren Familien. Kleinkinder wurden 2008 doppelt so oft aus ihren Familien genommen wie noch im Jahr 2000.

© ddp Immer weniger Kinder sind nach Ansicht der Jugendämter und Gerichte zu Hause gut aufgehoben.

Die Jugendämter holen immer mehr Kinder und Jugendliche kurzfristig zum Schutz aus ihren Familien. Die Zahl der Inobhutnahmen stieg im vergangenen Jahr um 14,4 Prozent auf 32.300, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Im Vergleich zum Jahr 2005 war dies demnach sogar eine Steigerung um 26 Prozent. Jugendämter nehmen die Kinder bei einer akuten, sie gefährdenden Situation in Obhut. Sie werden meistens für Stunden oder einige Tage etwa in einem Heim untergebracht.

Die Zahl der Inobhutnahmen hatte den Angaben zufolge zur Jahrtausendwende bereits bei mehr als 31.000 gelegen, war dann aber bis 2005 auf gut 25.000 gesunken. Seither stieg die Zahl wieder deutlich an, nicht zuletzt, weil die Inobhutnahme durch eine Gesetzesänderung erleichtert wurde.

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Deutlich mehr Kleinkinder betroffen

Unter Berücksichtigung der zurückgehenden Zahl junger Menschen in der Bevölkerung zeigt sich auch im Vergleich zum Jahr 2000, dass im Verhältnis mehr Kinder in Obhut genommen werden: Im Jahr 2000 waren es 20 von 10.000 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, im Jahr 2008 bereits 23 von 10.000.

In den vergangenen Jahren wurden zudem deutlich mehr Kleinkinder aus ihren Familien genommen. Der Anteil der unter Dreijährigen an allen in Obhut genommenen Minderjährigen verdoppelte sich von fünf Prozent im Jahr 2000 auf zehn Prozent im vergangenen Jahr. Bei den Drei- bis Achtjährigen stieg der Anteil im gleichen Zeitraum von neun auf 14 Prozent.

Inobhutnahme nicht immer gerechtfertigt

Der mit Abstand meistgenannte Anlass für die Inobhutnahme war nach Angaben der Gerichte die Überforderung der Eltern in 44 Prozent aller Fälle. In 24 Prozent der Fälle waren Vernachlässigung beziehungsweise Anzeichen für Misshandlung oder für sexuellen Missbrauch festgestellt worden.

Nicht immer allerdings erweisen sich die Inobhutnahmen im Nachhinein als gerechtfertigt. Fachleute sprechen von amtlichem Größenwahn. Die Jugendämter handelten zum Teil nach der Maxime, Wegnehmen sei das Einfachste.

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