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Generation 30 Hört auf zu jammern!

Die Eltern hatten mit 30 schon Haus, Familie und einen festen Job. Die Jungen plagt das Gefühl, nie mithalten zu können. Schade. Denn eigentlich geht es dieser Generation doch ziemlich prächtig.

© Frank Röth Vergrößern Annalina und Gerrit Nolte leben auf Abruf - ständig bereit, den Job und den Wohnort zu wechseln. So lieben sie es, aber die Familie soll stabil sein.

Bernd hasst Familienfeiern. Denn spätestens beim Rotwein abends poltert sein Vater los: „Wann kauft ihr endlich ein Haus? Kinder brauchen einen Garten - und Julia längst ein Geschwisterchen.“ Je später der Abend, desto schärfer die Geschosse: Eigenheim, Hochzeit, ein fester Job, nichts davon kann Bernd vorweisen. „Ich stehe da wie ein Versager“, sagt der promovierte Jurist.

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Dabei hat er alles, was ihm an Karriere aufgetragen war, mit Bravour erledigt: Er ist 31 Jahre alt, hat ein Prädikatsexamen, Doktortitel, eine feste Freundin, eine süße Tochter. Im Moment lernt er fürs zweite Staatsexamen. Im Prinzip stimmt alles. Nur im Vergleich zum Vater wirkt es glanzlos. Der Papa war mit Anfang 30 sein eigener Herr, hat als Unternehmer eine Handvoll kleiner Elektronik-Firmen hochgezogen. Hat Tag und Nacht gerackert, auch am Wochenende. Zum Lohn hatte er mit Anfang 30 eine Frau, drei kleine Kinder und ein Haus mit Pool. Sohn Bernd dagegen, der „Herr Doktor“, wie ihn der Vater gerne nennt, könnte sich nicht mal die Vier-Zimmer-Wohnung in Wiesbaden leisten, in der die Kleinfamilie lebt. Die Miete zahlt Papa.

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Das nervt; die ewige Abhängigkeit von den Eltern, die Vorwürfe, das Unverständnis für seine Lage. „Ich habe nicht getrödelt, habe mir keine Patzer erlaubt.“ Trotzdem hängt er am Geldbeutel des Vaters. „Das geht eigentlich gar nicht“, sagt Bernd selbst. Aber ohne geht es eben auch nicht. „Die Eltern hatten es irgendwie einfacher.“ Leichter als heute jedenfalls - so ungerecht ist die Welt.

Infografik / Die junge Mittelschicht hat es so gut wie nie2 © F.A.Z. Vergrößern

Ist die Welt wirklich ungerecht? Haben es die jungen Leute heute schwerer als die Elterngeneration? Das Gefühl zumindest plagt viele, selbst jene, deren Lebenslauf das Prädikat „High Potential“ verdient: Irgendwas läuft hier schief, wir rappeln uns ab, kommen leidlich voran. Und trotzdem: Etwas fehlt. Status, Sicherheit, was die Eltern eben vorgelebt haben und nun von den Kindern einfordern.

Die Leiden der 30-Jährigen, ihr gefühltes Defizit und ihr Eindruck, trotz aller Anstrengung auf keinen grünen Zweig zu kommen, ist das eine. Die nüchternen Tatsachen sehen allerdings anders aus. Objektiv nämlich hätte die Generation 30 keinen Grund zur Klage. Tatsache ist, dass keine Generation früher bessere Chancen im Leben hatte: Ein Studium ist für diese Kinder der Mittelschicht, des Bildungsbürgertums, heute selbstverständlich. Und wer studiert hat, sagen alle Untersuchungen, hat nur ein geringes Arbeitsmarktrisiko und darf zugleich ein ordentliches Einkommen erwarten.

Im Schnitt verdient ein Akademiker heute 4156 Euro im Monat, 1980, als seine Eltern den Berufseinstieg probierten, war nicht einmal die Hälfte üblich - selbst bei herausgerechneter Inflation ergibt das ein erkleckliches Plus.

Der taxifahrende Dr. phil. als Massenphänomen?

Die Einstiegsgehälter damals lagen für drei Viertel der Studierten sogar unter 2000 Euro, nur sechs Prozent kamen auf 2500 Euro und mehr. Der Arbeitsmarkt für Hochschulabsolventen ist heute also attraktiv. „Die Gehälter sind über die letzten beiden Jahrzehnte deutlich und kontinuierlich gestiegen. Und die Aussichten für qualifizierte Berufsanfänger sind heute hervorragend und sie bleiben es auch“, sagt der Kienbaum-Vergütungsexperte Alexander von Preen. Die Kienbaum-Zahlen weisen aus, dass etwa Wirtschaftswissenschaftler mit Universitätsstudium heute beim Berufseinstieg ein Gehalt erwartet, das um 46 Prozent höher ist als vor zwanzig Jahren; bei Fachhochschülern sind es sogar 57 Prozent.

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Veröffentlicht: 24.05.2010, 13:44 Uhr