Home
http://www.faz.net/-gum-72zbj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Geburtenzahlen Das Elterngeld wirkt doch

Akademikerinnen bekommen wieder mehr Kinder - aber zu einem späteren Zeitpunkt im Leben. Ist die Einführung des Elterngelds für die Steigerung verantwortlich?

© dapd Noch immer bleibt fast jede dritte Frau mit Hochschulabschluss kinderlos

Junge Frauen, die derzeit in Prüfungsstress stecken, für Partnerschaften keine Zeit finden und selten über die Gründung einer eigenen Familie nachdenken, geben den Statistikern des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung Hoffnung.

Am Mittwoch stellten sie eine Studie vor, die, nach den historisch niedrigsten Geburtenzahlen, die das Statistische Bundesamt zuletzt für Deutschland meldete, nun wenigstens eine demographisch hoffnungsvolle Perspektive bietet: Der Abwärtstrend der Geburtenrate unter Akademikerinnen – 2005 lag er bei einem Tiefststand von 1,24 Kindern pro Frau – sei gestoppt. Und es gebe Anzeichen dafür, dass die Geburtenrate steigt: 2011 lag sie bei 1,34 Kindern pro Frau.

Deutlicher Anstieg an „nachholenden Geburten“

Die auf den ersten Blick geringe Steigerung gibt wenig Anlass zu Hoffnung, auch, weil die Zahl der Frauen im geburtsfähigen Alter insgesamt in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen ist. Die Forscher hegen sie dennoch, wenn sie das Alter der Frauen bei der Geburt berücksichtigen.

Nicht nur sei der Rückgang der Geburten bei jüngeren Akademikerinnen gestoppt, es gebe zusätzlich einen deutlichen Anstieg an „nachholenden Geburten“. Dieser lässt sich heute jedoch nur schätzen. 38 Prozent der Akademikerkinder kommen schon heute nach dem 35. Geburtstag ihrer Mütter zur Welt.

Infografik / Akademikerinnen holen ihren Kinderwunsch häufiger nach © F.A.Z. Vergrößern

Die Forscher ermittelten anhand aktueller Daten des Mikrozensus, wie viele Kinder 34 Jahre alte Akademikerinnen am Ende ihrer „Fertilitätsbiographie“ haben werden. Es geht ihnen um die Zahl von Kindern, die zum Erhebungszeitpunkt fast zur Hälfte noch nicht geboren wurden und zuweilen erst ein Jahrzehnt später geboren werden. Dennoch handele es sich um eine wichtige Zahl.

Mit 34 Jahren werden nach dem Bildungsweg die wichtigen biographischen Entscheidungen getroffen. Würde die Politik auf die tatsächlichen Kinderzahlen dieser jungen Frauen warten, kämen die familienpolitischen Entscheidungen, die sich aus ihnen ableiten ließen, ein Jahrzehnt zu spät. Das wäre „fatal“, schreiben die Forscher. In dieser Hinsicht sind die Zahlen auch für eine Rückschau auf jüngste politische Entscheidungen interessant.

Mehr zum Thema

Denn nach dem Tiefstand 2005 zeigen die Daten „einen deutlichen Sprung“ zwischen 2007 und 2008. Die Geburtenrate der Akademikerinnen kletterte nach der Einführung des Elterngeldes binnen eines Jahres von 1,29 auf 1,38. Ob die Einführung des Elterngelds für diese Steigerung verantwortlich ist, lasse sich aus den Zahlen nicht direkt herauslesen, sagte Martin Bujard, der für die Studie verantwortlich ist.

Jedoch trage es „in besonderem Maße dem Bedarf von Akademikern Rechnung“, schreibt er. Vielleicht erhöht sich in den kommenden Jahren auch die Zahl akademischer Eltern. Heute bleibt noch immer fast jede dritte Frau mit Hochschulabschluss kinderlos.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Familienpolitik Wird auch das Elterngeld gestrichen?

Die Herdprämie haben die Verfassungsrichter gekippt. Was aber wird aus dem Elterngeld? Karlsruhe hat schon einen Wink gegeben. Mehr Von Florentine Fritzen

29.07.2015, 16:55 Uhr | Politik
Die Frauen von Algier Teuerstes Bild der Welt versteigert

In New York ist das Bild Die Frauen von Algier von Pablo Picasso versteigert worden. Das Bild erreichte inklusive aller Gebühren einen Gesamtpreis von etwa 180 Millionen Dollar – Weltrekord. Mehr

12.05.2015, 10:59 Uhr | Feuilleton
Christian Ulmen im Gespräch Ich musste nie stärker und härter sein als als Vater

Wann ist ein Mann ein Mann? Schauspieler Christian Ulmen teilt sich die Familienarbeit mit seiner Frau und Kollegin Collien Fernandes. Hier berichtet er von der Kritik, die beiden entgegenschlägt – und warum er trotzdem nicht an seiner Männlichkeit zweifelt. Mehr Von Lisa Nienhaus

19.07.2015, 09:03 Uhr | Feuilleton
Herero-Frauen Trachten in Erinnerung an den Völkermord

Die Herero-Frauen im namibischen Dorf Ovitoto legen großen Wert auf ihre traditionelle Tracht. Die Rückbesinnung auf diese Kleidung hängt Forschern zufolge auch mit dem Völkermord Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Deutschen zusammen. Mehr

03.02.2015, 09:06 Uhr | Gesellschaft
Chinas lockere Geldpolitik Nach der Party kommt die Angst

Lange hatte China die Börsenkurse mit lockerer Geldpolitik und Propaganda nach oben getrieben. Nun stehen Privatanleger vor dem Ruin. Und fühlen sich von Peking betrogen. Mehr Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai

01.08.2015, 09:20 Uhr | Finanzen

Veröffentlicht: 19.09.2012, 20:42 Uhr