05.06.2007 · Ich war dann erst mal ein bißchen faul, hab' alles vor mir hergeschoben und mich nicht richtig um Arbeit bemüht. Aber jetzt habe ich eine neue Stelle, als Hausmeister. Glühbirnen auswechseln, Automaten nachfüllen und so was. Ist besser so.
Von Daniel HaackIch war jetzt zwei Monate lang arbeitslos. Die hatten mir bei dieser Zeitarbeitsfirma, wo ich war, gekündigt. Warum, weiß ich auch nicht. Die Leiterin hatte einen neuen Schichtführer eingestellt, der war voll verspackt, immer auf Drogen, vielleicht hatte die ja was mit dem. Auf jeden Fall wollten die mich kitschen und haben mich auch gekitscht. Ich bin dann zum Arbeitsamt, mal gucken, was ich bekomme. Und dann sagten die mir: gar nichts. Ich hab' kein Arbeitslosengeld bekommen, weil ich nicht lange genug eingezahlt habe, und Sozialhilfe auch nicht, weil meine Eltern zuviel verdienen. Nur 150 Euro Kindergeld habe ich gekriegt, aber das kam bei meinem Vater aufs Konto, weil ich ja zu Hause wohne. Ich hab' gelebt wie 'ne Hungerwanze - das ist hier so die Sprache von der Straße.
Ich war dann erst mal ein bißchen faul, hab' alles vor mir hergeschoben und mich nicht richtig um Arbeit bemüht. Aber seit kurzem habe ich jetzt eine neue Stelle, als Hausmeister in einem Krankenhaus. Glühbirnen auswechseln, Automaten nachfüllen und so was. Ist besser so. Wenn man nicht arbeitet, geht es eben schon morgens los mit Abkacken. Ich bin immer so zwischen zehn und elf Uhr aufgestanden, und dann bin ich nur am Abgammeln gewesen, immer unterwegs. Jetzt natürlich nicht mehr, nur noch am Wochenende gehe ich aus, und ich bin auch viel am Rappen mit meinen Kollegen, wir nehmen CDs auf. Ich mache mit dem Laptop Beats, und ich schreib' auch Texte. Es geht dabei immer um die Gang aus dem Viertel hier nebenan. Wir schicken uns immer gegenseitig selbstgemachte CDs rüber, um uns gegenseitig fertigzumachen. Das kann man nicht so öffentlich machen, was das für Texte sind. Wir verkaufen die CDs auch nicht, das ginge gar nicht, da müßten sonst die meisten Wörter mit einem Piepton übertönt werden.
Gut Einkommen werd' ich nie haben
Ich bin echt froh, daß ich jetzt wieder eine Stelle habe. Ich will mich nicht dran gewöhnen, nichts auf Tasche zu haben. Die Schulden werden sonst immer mehr, ich hab' jetzt schon so zwei bis drei Mille, schätze ich - alles Unterhalt, den ich nachzahlen muß, sobald ich Geld habe. Obwohl, gut Einkommen werd' ich nie haben. Aber ich will auf jeden Fall einen geregelten Alltag haben, um drei oder vier Uhr von der Arbeit kommen, schlafen und am nächsten Tag wieder arbeiten gehen. Dann renn' ich auch nicht auf der Straße rum und komm' nicht auf krumme Gedanken. Nur - wenn man kein Geld auf Tasche hat und dann mal was sieht . . . Man kann ja nicht ohne Geld sein. Meine zwanzig Euro brauch' ich am Tag. Da macht man eben andere Geschäfte. Aber größeren Ärger mit der Polizei hab' ich schon länger nicht mehr gehabt, nur wegen Sachbeschädigung. Die kriegen mich nicht am Arsch.
Ein paar Kumpels von mir haben auch schon Kinder, die meisten von denen sind untergetaucht und nur noch am Nisten. Andere haben parallel Kinder im Bauch von mehreren Bräuten. Die wissen gar nicht, was auf sie zukommt. Ich weiß auch gar nicht, was ich denen sagen soll. Aber mit David läuft es gut, das ist mein Blut, ein ruhiges Kind. Und er hat es auch faustdick hinter den Ohren. Ist gut, daß er da in der Umgebung bei Jenny aufwächst und nicht hier im Viertel. Da erreicht er nachher auch noch was im Leben.
Widder unterdrückt Jungfrau
Bei Jenny bin ich ausgezogen, weil sie Widder ist und ich Jungfrau. Widder unterdrückt Jungfrau: Jenny ist dominanter, und damit komm' ich nicht klar. Darum, also, 'ne Fische wär nicht schlecht, die passen gut zu Jungfrau. Und das mit Jenny und mir war auch irgendwann peinlich. Wenn wir uns zerstritten hatten und ich ausziehen wollte, hat mein Vater meine Sachen immer mit dem Auto abgeholt, und nach zwei Wochen, wenn wir uns wieder vertragen hatten, durfte er sie wieder zurückbringen.
Da hat er natürlich irgendwann gesagt: So 'ne Scheiße gibt's hier nicht, so ein Hippelhoppel. Deswegen bin ich endgültig ausgezogen, aber ab und zu schlafe ich da schon noch. Also, vor kurzem haben wir uns noch gut verstanden, aber im Moment geht's mal wieder gar nicht mehr. Es ist immer so: Drei Tage lang geht's gut, und dann haben wir schon wieder Streit. Da hab' ich keinen Bock mehr drauf. Sie hat mir immer vorgehalten, ich soll arbeiten gehen. Hat gesagt: ,Du liegst nur rum, du kannst nichts.' Das muß ich mir doch nicht anhören, da such' ich mir lieber 'ne andere. Aber jetzt bleib' ich erst mal so ein bißchen für mich. Ich bin selber noch ein Kooten, das mit David ist viel zu früh passiert.
Ich kann sie nicht bändigen
Ich glaube, irgendwie liebe ich Jenny nicht mehr. Ist verflogen in den fünf Jahren. Aber ich könnte auch nie ohne sie. Aber Familie will ich mit der nicht, dafür bin ich nicht der Richtige. Ich kann sie nicht bändigen. Sie hat sich zuviel entwickelt durch den Kleinen, und sie hat auch wohl was im Köpfchen. Wir kommen besser ohne Liebe klar, sobald wir uns lieben, fetzen wir uns nur. Aber vielleicht brauchen wir auch nur 'ne lange Auszeit, zwei bis drei Jahre vielleicht, bis ich mein Leben im Griff hab'. Ich sag' niemals nie, vor allem nicht bei dem Mädchen. In zwei Wochen lache ich vielleicht schon wieder über das, was ich eben gesagt hab'. Aber ich glaube nicht. Ich will jetzt erst mal auf Abstand gehen. Die braucht 'nen andern als mich, einen Pantoffel, der ihr alles erlaubt. Das geht doch nicht, daß die jedes Wochenende auf Party geht, Alter! Da komm' ich nicht mit klar! Außerdem ist das auch besser für meine Gesundheit, wenn wir nicht zusammen sind. Wenn ich Stress mit ihr habe, bricht meine Neurodermitis immer voll aus. Der Arzt kann mir dann nur noch Cortison geben. Weiß auch nicht, wie das weitergehen soll. Ich denke sowieso schon zu viel an die Zukunft, und dann sehe ich immer Scheiße. Ich hätte früher in der Schule mehr reinhauen müssen, aber jetzt ist es zu spät, ich muß jetzt so klarkommen. Bloß, ich bin noch ein bißchen jung im Kopf. Ich denke, es werden noch harte Zeiten auf mich zukommen, es wird mir richtig schlechtgehen: daß ich hinter Schloß und Riegel komme oder die Straße vielleicht. Das kommt ganz langsam. Ich hab' schon mal versucht, 'ne eigene Wohnung zu bekommen, hab' auf dem Amt gesagt, morgen muß ich auf 'ne Bank. Das interessiert die gar nicht. Nur die Kanaken, die haben alle was zu wohnen.“