Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen greifen Jugendämter immer häufiger in Familien ein. So wurden im vergangenen Jahr 33.700 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Das waren 4,5 Prozent mehr als 2008. Im Vergleich zu 2004 betrug die Steigerung sogar 30 Prozent.
In den vergangenen Jahren sorgten immer wieder Fälle von tödlicher Misshandlung oder extremer Vernachlässig für Schlagzeilen, bei denen die Jugendämter die Kinder nicht rechtzeitig aus den Familien genommen hatten. Seit Anfang 2005 gilt eine Erweiterung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes, das Jugendämter verpflichtet, ihren Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung wahrzunehmen. Sie müssen die Risiken für einzelne Kinder abschätzen und mit anderen Institutionen - etwa Kindergärten - zusammenarbeiten, um diese Kinder zu schützen.
Bereits um die Jahrtausendwende lag die Zahl der jährlichen Inobhutnahmen bei mehr als 31.000, sank dann aber bis 2005 auf 25.700. Seitdem wuchs die Zahl deutlich an. So wurden 2007 rund 28.200 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen, 2008 sogar 32.300.
Eine Inobhutnahme ist eine kurzfristige Maßnahme der Jugendämter zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, die sich in einer akuten, gefährlichen Situation befinden. Jugendämter nehmen Minderjährige auf eigenen Wunsch oder aufgrund von Hinweisen Anderer, etwa der Polizei oder von Erziehern, in Obhut und bringen sie zum Beispiel in einem Heim unter.
Deutliche Veränderungen in der Altersstruktur
Im Jahr 2009 waren knapp 27 Prozent der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen zuvor aus der eigenen Familie, einem Heim oder einer Pflegefamilie ausgerissen. Dabei war der Anteil der Ausgerissenen bei Mädchen mit 30 Prozent höher als bei Jungen mit 22 Prozent. Der Anteil der Ausreißer ging allerdings in den vergangenen Jahren zurück, 2004 betrug er insgesamt 34 Prozent.
Eine starke Zunahme gab es dagegen bei der Zahl der Jugendlichen, die aufgrund einer unbegleiteten Einreise aus dem Ausland in Obhut genommen wurden. Betraf dies im Jahr 2008 noch 1.100 Jugendliche, waren es 2009 bereits 1.950, was einer Steigerung um 77 Prozent entspricht. Auffällig war, dass es sich zu 83 Prozent um männliche Jugendliche handelte.
Deutliche Veränderungen gab es auch bei der Altersstruktur: Der Anteil der unter Dreijährigen an allen in Obhut genommenen Minderjährigen steigerte sich im vergangenen Jahr gegenüber 2008 noch um 3,1 Prozent und gegenüber 2004 sogar um 90,4 Prozent. Deutlich zugenommen um zwölf Prozent hat 2009 im Vergleich zum Vorjahr auch der Anteil der in Obhut genommenen 16- bis 18-Jährigen sowie der Anteil der 14- bis 16-Jährigen (plus 5,1 Prozent).
Dagegen verringerte sich im Vergleich zu 2008 der Anteil der Drei- bis Sechsjährigen an allen in Obhut genommenen Minderjährigen (minus drei Prozent) sowie der Anteil der Sechs- bis Neunjährigen (minus 12,5 Prozent).
