Das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg hat die Jugendhilfemaßnahmen für Robin van H., den Berliner Waldjungen „Ray“, eingestellt. Der 20 Jahre alte Niederländer musste die Einrichtung für betreutes Wohnen, wo er kurz nach seinem Erscheinen in Berlin untergebracht wurde, am Montag verlassen.
Am Freitag hatte Robin van H. zugegeben, die Berliner Behörden fast zehn Monate getäuscht zu haben. Er hatte behauptet, „Ray“ zu heißen, 17 Jahre alt und Waise zu sein und nicht zu wissen, woher er komme. In den vorausgegangenen fünf Jahren sei er mit seinem mittlerweile verstorbenen Vater durch die Natur gewandert.
„Wir sind jetzt nicht mehr für ihn zuständig“, sagte der Sprecher des Jugendamtes, Ed Koch, am Montag der F.A.Z. Für die kommende Nacht müsse er sich eine neue Bleibe suchen. Er sei nun mal ein „Betrüger“. Noch in dieser Woche werde man Anzeige wegen Betrugs gegen ihn stellen. 1800 Euro kostete die Jugendhilfe im Monat. Dazu kamen 240 Euro Taschengeld. Die Forderungen könnten sich somit auf weit mehr als 20 000 Euro belaufen. „Er hat zu uns gefunden und wird auch wieder nach Hause finden“, sagte Koch.
Indessen werden immer mehr Einzelheiten aus dem Leben des enttarnten „Waldjungen“ bekannt: Laut Medienberichten hat Robin van H. einen zweijährigen Sohn. Seine eigene Kindheit soll von einem Sorgerechtsstreit der geschiedenen Eltern geprägt gewesen sein. Wie die „B.Z. am Sonntag“ berichtete, rauchte Robin van H. Joints und spielte gerne Computerspiele. Er soll schüchtern gewesen und nur selten auf Partys gegangen sein, sagte ein ehemaliger Freund aus seinem Heimatort Hengelo dem Blatt.
Klingt für mich nach einer Jugend wie viele andere auch
Alex Telemark (kimpi)
- 19.06.2012, 15:54 Uhr
