http://www.faz.net/-gum-72zbj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Veröffentlicht: 19.09.2012, 20:42 Uhr

Geburtenzahlen Das Elterngeld wirkt doch

Akademikerinnen bekommen wieder mehr Kinder - aber zu einem späteren Zeitpunkt im Leben. Ist die Einführung des Elterngelds für die Steigerung verantwortlich?

von Stefan Schulz
© dapd Noch immer bleibt fast jede dritte Frau mit Hochschulabschluss kinderlos

Junge Frauen, die derzeit in Prüfungsstress stecken, für Partnerschaften keine Zeit finden und selten über die Gründung einer eigenen Familie nachdenken, geben den Statistikern des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung Hoffnung.

Am Mittwoch stellten sie eine Studie vor, die, nach den historisch niedrigsten Geburtenzahlen, die das Statistische Bundesamt zuletzt für Deutschland meldete, nun wenigstens eine demographisch hoffnungsvolle Perspektive bietet: Der Abwärtstrend der Geburtenrate unter Akademikerinnen – 2005 lag er bei einem Tiefststand von 1,24 Kindern pro Frau – sei gestoppt. Und es gebe Anzeichen dafür, dass die Geburtenrate steigt: 2011 lag sie bei 1,34 Kindern pro Frau.

Deutlicher Anstieg an „nachholenden Geburten“

Die auf den ersten Blick geringe Steigerung gibt wenig Anlass zu Hoffnung, auch, weil die Zahl der Frauen im geburtsfähigen Alter insgesamt in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen ist. Die Forscher hegen sie dennoch, wenn sie das Alter der Frauen bei der Geburt berücksichtigen.

Nicht nur sei der Rückgang der Geburten bei jüngeren Akademikerinnen gestoppt, es gebe zusätzlich einen deutlichen Anstieg an „nachholenden Geburten“. Dieser lässt sich heute jedoch nur schätzen. 38 Prozent der Akademikerkinder kommen schon heute nach dem 35. Geburtstag ihrer Mütter zur Welt.

Infografik / Akademikerinnen holen ihren Kinderwunsch häufiger nach © F.A.Z. Vergrößern

Die Forscher ermittelten anhand aktueller Daten des Mikrozensus, wie viele Kinder 34 Jahre alte Akademikerinnen am Ende ihrer „Fertilitätsbiographie“ haben werden. Es geht ihnen um die Zahl von Kindern, die zum Erhebungszeitpunkt fast zur Hälfte noch nicht geboren wurden und zuweilen erst ein Jahrzehnt später geboren werden. Dennoch handele es sich um eine wichtige Zahl.

Mit 34 Jahren werden nach dem Bildungsweg die wichtigen biographischen Entscheidungen getroffen. Würde die Politik auf die tatsächlichen Kinderzahlen dieser jungen Frauen warten, kämen die familienpolitischen Entscheidungen, die sich aus ihnen ableiten ließen, ein Jahrzehnt zu spät. Das wäre „fatal“, schreiben die Forscher. In dieser Hinsicht sind die Zahlen auch für eine Rückschau auf jüngste politische Entscheidungen interessant.

Mehr zum Thema

Denn nach dem Tiefstand 2005 zeigen die Daten „einen deutlichen Sprung“ zwischen 2007 und 2008. Die Geburtenrate der Akademikerinnen kletterte nach der Einführung des Elterngeldes binnen eines Jahres von 1,29 auf 1,38. Ob die Einführung des Elterngelds für diese Steigerung verantwortlich ist, lasse sich aus den Zahlen nicht direkt herauslesen, sagte Martin Bujard, der für die Studie verantwortlich ist.

Jedoch trage es „in besonderem Maße dem Bedarf von Akademikern Rechnung“, schreibt er. Vielleicht erhöht sich in den kommenden Jahren auch die Zahl akademischer Eltern. Heute bleibt noch immer fast jede dritte Frau mit Hochschulabschluss kinderlos.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Verhaltensforschung Mütter können mehr

Kinderkriegen setzt ungeahnte Kräfte im Gehirn frei, das hat die Verhaltensforschung eindrucksvoll belegt. In der Debatte um die bereuenden Mütter braucht es weder Trost noch die fatale Selbstentwertung der Frauen. Mehr Von Martina Lenzen-Schulte

28.04.2016, 11:53 Uhr | Feuilleton
Fernsehtrailer Rosamunde Pilcher: Ein Doktor & drei Frauen

Rosamunde Pilcher: Ein Doktor & drei Frauen läuft am Sonntag um 20.15 Uhr im ZDF. Mehr

22.04.2016, 17:22 Uhr | Feuilleton
Stechmücken-Falle Mit Autoreifen gegen Zika-Überträger?

Reifen, gefüllt mit einem Lockmittel, werden tropischen Stechmücken zum Verhängnis. Hilft diese Methode auch bei der Bekämpfung von Zika, Dengue und Gelbfieber? Mehr Von Reinhard Wandtner

20.04.2016, 13:02 Uhr | Wissen
Forscher proben den Ernstfall Gewappnet für die Ölkatastrophe in der Arktis

Durch den Klimawandel wird die rohstoffreiche Arktis für Konzerne zunehmend interessant. Doch das Fördern von Öl und Gas birgt Gefahren für Mensch und Umwelt. Umweltexperten aus Finnland erproben vor Ort neue Techniken für den Fall eines Ölaustritts. Mehr

14.04.2016, 19:14 Uhr | Wissen
Nationalsozialistischer Terror Und denkt daran, was sie litten

Kann man noch etwas Neues über die Konzentrationslager erfahren? Der Historiker Nikolaus Wachsmann hat tausend Seiten darüber geschrieben, extrem gefiltert und doch erdrückend – eine Erzählung, die wohl nicht mehr übertroffen wird. Mehr Von Paul Ingendaay, Liverpool

22.04.2016, 17:00 Uhr | Feuilleton