10.06.2009 · Wieder wurden zwei lebensgefährlich betrunkene Kinder ins Krankenhaus eingeliefert. Sie sind keine Ausnahmen: Die Zahl der Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen verdoppelte sich zwischen 2001 und 2007. Nun soll die Werbung eingedämmt werden.
Schlagzeilen dieser Art häufen sich derzeit: In Bayern sind abermals zwei Kinder völlig betrunken in Krankenhäuser gebracht worden. In Landshut wurde ein elfjähriges Mädchen von Polizisten bewusstlos und mit deutlich mehr als zwei Promille unter einer Brücke entdeckt. In Marktoberdorf hatte ein zwölfjähriger Junge nach einer Party mit Freunden 1,8 Promille, berichtete die Polizei in Kempten am Mittwoch.
Auslöser dafür ist laut Landesstelle für Suchtfragen die allgegenwärtige Werbung für Alkohol und die Verfügbarkeit der „Droge Nummer 1“ auch für Minderjährige. Den ständig steigenden Zahlen des Alkoholmissbrauchs vor allem bei Kindern und Jugendlichen müssten alle entgegentreten, forderte der Vorsitzende Johannes Böcker am Mittwoch in Stuttgart vor der bundesweiten „Aktionswoche Alkohol“ (13. bis 21. Juni) in Baden-Württemberg. Eine Schlüsselrolle komme aber auch den Eltern zu: „Sie haben eine wichtige Vorbildrolle bei der Frage, wie und was man trinkt.“
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit Alkoholvergiftung behandelt wurden, war zuletzt deutlich gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes war die Zahl der alkoholbedingten Behandlungen von 2001 bis 2007 auf 3865 gestiegen und hat sich damit mehr als verdoppelt. Der Anteil der jungen Leute an den Alkoholpatienten wuchs auf 9 Prozent. Die Vorbeugung von Alkoholmissbrauch sei Aufgabe der ganzen Gesellschaft, betonte Stolz: „Wir müssen informieren und aufklären. Vielen Jugendlichen ist sicher nicht bewusst, welche Auswirkungen Alkohol haben kann.“ Jeder fünfte Jugendliche sei laut Statistik einmal im Monat betrunken.
Höhere Bußgelder bei Verstößen
Viel zu oft ermöglichten Erwachsene aus falsch verstandener Liberalität Jugendlichen den Zugang zu Alkohol, kritisierte Stolz. Dem wolle sie mit der Androhung von höheren Bußgeldern bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz begegnen. So solle es gelingen, Jugendliche besser zu schützen und Erwachsene zu veranlassen, das Gesetz einzuhalten.
Nach Ansicht des Städtetages kommt bei der Bekämpfung des Alkoholmissbruchs von Jugendlichen den Suchthilfenetzwerken und den kommunalen Beauftragten für Suchthilfe eine maßgebliche Rolle zu. „Durch deren präventive Maßnahmen und durch Frühintervention kann übermäßiger Alkoholkonsum vielfach verhindert oder eingedämmt werden“, sagte Verbandssprecher Manfred Stehle. Es gelte, die Schulen noch besser einzubinden. Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen dürften kein Tabu mehr sein. Entscheidend sei zudem, den Jugendschutz konsequent einzuhalten und zu überwachen.