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Patchwork-Familien : Wie ich eine glückliche Stiefmutter wurde

  • -Aktualisiert am

Als Stiefmutter hat man so einiges zu stemmen. Bild: Jan Bazing

Patchwork ist Arbeit. Wer sich für eine neue Familie entscheidet, braucht eine Weile, bis er sich verwachsen fühlt. Bei unserer Autorin dauerte es 80 gemeinsame Wochenenden voller Gutenachtgeschichten und Einsätzen am Badewannenrand.

          Wohl niemand plant, Stiefmutter oder Stiefvater zu werden. Mancher mag sich vornehmen, einen erfolgreichen Mann oder eine attraktive Frau zu heiraten, aber keiner träumt von einem Partner mit Anhang, mit quicklebendigem „Gepäck“ aus einer oder gar mehreren früheren Beziehungen. Kein Wunder, gelten doch Patchwork-Familien vielen nach wie vor als Familien zweiter Klasse und Stiefmütter seit jeher als herzlose Frauen, die die Nachkommen des Mannes mit Eifersucht verfolgen.

          Um aus Patchwork mehr als eine Notlösung und aus der berüchtigten Kindsquälerin eine Vorbildfigur zu machen, brauchte es im 21. Jahrhundert entweder eine ausgeklügelte Marketing-Kampagne - oder aber die normative Kraft des Faktischen, sprich: die immer häufiger anzutreffende positive Patchwork-Realität besiegt endlich den miserablen Eindruck aus der Vergangenheit. Es ist an der Zeit für einen solchen Wandel: Schließlich macht jeder dritte Mensch in unserer Gesellschaft im Laufe seines Lebens irgendwelche Stief-Erfahrungen, ob als Stiefkind, Stiefgeschwister, Stiefeltern oder Stiefgroßeltern.

          Familienpuzzle mit fehlenden Teilen

          Es gibt viele Namen für das, was sich als „Patchwork-Familie“ eingebürgert hat, aber als Konstellation so alt ist wie die Menschheit: Bonusfamilie, Zweitfamilie, binukleare Familie und Secondhand-Familie. Als Patchwork-Familie gelten alle, in denen zumindest ein Partner ein Kind aus einer früheren Beziehung in die neue Lebensgemeinschaft mitbringt - sei es Tag für Tag oder jedes zweite Wochenende.

          Zugleich ist Patchwork ein Familienpuzzle, bei dem aus Sicht der Kinder immer mindestens ein Teil fehlt. Das gibt Konflikten ihre existentielle Bedrohlichkeit und Freuden ihren bitteren Nachgeschmack. Die leidvolle Einsicht, dass diese Situation nicht auflösbar und letztlich auch nicht zu kompensieren ist, ist der Preis, den getrennte Eltern und ihre neuen Partner zahlen. Das ist das Schicksal von Kindern, Müttern und Vätern im Zeitalter der multiplen seriellen Monogamie.

          Zwar lässt sich die Wirkung, die Märchen und andere kraftvolle Schilderungen böser Stiefeltern auf Kinder haben, wissenschaftlich schlecht belegen. Aber sicher verstärken Horrorgeschichten, wie sie heute statt in Grimms Märchen in der „Bunten“ stehen, die negative Erwartung, die sich mit dieser Familienform verbindet.

          Stiefeltern müssen Über-Performer sein

          Dass Kinder längst nicht mehr erst zu Halbwaisen werden müssen, bevor sie es mit Stiefmutter oder -vater zu tun bekommen, hat der Patchwork-Familie zwar viel von ihrer Tragik genommen, zugleich aber den Verdacht genährt, dass hier die romantische oder erotische Selbstverwirklichung mindestens eines Elternteils auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird.

          Aufgrund der jahrhundertealten Vorurteile müssen Stiefeltern oft Über-Performer sein, hochmotivierte Teilzeiteltern, die sich besonders bemühen, alles richtig zu machen, weil ihre Umgebung ohnehin davon ausgeht, dass sie geringere Fähigkeiten oder weniger emotionales Engagement mitbringen als „richtige“ Eltern. Diese unausgesprochene Erwartung, die man als Stiefmutter nicht zuletzt an sich selbst stellt, macht Patchwork so anstrengend, und die Anstrengung wiederum verhindert bisweilen jene lässige Selbstverständlichkeit, die leibliche Familien an den Tag legen.

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