http://www.faz.net/-gum-12wfx

Jugendämter : Zahl der Inobhutnahmen deutlich gestiegen

  • Aktualisiert am

Immer weniger Kinder sind nach Ansicht der Jugendämter und Gerichte zu Hause gut aufgehoben. Bild: ddp

Immer weniger Kinder sind zu Hause gut aufgehoben: Die Jugendämter holen zunehmend mehr junge Menschen kurzfristig zum Schutz aus ihren Familien. Kleinkinder wurden 2008 doppelt so oft aus ihren Familien genommen wie noch im Jahr 2000.

          Die Jugendämter holen immer mehr Kinder und Jugendliche kurzfristig zum Schutz aus ihren Familien. Die Zahl der Inobhutnahmen stieg im vergangenen Jahr um 14,4 Prozent auf 32.300, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Im Vergleich zum Jahr 2005 war dies demnach sogar eine Steigerung um 26 Prozent. Jugendämter nehmen die Kinder bei einer akuten, sie gefährdenden Situation in Obhut. Sie werden meistens für Stunden oder einige Tage etwa in einem Heim untergebracht.

          Die Zahl der Inobhutnahmen hatte den Angaben zufolge zur Jahrtausendwende bereits bei mehr als 31.000 gelegen, war dann aber bis 2005 auf gut 25.000 gesunken. Seither stieg die Zahl wieder deutlich an, nicht zuletzt, weil die Inobhutnahme durch eine Gesetzesänderung erleichtert wurde.

          Deutlich mehr Kleinkinder betroffen

          Unter Berücksichtigung der zurückgehenden Zahl junger Menschen in der Bevölkerung zeigt sich auch im Vergleich zum Jahr 2000, dass im Verhältnis mehr Kinder in Obhut genommen werden: Im Jahr 2000 waren es 20 von 10.000 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, im Jahr 2008 bereits 23 von 10.000.

          In den vergangenen Jahren wurden zudem deutlich mehr Kleinkinder aus ihren Familien genommen. Der Anteil der unter Dreijährigen an allen in Obhut genommenen Minderjährigen verdoppelte sich von fünf Prozent im Jahr 2000 auf zehn Prozent im vergangenen Jahr. Bei den Drei- bis Achtjährigen stieg der Anteil im gleichen Zeitraum von neun auf 14 Prozent.

          Inobhutnahme nicht immer gerechtfertigt

          Der mit Abstand meistgenannte Anlass für die Inobhutnahme war nach Angaben der Gerichte die Überforderung der Eltern in 44 Prozent aller Fälle. In 24 Prozent der Fälle waren Vernachlässigung beziehungsweise Anzeichen für Misshandlung oder für sexuellen Missbrauch festgestellt worden.

          Nicht immer allerdings erweisen sich die Inobhutnahmen im Nachhinein als gerechtfertigt. Fachleute sprechen von amtlichem Größenwahn. Die Jugendämter handelten zum Teil nach der Maxime, Wegnehmen sei das Einfachste.

          Weitere Themen

          Wal verpasst Taucher Ohrfeige Video-Seite öffnen

          Gefährlich nah : Wal verpasst Taucher Ohrfeige

          Ein Buckelwal verpasste einem Touristen vor La Reunion einen Schlag mit der Fluke. Walschützer kritisieren, dass Neugierige den Tieren im Indischen Ozean oft zu nah kommen.

          Topmeldungen

          Luigi Di Maio (Mitte) verkündet am 27. September 2018 vom Balkon des Palazzo Chigi den „Haushalt des Volkes“.

          Haushaltspolitik in Italien : Volk ohne Geld

          Italiens neue Regierung ruft die „Abschaffung der Armut“ aus, macht Front gegen den „Terror der Märkte“ und bereitet die Zerstörung der EU vor. Warum geht sie nicht zuerst gegen das Privatvermögen der eigenen Leute vor?
          Andreas Jung auf dem Weg zur Fraktionssitzung der Union im Deutschen Bundestag.

          Unionspolitiker Andreas Jung : Der Mann, der sich mit Scholz anlegt

          In der Unionsfraktion hat sich der Badener Andreas Jung gegen starke Konkurrenz durchgesetzt – nun muss er die harten Themen Steuern und Haushalt anpacken. Kaum im Amt, stellt er sich gegen Vizekanzler Scholz.

          Mega-Demo zum Brexit : Die Hoffnung stirbt zuletzt

          Während die Austrittsverhandlungen zwischen der EU und Großbritannien immer noch keine sichtbaren Fortschritte bringen, gehen in London über eine halbe Million Menschen auf die Straße. Die Stimmung ist hoffnungsvoll.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.