04.07.2004 · Der mutmaßliche Serienmörder Michel Fourniret hat die Polizei auf dem Gelände seines französischen Landschlosses zu den Leichen zweier seiner Opfer geführt. Beide Getöteten galten seit 1989 als vermißt.
Nach Hinweisen des Serientäters Michel Fourniret hat die Polizei am Samstag bei seinem Schloß in den französischen Ardennen die Leichen von zweien seiner Opfer gefunden.
„Wir haben die ersten materiellen Beweise für seine Taten“, sagte der Staatsanwalt von Reims, Yves Charpenel. In 1,50 Meter Tiefe fanden die Experten die Überreste der 12jährigen Elisabeth Brichet aus Belgien und der 22jährigen Französin Jeanne-Marie Desramault, die beide 1989 verschwunden waren. Eine Genanalyse soll den ersten „sicheren Eindruck“ bestätigen.
„Kalt und aufmerksam“
Der 62jährige Franzose habe die Grabung nach den Opfern „extrem kalt und sehr aufmerksam“ beobachtet, hieß es. Bei der Leichensuche auf Schloß Sautou waren 200 Polizisten im Einsatz. Fourniret hat bisher neun Morde in Frankreich und Belgien gestanden und kommt für andere in Frage. Seine Frau Monique Olivier, die ihm bei seiner „Jagd auf Jungfrauen“ geholfen hatte, wirft ihm einen weiteren Sexualmord vor. Die meisten seiner Opfer waren Mädchen, die er fesselte, vergewaltigte und erdrosselte.
„Ich habe meine kleine Tochter wiedergefunden“, sagte Elisabeths Vater Francis Brichet erleichtert. „Wir wissen, wo sie ist und was sich ungefähr ereignet hat.“ Fourniret hatte das von Wald umgebene Schloß 1988 gekauft und mehrere Jahre bewohnt, bevor er nach Belgien zog. Nach dem Ortstermin wurden er und seine Frau zurück in belgische Gefängnisse gebracht.
Goldschatz vom Drogenhändler
Das Schloß hatte Fourniret 1988 nach eigenen Angaben aus einem Goldschatz bezahlt, den er einem mit der Terrororganisation „Action directe“ verbundenen Drogenhändler abgenommen habe. In den achtziger Jahren saß Fourniret in Frankreich wegen mehrerer Vergewaltigungen im Gefängnis. Dort soll er den Drogenhändler kennengelernt haben. Nach seiner Haftentlassung habe er den Schatz mit der Freundin des Mithäftlings gehoben und dann die Frau ermordet.
Am Samstag fand die belgische Polizei erste Belege für die unglaubliche Geschichte: Sie entdeckte nach Hinweisen von Fournirets Frau Goldmünzen im Wert von 25.000 Euro aus dem erbeuteten Schatz.
Wie viele Menschen Fourniret getötet hat, ist unklar. In der gestandenen Mordserie in Belgien und Frankreich klafft eine Lücke zwischen 1990 und 2000. Monique Olivier wirf Fourniret zudem einen Mord an einem Au-Pair-Mädchen 1993 vor, den dieser abstreitet. Die niederländische Polizei untersucht, ob der Grenzgänger das Verschwinden der 18jährigen Tanja Groen 1993 und der 11jährigen Nicky Verstappen 1998 zu verantworten hat. Die französische Polizei prüft nach Presseberichten drei, die belgische fünf weitere Fälle.
„Völlige Unterwerfung“
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wollte Fourniret die „völlige Unterwerfung“ der Mädchen. Fehlende Gegenwehr habe ihn verärgert, das Weinen der Opfer impotent gemacht. Monique Oliviers Anwalt Pierre Barthelemy, sagte, Fourniret sei „fasziniert von Jungfrauen“ gewesen. „Er warf seiner Frau oft vor, keine mehr zu sein“, sagte er der Zeitung „France Soir“.
Olivier hatte Fourniret bei Gefängnisbesuchen kennen gelernt und ihm nach eigenem Eingeständnis später bei der Jagd nach Opfern geholfen. Gegen beide wurde in Belgien Anklage wegen Verschleppung von Elisabeth Brichet erhoben. Trotz ihrer Aussagen hege Fourniret keinen Groll gegen seine Frau, berichtete Staatsanwalt Charpenel. Er habe ihr sogar „für ihre Ergebenheit“ gedankt.