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Eizellenspende in Europa Spanische Gene, deutsche Mutter

Ganz die Mama? Nicht immer: Eine Eizellenspende ist oft die letzte Hoffnung für Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch. Doch den Deutschen bleibt nur das Ausland - denn hierzulande ist die Spende verboten. Beliebtes Ziel des Eizellentourismus: Spanien.

© picture-alliance/ dpa Vergrößern Objekt der Begierde: Eine Eizelle

Am Anfang steht das „Casting“. Haar- und Hautfarbe, Augenfarbe, Blutgruppe, künstlerische Neigungen, musisches Talent. Alle Eigenschaften, die äußerlich und charakterlich zu passen scheinen, werden verglichen, wenn es um die Auswahl einer geeigneten Eizellenspenderin geht. Schließlich soll die genetische Mutter der Mutter, die das Kind zur Welt bringen wird, so weit wie möglich ähneln.

Karin Truscheit Folgen:  

Auch wird die Eizelle auf genetische Defekte und die Spenderin auf Infektionskrankheiten und Drogenkonsum hin untersucht. So wird es zumindest nach eigenen Angaben im „Instituto Bernabeu“ im spanischen Alicante gehandhabt, wenn sich eine Frau mit Kinderwunsch für die Behandlung „Eizellenspende“ entschließt. Hier, etwa zwei Flugstunden von Deutschland entfernt, können sich Frauen behandeln lassen, die aus medizinischen oder altersbedingten Gründen keine befruchtungsfähigen Eizellen mehr hervorbringen.

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In Deutschland ist die Entnahme und Befruchtung einer sogenannten Eizellenspende nach dem Embryonenschutzgesetz verboten. Ärzte dürfen noch nicht einmal über die Möglichkeit eines solchen Eingriffs informieren. Eine Frau, die sich im Ausland eine befruchtete fremde Eizelle einpflanzen lässt, wird dagegen nicht bestraft. Die Samenspende ist demgegenüber seit vielen Jahrzehnten unter bestimmten Umständen erlaubt und weit verbreitet. In vielen Ländern aber ist die Eizellenspende erlaubt - in Spanien, in Belgien, in den Vereinigten Staaten oder der Tschechischen Republik. Dort können sich auch deutsche Paare ihren bisher unerfüllten Kinderwunsch per künstlicher Befruchtung erfüllen.

Infografik / Spätes Mutterglück © dpa Vergrößern

Gerade in Osteuropa gibt es einige dieser Institute und viele Spenderinnen, die für Geld ihre Eizellen zur Verfügung stellen - unter erheblichen körperlichen Belastungen, da der Zyklus der Frauen zuvor mit Hormonen auf die Produktion möglichst vieler Eizellen vorbereitet wird. Rund 10.000 Euro kostet in Spanien diese Spende fremder Eizellen, deren Erfolgsaussichten mit 60 Prozent angegeben werden, wie Christine Loimer von der „Kinderwunschklinik“ im österreichischen Wels sagt.

Spanische Enklave für deutschen Eizellentourismus

Die Klinik verweist auf ihrer Homepage auf das spanische Institut, mit dem sie eng zusammenarbeitet, wenn die Behandlung „Eizellenspende“ erwünscht wird. Das Institut in Spanien ist bestens auf deutsche Patienten eingestellt: Nach Alicante gibt es gute Flugverbindungen, das medizinische Personal spricht deutsch. Die meisten Patienten kommen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien. Vereinzelt auch aus England oder Algerien.

Ist eine geeignete Spenderin gefunden, so wird der Zyklus der Patientin mit Medikamenten stimuliert. Auch der Zyklus der Spenderin wird mit Hormonen auf die Entnahme von Eizellen vorbereitet. Schließlich werden die Eizellen entnommen und künstlich, also außerhalb des Körpers, befruchtet. Im günstigsten Falle entstehen Embryonen. Höchstens zwei oder drei werden der Empfängerin in die Gebärmutter eingesetzt. Entwickelt sich daraus eine Schwangerschaft, so wird das Kind „in jeder Richtung als Frucht der Empfängerin behandelt“, wie es beim „Instituto Bernabeu“ heißt.

Behandlung bis ins hohe Alter

Die Spenderinnen bekommen für die Entnahme ihrer Eizellen eine „Aufwandsentschädigung“. Je Eingriff liegt diese bei etwa 900 Euro. Viele Studentinnen in Spanien und junge Mütter stellen sich für die Entnahme der Eizellen zur Verfügung. „Sie sehen hier auch eine Möglichkeit, ihr Budget aufzubessern.“ Da die potentiellen Spenderinnen nach Angaben der Klinik gründlich untersucht werden, dauert es einige Monate, bis sie in das „Programm“ aufgenommen werden.

Das Durchschnittsalter der Frauen liegt bei 24 Jahren. Die Empfängerinnen der Eizellen dürfen hingegen doppelt so alt sein - die Altersgrenze liegt beim „Instituto Bernabeu“ bei 50 Jahren. In vielen spanischen Kliniken dagegen werden Frauen auch mit 55 oder 60 Jahren noch behandelt. Gesetzliche Vorgaben gibt es hier nicht.

Keine Spende von der Schwester

In der „Kinderwunschklinik“ in Wels empfiehlt man indes eine Altersgrenze von 45 Jahren für eine Eizellenspende. „Schon aus moralischen und ethischen Gründen“, wie Loimer sagt. Doch letzlich entscheide dies jedes Institut für sich, die Grenzen seien fließend. Die Eizellenspende sieht die „Kinderwunschklinik“ als eine Alternative zur Adoption: „Die Schwangerschaft bringt eine sehr enge Verbindung zum Kind, auch wenn die Eizelle nicht von der Mutter stammt.“

Die Bindung sei auf diese Weise viel enger als bei einer Adoption. Die Spenderin der Eizelle bleibt dabei - zumindest in Spanien - anonym. Zwar werde mitunter gewünscht, dass die Schwester oder eine Verwandte die Eizelle spende, sagt Loimer. „Das wird aber nicht gemacht. Die Schwester würde schließlich immer das Kind als ihr eigenes wahrnehmen. Die Probleme wären vorhersehbar.“

Elias Karam: „Ich bin für Eizellspenden in Deutschland“

Elias Karam, der die 64 Jahre alte Türkin aus Aschaffenburg mit einem Kaiserschnitt entbunden hat, ist auf Reisen. Im Telefongespräch macht er deutlich, dass er den Fall der bislang ältesten Frau, die in Deutschland ein Kind geboren hat, nicht unbedingt für außergewöhnlich hält. „Ich bin dafür, dass Eizellspenden in Deutschland erlaubt werden Die Frau sei eine von insgesamt „höchstens drei bis vier Schwangere gewesen, die er bis zur Geburt betreut habe, nachdem ihnen zuvor eine befruchtete Eizelle eingesetzt worden sei.

Der Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe nennt es „parado, dass nach deutschem Recht zwar Samen, aber keine Eizellen gespendet werden dürfen. Inzwischen seien viele Frauenärzte der Meinung, dass man die Entscheidung allein den Eltern überlassen solle. Schließlich müssten sie auch die Verantwortung tragen. Die Aschaffenburger Geburt sei ein Extremfall, der eine notwendige grundsätzliche Diskussion hervorgerufen habe.

Es gehe um die Frage, warum man etwa einer 30 Jahre alten Frau, die nach einer Erkrankung keine Eizellen produzieren könne, den sehnlichen Wunsch verwehre, ein Kind zu bekommen. „Gibt es bei uns mehr Ethik als im Ausland Karam, der seit Sonntag seinen Urlaub im Libanon verbringt, sagt, die Vierundsechzigjährige sei schon im siebten Monat gewesen, als sie sich an ihn gewandt habe. „Glücklicherweise sei sie nicht schon vor der Schwangerschaft zu ihm gekommen. In Deutschland sei es Ärzten sogar verboten, den Frauen spezielle Kliniken zu nennen.

Die Vierundsechzigjährige sei schlank, sportlich und in einer so guten Verfassung gewesen, dass sie den Eingriff ohne weiteres überstanden habe. Die eigentliche Sensation bestehe darin, „dass eine so alte Gebärmutter noch in der Lage ist, ein Baby auszutragen. In Spanien liegt der Preis für eine Eizellspende nach Karams Angaben ungefähr zwischen 8000 und 12.000 Euro. Dort habe eine seiner Patientinnen einen solchen Eingriff vornehmen lassen. In Amerika koste er noch mehr Geld. Wegen der hohen Kosten ziehe es viele Frauen inzwischen nach Osteuropa, wo man weniger bezahlen muss. (htr.)

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 04.12.2007, 21:42 Uhr