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F.A.Z.-Titelbildwahl Das ist Ihr Titelbild des Jahres 2010

 ·  Auch 2010 hat die F.A.Z. ihre Leser wieder dazu aufgerufen, das schönste Titelbild auf der Seite 1 zu wählen - und die Resonanz war wie schon im Jahr zuvor beträchtlich. Welches Bild gewonnen hat? Sehen Sie selbst!

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Wie entstand, wie entsteht eigentlich das Bild auf Seite 1, und warum ist es anders als die anderen Bilder auf den ersten Seiten anderer Zeitungen?

Am Ende steht immer ein Gedankenblitz im Funkenhagel der täglichen Nachrichten. Aber der Weg dahin hat mit der täglichen Nachrichtenflut nichts zu tun. Im Gegenteil. Die Flut der Nachrichten ist auch eine Flut der Bilder, die nicht dazu führt, dass es immer bessere Bilder gibt. Gute gibt es immer weniger, sei es, weil sie in der Flut untergehen, sei es, weil sie im Blätterwald zum Blickfang degradiert worden sind.

Nein, das Bild auf der Seite 1 entstand ganz anders. Das kam so:

Immer mehr Leser klagen darüber, dass sie keine Zeit mehr zum Lesen haben. Denn unsere Jahre und Tage sind kürzer geworden, je länger die Liste, was zu tun sei. Aber bestimmen nicht wir über die Liste? Darüber, was zu tun sei? Wer wollte zulassen, dass er fremdbestimmt sei? Eigentlich müsste es also heißen: Immer mehr Leser nehmen sich immer weniger Zeit zum Lesen.

Trotzdem bleiben sie natürlich Leser. Ein Leben ohne Lesen gibt es nicht. Doch auch für das Lesen gilt: Unsere Jahre und Tage sind kürzer geworden, je länger die Liste, was zu lesen ist. Wer nicht liest, liest nie nicht, er liest nur das eine nicht mehr, dafür aber das andere, in Büchern, in der Zeitung, im Internet, in Magazinen, Berichten, Analysen, Kopien, Prospekten.

Die Leser, die sich immer weniger Zeit zum Lesen nehmen, sind natürlich nicht irgendwelche Leser. Es sind die besten Leser, die es gibt, die Feinschmecker unter den Lesern, die Leser, denen es wehtut, nicht mehr lesen zu können. Welche Leser sind das? Niemand würde auf den Gedanken kommen, in jedem Fall einen Leser als „Leser“ zu bezeichnen. Sie sind mehr oder weniger, sie sind Benutzer, „User“, Betrachter, Zuschauer, Konsumenten.

Aber der Leser? Es ist der Leser der Bücher, der Magazine, der Zeitungen, der darüber klagt, dass er keine Zeit mehr zum Lesen hat.

Sie alle rettet das Bild auf der Seite 1.

Eigentlich ist es gar kein Bild. Es ist Lesestoff. Denn auch Bilder werden gelesen, solange es Bilder sind, für die man sich Zeit nehmen will, um sie zu lesen. In der täglichen Bilderflut sind das die Bilder, die nicht Illustration, die nicht Beiwerk, die nicht Textbelege sind, sondern die Bilder, die mehr sagen als tausend Worte.

Das sind nicht immer Bilder, die von alleine kommen. Und es können Bilder sein, die schon lange da waren, aber nie gefunden wurden. Wer mehr sagen will als tausend Worte, der muss fotografieren können, bevor er das Foto macht. Was dabei herauskommt, ist eigentlich keine Fotografie, sondern ein Funke, eine Assoziation, ein Gedanke, ja manchmal nur ein Wort, das mehr sagt als tausend Bilder. Dabei ist die Welt voller Nachrichten nur ein Fortbewegungsmittel, ein Motor, mit dessen Hilfe jeder Tag neu angeordnet, abgebildet, wenn man so will: fotografiert werden muss.

So entsteht das Bild auf Seite 1.

Und der Leser? Er geht morgens zum Briefkasten, zum Kiosk, um zu vergessen, dass er keine Zeit mehr hat zum Lesen. Denn da wartet eine Überraschung.

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