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12. 12. 12 Heute heiraten ist rational

Die Zahl Zwölf hat so viele wohltuende Eigenschaften, dass denen, die sich heute trauen, eigentlich nichts passieren kann.

© dpa Auf Torte: Brautpaar von heute

Keine Zahl ist im Alltag so verbreitet wie die Zwölf: Sie ist allgegenwärtig. Und ein Datum wie das heutige - eine aus gleichen Ziffern gebildete sogenannte Schnapszahl - erscheint besonders eindrucksvoll. Vor allem zahlreiche Heiratswillige versprechen sich Glück, wenn sie sich heute trauen lassen. Diese magisch-abergläubische Vermutung ist keineswegs haltlos, sondern hat rationale, historisch rekonstruierbare Gründe.

Die Zwölf hat stets einen positiven Symbolwert - im Gegensatz etwa zur Dreizehn, die ja als 12 + 1 verstanden wird: als ungerade, um 1 überschüssige Zahl. Auch ist die Zwölf nicht ambivalent wie etwa die Sieben oder die Elf, die sowohl glücks- als auch unheilbringend gedeutet werden können. Schon im alten Mesopotamien symbolisierte die Zwölf kosmische Vollkommenheit: Das Kalenderjahr bestand aus zwölf Monaten, der Tag war in zwölf Tag- und zwölf Nachtstunden eingeteilt. Und auch die zwölf Sternbilder des Tierkreises gehen auf die mesopotamische Astrologie zurück. Die Zwölf erscheint früh in der Religion und in den Mythen zahlreicher Völker. Im Alten Testament wird berichtet, dass Jakob zwölf Söhne zeugte, die dann als Stammväter der zwölf Stämme Israels galten. Diese wiederum dienen im Neuen Testament als typologisches Vorbild für die zwölf Apostel, die im 1. Korintherbrief des Paulus kurz und bündig als „die Zwölf“ bezeichnet werden.

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Exzessiven Gebrauch von der vollkommenen Zahl Zwölf macht Johannes in seiner Offenbarung, wenn er die Herrlichkeit des Neuen Jerusalem beschreibt. In seiner Vision sieht er eine Stadt mit zwölf Toren, auf denen zwölf Engel stehen und die Namen der zwölf Stämme Israels geschrieben sind. Sie maß jeweils 12.000 Stadien in der Länge, Breite und Höhe, und ihre Mauer war 144 (also 12 x 12) Ellen hoch. Auch außerhalb des jüdisch-christlichen Kulturkreises nimmt die Zahl Zwölf eine prominente Stellung ein. So muss der griechische Held Herakles während zwölf Jahren zwölf „Arbeiten“ (Athloi) verrichten - zur Strafe für die Ermordung seiner Söhne. Kulturhistorisch interessant und bezeichnend für mittelmeerische Mythenwanderungen: Diese Strafarbeiten sind wesentlich geprägt vom phönizischen Kult um Melkart, den Stadtgott von Tyros, der sich an den zwölf Sternbildern des Tierkreises abarbeiten musste.

Prominenz in Arithmetik und Musik

Jenseits von religiösen und mythologischen Vorstellungen hinterließ die Zahl Zwölf ganz handfest pragmatische Spuren in der altrömischen Gesetzgebung. Das älteste Gesetzeswerk Roms aus dem fünften Jahrhundert vor Christus ist das Zwölfta-felgesetz (Lex duodecim tabularum), das ursprünglich auf zwölf Bronzetafeln geschrieben war; auf dem Forum Romanum konnte es jeder römische Bürger zur Kenntnis nehmen. Auch die Etrusker, die feindlichen Nachbarn der Römer, wollten nicht auf die traditionelle Idealzahl Zwölf verzichten und schlossen sich zu einem Zwölfstädtebund (Dodekapolis) zusammen, dem die damals wichtigsten etrurischen Städte angehörten - Perugia, Arezzo und Volterra zum Beispiel. Über alle zeitlichen und kulturellen Distanzen hinweg ist heute die Prominenz der Zahl Zwölf - neben ihrer Verwendung im Kalender und in der Zeitmessung - in der Arithmetik und in der Musik zu erkennen.

Wenn wir im Deutschen nach der Zwölf mit „dreizehn“, „vierzehn“ und so weiter zählen, deutet dies auf eine Zäsur im System hin - auf Reste des uralten Duodezimalsystems innerhalb des heute verwendeten Dezimalsystems. Darauf verweist auch unser Wort „Dutzend“, das auf lateinisch „duodecim“ zurückgeht. Diese ältere Zählweise nutzte ja die arithmetische Griffigkeit der Zwölf. Keine andere Zahl unter 24 war durch mehr Zahlen teilbar (2, 3, 4, 6). So empfahl sie sich als Grundzahl für ein Stellenwertsystem und praktische Nutzanwendungen bei Maßen und Gewichten, die vor allem im Englischen noch erhalten sind, etwa: 1 foot = 12 inches, 1 yard = 3 feet. Angemerkt sei auch, dass in der abendländischen Musik die Oktave aus zwölf Intervallen besteht, ohne die Schönbergs Zwölftontechnik nicht denkbar wäre.

Fazit: Die Zahl Zwölf hat so viele wohltuende Eigenschaften, dass denen, die sich heute trauen, eigentlich nichts passieren kann.

Quelle: F.A.Z.

 
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