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Amtlicher Kinderhandel Wie Yang Ling konfisziert und verkauft wurde

In einer ländlichen Gegend in China haben die Behörden mehreren Eltern ihre Kinder weggenommen. Der Vorwurf: Sie hätten gegen die Ein-Kind-Politik verstoßen. Die Kinder wurden zur Adoption freigegeben und ins Ausland verkauft.

© AP Vergrößern Strafzahlungen und Kinderhandel: Örtliche Behörden betrachten die Geburtenkontrolle als wichtige Geldquelle

Yang Libing erfuhr am Telefon, dass die Beamten seine Tochter mitgenommen hatten. Er war, wie viele Bauern vor ihm, aus seinem Dorf weggegangen, um sich in der großen Stadt als Arbeiter in einer Fabrik oder auf einer Baustelle zu verdingen. Die Großeltern kümmerten sich um das Kind, während die Eltern im südchinesischen Shenzhen versuchten, etwas Geld zu verdienen. Nun ist es ziemlich genau sechs Jahre her, dass der Großvater am Telefon seinem Sohn berichtete, wie die Behörde für Familienplanung seine Enkeltochter mitnahm. Die Funktionäre sagten, Yang Libing und seine Frau Cao Zhimei hätten gegen die Regeln zur Geburtenkontrolle verstoßen. Dabei war Yang Ling ihr erstes Kind. Die Eltern bewegten sich also noch im Rahmen der staatlichen Ein-Kind-Politik. Doch wie die Eltern später rekonstruierten, war ihre Tochter wegen der Vorwürfe in ein Waisenhaus gebracht worden. Danach verlief sich ihre Spur. Die Eltern glauben, dass das Kind gegen Geld zur Adoption gegeben wurde und nun bei einer Familie in den Vereinigten Staaten lebt.

Till  Fähnders Folgen:  

Der krasse Fall von Kinderhandel, der noch dazu von den Behörden unterstützt wurde, erschüttert derzeit die Öffentlichkeit in China. Aufgedeckt hat ihn in dieser Woche das Magazin "Caixin", das für investigativen Journalismus bekannt ist. Die Zeitschrift beschrieb, wie die Behörden in einer armen, ländlichen Berggegend der zentralchinesischen Provinz Hunan mehrfach Eltern ihre Kinder wegnahmen. Angeblich hatten die Mütter und Väter gegen die strengen Regeln der seit 30 Jahre geltenden Ein-Kind-Politik verstoßen. In dem Ort Gaoping des Kreises Longhui sollen in den Jahren 2000 bis 2005 mindestens 16 Kinder auf diese Weise "konfisziert" worden sein. Zwölf von ihnen wurden in ein Waisenhaus im Gebiet der Stadt Shaoyang gebracht. In Anlehnung an den Ortsnamen bekamen sie den Nachnamen "Shao". Ausländische Familien, vor allem aus Amerika und den Niederlanden, hätten sie adoptiert, berichtete "Caixin".

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Am Freitag berichtete die „Beijing Times“, dass die Polizei in China 40 mutmaßliche Mitglieder eines Menschenhändlerrings festgenommen hat, die mindestens 22 Kinder im verarmten Südwesten des Landes gekauft und in reichere Regionen weiterverkauft haben sollen. Den Ermittlungen zufolge kaufte der Ring in armen Gegenden der Provinz Yunnan Kinder und verkaufte sie an Interessenten in der reicheren Provinz Fujian. Bislang seien 22 betroffene Kinder wieder aufgespürt worden.

Kinderhandel ist kein neues Phänomen in China

Die Berichte erinnern an einen anderen Kinderhandel-Skandal ebenfalls in der Provinz Hunan, der schon vor fünf Jahren aufgedeckt worden war. In der Umgebung der Stadt Hengyang sollen damals drei Waisenhäuser mehrere hundert Babys von Kinderhändlern gekauft haben, um sie an ausländische Paare zur Adoption weiterzugeben und die hohen Gebühren zu kassieren. Die meisten Babys kamen aus der Nachbarprovinz Guangdong und waren vermutlich entführt worden. Der Preis für einen Säugling lag damals bei 430 Euro. Die neuen Enthüllungen haben auch die unbeliebte Ein-Kind-Politik weiter in Verruf gebracht. Im Namen der Geburtenkontrolle ist es immer wieder zu Verbrechen wie etwa Zwangsabtreibungen gekommen. Derzeit steht die Politik zudem in der Kritik, weil sie für die Überalterung der Gesellschaft in China und ein unausgewogenes Geschlechterverhältnis bei den Geburten verantwortlich sein soll.

Für die örtlichen Behörden ist die Geburtenkontrolle offenbar zu einer wichtigen Geldquelle geworden, vor allem seit die Zentralregierung die Landwirtschaftssteuer abgeschafft hat, um die Bauern zu entlasten. Auch in dem Ort Gaoping war für die Behörden die "Familienplanung" offenbar ein einträgliches Geschäft. Wie die Recherchen von "Caixin" ergaben, verlangten die Ämter bei Verstößen immer saftigere Strafzahlungen. Während für ein zusätzliches Kind vor zehn Jahren noch 3000 Yuan (etwa 320 Euro) gezahlt werden mussten, wurden später mehr als 10 000 Yuan (etwa 1070 Euro) erhoben. Wer nicht zahlen konnte oder wollte, wurde auf andere Art bestraft, zunächst etwa mit dem Abriss des eigenen Hauses. "Seit dem Jahr 2000 zerstören sie keine Häuser mehr. Sie entführen Kinder", berichtete nun einer der Betroffenen.

Für jedes Kind zahlte das Waisenhaus den Behörden in Gaoping den Angaben nach 1000 Yuan (etwa 107 Euro). Für das Waisenhaus dürfte sich der schäbige Deal noch mehr gelohnt haben. Die Paare aus dem Ausland bezahlen für eine Adoption in der Regel etwa 3000 Dollar an Gebühren oder "Spenden" an das Waisenhaus. Die Adoptiveltern aus dem Ausland haben mit höchster Wahrscheinlichkeit aber keine Ahnung von dem tatsächlichen Schicksal der Kinder. Ihnen wurde damals wohl gesagt, dass die Kinder entweder gar keine Eltern mehr haben oder absichtlich von diesen ausgesetzt wurden. Doch einige der natürlichen Eltern aus Gaoping hatten schon seit dem Jahr 2006 versucht, auf den Kinderraub aufmerksam zu machen. Ihnen wurde nach einer Untersuchung der Kreisregierung vorgeworfen, ihre Kinder selbst "illegal adoptiert" zu haben. Papiere, die das angeblich beweisen sollen, scheinen aber gefälscht zu sein. Nach dem Artikel im Magazin "Caixin" haben die Behörden nun angekündigt, den Vorwürfen nachgehen zu wollen.

Quelle: F.A.Z./AFP

 
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Veröffentlicht: 13.05.2011, 12:56 Uhr