18.03.2003 · Trotz der Foltervorwürfe gegen die Frankfurter Polizei hat das dortige Landgericht die Anklage im Mord- und Entführungsfall Jakob von Metzler zugelassen.
Trotz der Foltervorwürfe gegen die Frankfurter Polizei hat das dortige Landgericht die Anklage im Mord- und Entführungsfall Jakob von Metzler zugelassen. Der Prozess vor der 22. Strafkammer soll am 9. April beginnen, teilte das Gericht am Dienstag mit. Angeklagt wegen Mordes und erpresserischen Menschenraubs ist der 27 Jahre alte Jura-Student Magnus G., dem die Polizei am 1. Oktober vergangenen Jahres Gewalt angedroht hatte, um das Versteck des Jakobs zu erfahren. G. hat in späteren Vernehmungen das Verbrechen an dem elf Jahre alten Bankierssohn gestanden.
Das Vorgehen auf Befehl des Polizei-Vizepräsidenten Wolfgang Daschner hatte eine bundesweite Folterdebatte ausgelöst. Hochrangige Juristen wie der Vize-Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Winfried Hassemer, hatten diskutiert, ob das polizeiliche Vorgehen den Prozess zum Platzen bringen könnte.
Einstellung diskutiert
Die Richter der 22. Strafkammer hätten die Einstellung des Verfahrens wegen eines absoluten Verfahrenshindernisses erörtert, aber verworfen, sagte Gerichtssprecher Klaus Wiens. Der Eröffnungsbeschluss ist nicht anfechtbar und muss nicht begründet werden. Im Prinzip sagt er nur aus, dass das Gericht einen hinreichenden Tatverdacht gegen Magnus G. sieht. Über die Verwertung einzelner Beweismittel, beispielsweise eines Geständnisses, ist damit noch keineswegs entschieden.
Die Staatsanwaltschaft wollte die Entscheidung nicht kommentieren, G.s Verteidiger war nicht zu erreichen. Zu dem zunächst auf 17 Verhandlungstage angesetzten Prozess hat die Anklage 35 Zeugen benannt, darunter mehrere Mitglieder der Familie von Metzler. Jakob von Metzler war am 27. September vergangenen Jahres auf dem Schulweg entführt und wenig später erstickt worden. Nach der umstrittenen Gewaltandrohung vier Tage später hatte G. der Polizei das Versteck der Leiche in einem kleinen osthessischen Teich genannt. Die Eltern Jakobs hatte er um eine Million Euro erpresst.