Home
http://www.faz.net/-gum-ry3s
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fall Haleigh Poutre Komapatientin darf sterben

 ·  Ein elfjähriges Mädchen, das von seinen Pflegeeltern fast zu Tode geprügelt wurde und seit September im Koma liegt, darf sterben. Dies hat das höchste Gericht des Bundesstaates Massachusetts entschieden.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Eine fast zu Tode geprügelte elfjährige Komapatientin in den Vereinigten Staaten darf sterben. Das hat das höchste Gericht des Bundesstaates Massachusetts entschieden, wie amerikanische Zeitungen am Mittwoch berichteten. Danach darf der Ernährungsschlauch abgekoppelt und das Beatmungsgerät abgeschaltet werden - jene Apparaturen, die Mädchen seit vergangenem September am Leben erhalten haben. Wann das geschieht, war am Mittwoch aber noch offen.

Das Schicksal von Haleigh Poutre hat knapp ein Jahr nach dem Fall der Komapatientin Terri Schiavo auch über die Vereinigten Staaten hinaus Aufsehen erregt. Bizarrer Aspekt des Falles: Ausgerechnet der Mann, der beschuldigt wird, das Kind mit einem Baseballschläger auf den Tod verletzt zu haben, kämpfte dafür, daß Haleigh am Leben bleibt. Nicht aus väterlicher Liebe, vermutet das Sozialamt in Massachusetts als Vormund der Kleinen, sondern aus Eigennutz. Denn bislang ist er nur wegen Körperverletzung angeklagt. Stirbt Haleigh, wird daraus Mord.

Von den Pflegeeltern zu Tode geprügelt

Von seiner leiblichen Mutter vernachlässigt und wiederholt geschlagen, wurde das Kind in die Obhut seiner Tante Holli gegeben und von dieser 2001 adoptiert. Wenig später heiratete die Frau Jason Strickland. Der Anklage zufolge sollen beide das Mädchen fortgesetzt gequält haben. Im September wurde Haleigh dann mit schwersten Verletzungen in eine Klinik gebracht. Wegen der Hirnschädigungen stuften die Ärzte Haleighs Zustand als aussichtslos ein.

Beide Stricklands wurden angeklagt, aber gegen Kaution freigelassen. Wenig später wurde die Frau erschossen aufgefunden - die Polizei vermutet Mord und Selbstmord. Als das Sozialamt in Massachusetts von einem Jugendrichter die Erlaubnis für die Abschaltung der lebenserhaltenden Apparate erfocht, zog Jason Strickland seinerseits vor Gericht, „um die arme Haleigh zu retten“, wie er es formulierte. Jetzt unterlag er - und muß sich auf ein Verfahren wegen Mordes vorbereiten.

Im Fall Schiavo hatte der Ehemann der Kranken gegen den Widerstand der Eltern am Ende erreicht, daß die künstliche Ernährung eingestellt wurde. Die Kranke war dann am 31. März 2005 gestorben, dreizehn Tage nach Entfernung des Schlauches aus ihrem Magen.

Quelle: dpa / F.A.Z., 19.01.2006, Nr. 16 / Seite 7
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel