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Geburtenrückgang Ein Land stirbt aus

 ·  Die Zahl der Geburten in Deutschland erreicht im Jahr 2011 einen neuen Tiefststand. Seit 1971 sterben jedes Jahr mehr Menschen als neue geboren werden.

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Wie schon in den vergangenen 40 Jahren sind auch 2011 wieder mehr Menschen in Deutschland gestorben als geboren wurden. Im Jahr 1971 waren zum bislang letzten Mal mehr Kinder auf die Welt gekommen (1013396) als Gestorbene registriert wurden (965623). Seither ist die Zahl der lebendgeborenen Kinder stetig und stark zurückgegangen - auf zuletzt 662712 im Jahr 2011, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden anhand vorläufiger Daten mitteilte. Das waren gut 15000 Kinder weniger als 2010 (minus 2,2 Prozent). Es wäre die niedrigste Geburtenzahl, die bislang für Deutschland verzeichnet wurde. Leichte Korrekturen nach oben oder unten in den kommenden Monaten sind zwar nicht auszuschließen, sie dürften aber auch dann nicht an die bislang niedrigste Zahl im Jahr 2009 (665126) heranreichen.

Noch vor einem Jahrzehnt kamen gut 100000 Kinder mehr zur Welt, im Jahr der Wiedervereinigung waren es sogar insgesamt noch 905675. In den Jahren 1990 bis 1994 ging die Zahl der Geburten in den neuen Ländern dramatisch zurück - von rund 178000 auf etwa 79000. Sie stieg danach wieder auf seither 100000 im Jahr. Schwankungen von einigen Tausend Geburten reichen nach Angaben der Statistiker bei weitem nicht aus für eine Trendumkehr oder -wende, wie sie Politiker zuletzt vor einem Jahr ausgerufen hatten, nachdem im Jahr 2010 knapp 13000 Kinder mehr als 2009 zur Welt gekommen waren. Der Rückgang von 2008 auf 2009 hatte bei mehr als 17000 gelegen. Die höchste Geburtenzahl wurde 1964 erreicht, im Jahrzehnt des „Baby-Booms“: Mit 1357304 war sie mehr als doppelt so hoch wie heute. In den sechziger Jahren starben allerdings auch noch zwischen 30000 und 40000 Kinder im ersten Lebensjahr, inzwischen sind es weniger als 2500.

Die Zahl der geborenen Kinder hängt vor allem von der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter ab. 2010 gab es in Deutschland rund 18,4Millionen Frauen im Alter von 15 bis 49Jahren. Das waren 1,3Millionen weniger als 1997, dem Jahr mit den meisten Frauen in der relevanten Altersgruppe nach der deutschen Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt schreibt. Vor 15Jahren waren Frauen der Jahrgänge 1948 bis 1982 im gebärfähigen Alter, das schloss die geburtenstarken Jahrgänge der fünfziger und sechziger Jahre ein. Inzwischen sind die wesentlich schwächeren Jahrgänge von 1983 bis 1995 nachgerückt.

Bei der Mädchengeneration der heute unter Fünfzehnjährigen ist fast jeder jüngere Jahrgang kleiner als der vorherige - die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter wird also in den kommenden 15Jahren immer weiter schrumpfen. Besonders markant ist zudem der Rückgang in der Gruppe der Frauen im Alter von 26 bis 35Jahren. Sie bringen mehr als 60Prozent der Neugeborenen zur Welt, und diese Gruppe ist zwischen 1990 und 2010 um 1,5 Millionen kleiner geworden. Ihr Anteil an allen Frauen im gebärfähigen Alter ist von 33auf 26Prozent zurückgegangen. Spätestens nach 2020 wird diese Altersgruppe nach Ergebnissen der Bevölkerungsvorausberechnung kontinuierlich schrumpfen, schreibt das Statistische Bundesamt.

Im vergangenen Jahr sind auch weniger Menschen gestorben als 2010: Die Zahl ging von 858768 auf 852359 zurück, ein minus von 0,7Prozent. Die Differenz zwischen Geborenen und Gestorbenen hat damit 2011 mit 189647 einen neuen Höchststand erreicht. Nur 1975 war die Zahl noch größer (207339). Damals starben 989649 Menschen, 782310 Kinder wurden geboren. Auch die Zahl der Eheschließungen verringerte sich 2011 im Vergleich zum Vorjahr - und zwar um 4216 auf 377831. Allerdings traten in den Jahren 2006, 2007 und 2008 noch weniger Menschen in Deutschland vor den Traualtar. Zugleich hat sich die Zahl der nichtehelich geborenen Kinder in den vergangenen vier Jahrzehnten nahezu vervierfacht - von rund 70000 auf 224750 im Jahr 2011.

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Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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