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Eine Homeschoolerin erzählt „Wir mussten uns verstecken“

Viele deutsche Homeschooler werden von den Behörden drangsaliert, einige erhielten schon politisches Asyl in Amerika. Zurecht? Eine ehemalige deutsche Heimschülerin, 22, plaudert aus dem Nähkästchen.

© dpa Vergrößern Homeschooling ist in Deutschland illegal

Katharina ist 22 Jahre alt. Sie arbeitet bei einem führenden Industrieunternehmen als Controllerin. Ihr Abitur machte sie mit der Note 1,8. Anschließend studierte sie Betriebswirtschaftslehre, Abschlussnote 1,9. Sie ist eine sympathische junge Frau mit schulterlangen braunen Haaren. Mit ihrem Mann, einem Landschaftsgärtner, lebt sie in einer Zweizimmerwohnung im ersten Stock seines Elternhauses, eines Fachwerkhauses in einer ländlichen Gegend. Unten wohnt neben den Eltern auch noch sein Bruder. An diesem Abend hat Katharina gekocht, Spätzle mit Gulasch, danach eine Erdbeerkaltschale. Vor dem Essen beten sie und ihr Mann. Beide sind, wie ihre Eltern, bibeltreue Christen.

Fünf von dreizehn Schuljahren hat Katharina zu Hause verbracht, das fünfte bis achte Schuljahr und die Jahrgangsstufe elf. Ihre Eltern haben sie zu Hause unterrichtet. Damit sie nicht im Nachhinein noch angezeigt werden und weil die junge Frau selbst mögliche eigene Kinder ebenfalls zu Hause unterrichten will, möchte Katharina ihren wirklichen Namen nicht nennen. Hausunterricht ist in Deutschland, anders als in Amerika, illegal. Mehrere Kinder von Homeschoolern wurden von den Jugendämtern aus ihren Familien genommen und ins Heim gesteckt. Viele Eltern mussten Geldstrafen zahlen. Einige Familien wanderten nach Amerika aus und erhielten dort politisches Asyl.

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Vormittags mussten die Kinder immer im Haus bleiben

„Das Einzige, was ich am Homeschooling nicht gut fand, war, dass wir uns verstecken mussten“, sagt Katharina. Ansonsten habe der Unterricht zu Hause nur Vorteile. Sie habe sich selbstbestimmt Wissen aneignen können und früh gelernt, ein eigenes Zeitmanagement zu entwickeln. Am Tag habe sie durchschnittlich nur etwa vier Stunden gelernt, dafür aber sehr intensiv. „In der Schule verplempert man ja auch viel Zeit, und dann noch die Fahrtzeiten!“ Der Vater, ein ehemaliger Mathe- und Physiklehrer, der heute im Vertrieb einer Firma für Messtechnik arbeitet, lehrte die Kinder nach Feierabend Mathematik, Physik und Chemie. Die Mutter, eine studierte Betriebswirtin, Tochter eines Wirtschaftsprüfers und Steuerberaters, war nicht berufstätig und unterrichtete alles andere. Lehrmittel waren meist alte Schulbücher, die sie gebraucht kauften oder geschenkt bekamen, aber auch neue Fachliteratur und Computerprogramme. An den Lehrplan hätten sich Mutter und Vater nur in den Hauptfächern gehalten. Beide Eltern waren selbst keine Hausschüler, denn in Deutschland ist die Homeschooling-Bewegung noch recht jung.

In ihrer reichlich vorhandenen Freizeit (die Vormittage musste sie im Haus verbringen, denn selbst die Nachbarn wussten nichts von dem Hausunterricht) spielte Katharina Klavier und Geige, las und kochte oder backte Kuchen. Nach der achten Klasse wollte sie wieder zur Schule gehen, „um mich zu vergleichen und den Realschulabschluss zu machen“. Sie wurde in eine Gesamtschule aufgenommen, ohne dass ihre Eltern von den Lehrern angezeigt worden wären. „Die gingen einfach zur Tagesordnung über, ich wurde nicht einmal getestet, sondern wäre im Zweifelsfall zurückgestuft worden“, erinnert sie sich. „Bloß als dann ein Jahr später mein älterer Bruder auch noch aufgenommen werden wollte, fragte der Direktor meine Mutter, wie viele Kinder denn jetzt noch aus dem Nichts auftauchen.“

In den Klassenverband habe sie sich problemlos integrieren können, von den Leistungen her habe sie gut mithalten können. „Der Englischlehrer konnte mir nichts beibringen. Meine Eltern hatten sehr viel amerikanischen Besuch, mit dem ich viel geredet habe.“ In Latein habe sie in der ersten Arbeit eine Sechs geschrieben, dann lernte sie und schrieb in der zweiten eine Drei. „Ich habe mir schon früh angeeignet, aus Büchern zu lernen, das ist wahnsinnig effektiv.“ So habe sie ihr Studium in nur fünf Semestern absolviert, und ihr jetziger Chef habe ihr einmal gesagt, er habe noch nie jemanden kennengelernt, der „so eigenverantwortlich und systematisch seine Arbeit organisiert“.

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