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Hausaufgaben Mami, hilf mir!

Mit ihren Hausaufgaben sollen Kinder zeigen, was sie im Unterricht gelernt haben. Doch nur die wenigsten arbeiten zu Hause allein: Zwei von drei Elternpaaren helfen dem Nachwuchs. Doch tun sie den Kindern damit etwas Gutes, oder schaden sie ihnen sogar?

© Frank Röth Vergrößern Lassen "geschönte" Aufgaben ein falsches Bild vom Wissensstand der Kinder entstehen?

Lennart, 11, ist ein ruhiges Kind mit vielen Interessen und guten Ideen. Er geht lächelnd zur Schule und kommt auch lächelnd wieder nach Hause - dreimal in der Woche um 14 Uhr, zweimal um 16 Uhr. Danach geht der Sechstklässler zum Tischtennis- und Trompetenunterricht, und am liebsten würde er sich nachmittags auch noch zum Spielen verabreden, aber das geht nicht. „Nur wenn ein Feiertag ist, ansonsten wird die Zeit meistens zu knapp“, seufzt seine Mutter Petra Veith*, von Beruf Lehrerin. Lennart muss was für die Schule tun, wenn er nach Hause kommt. Aber nicht nur er. Auch seine Mutter. Denn die hilft ihm. „Wir tun für jedes Hauptfach was und oft auch für die Nebenfächer, und wir lernen viele Vokabeln“, sagt die 43-Jährige, „insgesamt sicher drei Stunden am Tag, verteilt über Nachmittag und Abend, und am Wochenende geht es weiter.“

Ein Einzelfall? Keineswegs. Fast zwei Drittel aller Eltern erarbeiten den schulischen Lernstoff grundsätzlich gemeinsam mit ihren Kindern, ergab kürzlich eine repräsentative Umfrage der Universität Bielefeld. Und mehr als drei Viertel helfen bei der Vorbereitung auf Klassenarbeiten und Referate. Das gilt für Ganztagsschüler ebenso wie für Halbtagsschüler. Der nachmittägliche und abendliche Einsatz der Eltern als Förderlehrer scheint in vielen Familien selbstverständlich. So auch bei den Veiths: „Siebzig bis achtzig Prozent der Hausaufgaben sind direkt an die Eltern gerichtet, sie setzen deren Unterstützung voraus“, findet Mutter Petra. „Es ist ein ganz elitäres System. Es gibt sicherlich Hochbegabte, die allein klarkommen. Ein normal intelligentes Kind steht sehr unter Druck, selbst wenn es fleißig ist und Unterstützung von den Eltern hat.“

Auch Meike Bergmann, eine Ärztin, die ihren Traumjob in einer Klinik mit dem Ende des Mutterschutzes verlor und inzwischen an einer Schule in Teilzeit arbeitet, glaubt: „Das eigentliche Lernen findet ausschließlich zu Hause statt.“ Ihre Tochter Sophie, ebenfalls Sechstklässlerin, erfährt von ihr eine allumfassende außerschulische Betreuung, denn sonst „würde sie im Chaos ihrer Mappen und Zettel ersticken, sie wäre nicht die gute Schülerin, die sie jetzt ist, und ich bezweifele, ob ihre Motivation, sich zu organisieren und zu üben, ausreichen würde, sie auf dem Gymnasium oder auch nur auf einer Realschule zu halten.“

„Eltern sind sehr emotional“

Ulrich Trautwein, Professor für empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen, kennt solche Argumente zur Genüge. Er weiß: „Eltern sind sehr emotional - wenn das Kind was nicht kann, verzweifeln sie und empfinden Schulprobleme als Kränkung und eigenes Versagen, vor allem, wenn das Kind ihr einziges und wichtigstes Projekt ist.“ Doch täten Eltern, die ihr Kind systematisch beim Lernen unterstützen, ihrem Nachwuchs damit in der Regel keinen Gefallen: Systematische Untersuchungen an Schülern aller Schulformen zwischen der fünften und der neunten Klasse hätten ergeben, dass „elterliche Zwangsbetreuung am Nachmittag“ nichts bringe und sogar schaden könne, wenn sie ohne Bitten des Kindes zustande komme. Insgesamt gesehen führe permanente Hilfe längerfristig oft zu einer Leistungsverschlechterung. Trautwein sagt: „Jeder kennt Fälle, in denen Kinder durch elterliche Hilfe besser in der Schule geworden sind. Im statistischen Mittel ist aber öfter das Gegenteil der Fall.“

Und zwar vor allem dann, wenn es beim gemeinsamen Lernen häufig zu Streit oder Tränen kommt, oder wenn die Eltern augenrollend sagen: „Ich weiß nicht, was daran so schwer ist.“ Dann nämlich leidet das Selbstbewusstsein des Kindes, und seine Motivation schwindet. „Ich mache seit zwanzig Jahren Elternabende - was da an Beziehungen zerstört werden kann über die Hausaufgabenhilfe, und bringen tut sie oft gar nichts“, sagt Britta Kohler, Erziehungswissenschaftlerin und Autorin des Buches „Hausaufgaben. Helfen - aber wie?“.

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