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Beruf und Familie In der Arbeitsfalle

 ·  Die Mehrheit der Väter hätte gern mehr Zeit für die Familie - und arbeitet stattdessen noch mehr. Wer ist schuld an der Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit?

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© Jörg Lantelme Vergrößern Die deutsche Gesellschaft hat sich verändert: Das Leben junger Frauen und Männer läuft heute parallel – bis zum ersten Kind.

Hätte der Berater-Vater mehr Zeit, er würde sich zum Geburtstag seines Sohnes eine Abenteuer-Rallye ausdenken, die so verzwickt wäre, dass die Lösung des letzten Rätsels zum Aha-Erlebnis für alle würde. Er würde die Nachbarskinder zum Kino einladen, so wie damals, als sie fürs Wohnzimmer einen Beamer besorgt, Popcorn gemacht und Eintrittskarten gedruckt haben. Der Berater-Vater ist einer, der seiner Tochter morgens beim Anziehen hilft und abends die Gutenachtgeschichte vorliest, samstags kutschiert er den Sohn zum Schlagzeugunterricht. Aber er sorgt sich, wie das werden soll, wenn der Große älter wird und in der Schule mehr Unterstützung braucht. „Wenn ich genauso weitermache, werde ich mich da nicht viel einbringen können“, sagt der Berater-Vater. Es klingt betrübt.

Der Berater-Vater hat einen Sohn (8), eine Tochter (4), eine Frau, ein Eigenheim am Stadtrand und eine Fünfzigstundenwoche. Im Schnitt. Manchmal arbeitet er erheblich mehr. Die Frau hat gekämpft wie eine Löwin und bei ihrer Werbeagentur eine Teilzeitstelle herausgeholt. Jetzt managt sie wochentags allein den Shuttle vom Kindergarten zum Kindersport, Termine beim Kinderarzt, Kinderfreunde, Kinderkummer, Kinderwäsche, Kinderessen. Käme ein Sozialforscher und fragte, ob er lieber weniger arbeiten würde und mehr Zeit für seine Kinder hätte, der Berater-Vater müsste nicht lange nachdenken: „Klar“, sagt er. „Das sagen ja alle.“

Auch Männer haben ein Vereinbarkeitsproblem

Tatsächlich bekunden 60 Prozent der Väter in Deutschland, sie würden gern ihre Arbeitszeit reduzieren; so steht es im Familienreport des Bundesfamilienministeriums, der in dieser Woche veröffentlicht worden ist. Jeder dritte Vater arbeitet real mehr als 40, jeder vierte sogar 50 Wochenstunden und mehr. Jeder zweite aber wünscht sich eine Wochenarbeitszeit von 36 bis 40 Stunden, jeder fünfte hält 30 bis 35 Stunden für ideal. De facto dümpelt die Teilzeitquote bei Männern seit Jahren fast unverändert bei sechs Prozent. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung hat im Dezember eine Analyse veröffentlicht, derzufolge Väter deutlich länger arbeiten als kinderlose Männer - ihr gesamtes Erwerbsleben über.

„Verbale Aufgeschlossenheit bei relativer Verhaltensstarre“, attestierte der Soziologe Ulrich Beck den Vätern 1990. Selbst bekennende Väter, legt dieses Bonmot seither nahe, könnten bequeme, inkonsequente Drückeberger sein, die sich abends lieber im Büro verzetteln als dem quengelnden Nachwuchs die Zähne zu putzen. Sozialwissenschaftler sehen das inzwischen anders. Schon 2004 stellte eine Studie im Titel fest: „Auch Männer haben ein Vereinbarkeitsproblem.“

Kinder als Traditionalisierungsfalle

Der Berater-Vater ist keiner, der inhaltlich in seiner Arbeit aufgeht. Gäben ihm Sozialforscher sehr viel Geld, anstatt nach seiner Arbeitszeit zu fragen - er hinge seinen Job an den nächsten Nagel. Bevor die Kinder kamen, hatte er immer „diese Fluchtoption im Kopf“: eine Auszeit nehmen, von der Hand in den Mund leben, noch einmal studieren. Jetzt sagt er: „Es muss laufen.“ Und: „Verdienstausfall ist nicht drin.“ Und: „Das ist schon ein Druck.“ Manchmal fühlt er sich wie der Dukatenesel der Familie. Cash. Cash. Cash. Man muss schließlich sein Häuschen abzahlen, den Sommerurlaub finanzieren, und ein Familien-Auto braucht es ja auch. Der Berater-Vater sagt: „Das hält einen davon ab, einen Nine-to-Five-Job anzunehmen, der das Lohnniveau senkt.“

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