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„Unser Song für Malmö“ Sieg nach Punkten

Darauf konnten sich alle einigen: „Unser Song für Malmö“ soll laut und partytauglich sein. Den Ausschlag gab das Votum der Jury – und Cascada fährt mit „Glorious“ nach Malmö.

© dapd Vergrößern Sie soll für uns nach Malmö fahren: die Sängerin der Band Cascada, Natalie Horler, mit ihrem Lied „Glorious“. Manche halten den Song aber für ein Plagiat.

„Ist ja wie im Schwedenkrimi, die Auflösung kommt erst im dritten Teil“ scherzte Moderatorin Anke Engelke, als gegen Ende der fast zweistündigen Show wieder völlig offen war, welches Lied denn nun „Unser Song für Malmö“ werden würde. Und lief endlich richtig warm, als hibbeliger, mit dem Hallenpublikum scherzender Eurovisions-Fan, während sie vorher zwischen lauter Liedbeiträgen und Einspielern und noch mehr Liedern, die schnell getaktet vorbeizogen, eingeklemmt gewirkt hatte wie in ihrem todschicken oscarreifen Kleid, das ihr, wie sie sagte, kaum Luft zum Atmen lasse.

Ursula Scheer Folgen:  

Aber es war nicht der Oscar, am Donnerstagabend in Hannover, sondern der Grand-Prix-Vorentscheid. Achteinhalbtausend Leute saßen in der Halle, und dass der „Eurovision Song Contest“ (ESC) nicht irgendein Liederwettstreit ist, sondern spätestens seit Lena eine große, glänzende Sache, machte nach den Eröffnungsauftritten von – natürlich – Lena und Loreen gleich die erste Video-Einspielung klar. „Der größte Musik-Mega-Event der Welt“, tönte es da, der „alle Altersgruppen und Kulturen“ banne.

Längst keine Resterampe für Altstars mehr

Tatsächlich ist der ESC-Vorentscheid in Deutschland längst keine Rampe mehr für Altstars und Schlager-Ulk. Aber verkrampft um Bedeutsamkeit ringen, wie es auch so mancher der zwölf Kandidaten in den Kurzvideos tat, mit denen diese sich vor ihren Auftritten präsentierten, muss deshalb auch keiner. Es wurde auch nicht vom Publikum belohnt. „Musik ist eine Art kollektives Bewusstsein“, orakelte es im Einspieler von Ben Ivory, „selbst ein einziges Lied kann Mauern einreißen“. Dann versank der schmale junge Mann mit seiner Elektro-Pop-Nummer im Stil der Achtziger auf der Bühne im Lasershow-Gewitter. Er erreichte immerhin noch einen mittleren Platz.

Probe fuer den ESC-Vorentscheid "Unser Song fuer Malmoe" Zweiter Platz und vor allem bei den Zuschauern beliebt: die bayerische Band La BrassBanda mit ihrem Lied „Nackert“ © dapd Bilderstrecke 

Besser machten es die späteren Sieger. Das Bonner Dance-Trio Cascada wäre nicht der kommerziell erfolgreichste Teilnehmer im Feld, wüsste es nicht, dass es auch beim ESC zuerst einmal um massentaugliche Unterhaltung geht. Die Formation, die seit zehn Jahren besteht, ist vor allem im Ausland beliebt und kann schon mehr als 3,5 Millionen verkaufte Tonträger vorweisen. Natalie Horler, das Bühnengesicht von Cascada, zeigte sich im Videoeinspieler als Buletten bratendes Vollweib, um danach live fröhlich geradeaus stampfenden Disco-Pop abzuliefern. Das zog.

Auch die Zweitplatzierten, die bayerische Combo LaBrassBanda mit ihrer krachledernden Gaudi-Musik, die technoschnelle Beats und Blasmusik verschraubt, setzte durchweg auf bodenständige Authentizität.

Laut, geradlinig, partytauglich

Laut, geradlinig und partytauglich sollte der ESC-Beitrag Deutschlands werden, darüber waren sich alle einig. Nur in welchem Stil, das war bis zum Schluss nicht klar. Radiohörer, Fernsehzuschauer und eine Jury im Saal, die von der Grand-Prix-Veteranin Mary Roos geleitet wurde, bestimmten zu je einem Drittel das Ergebnis. Hätte die Radioabstimmung allein entschieden, LaBrassBanda hätte gewonnen und Cascada den zweiten Platz belegt. Wäre es nach dem Fernsehpublikum gegangen, wäre es genau umgekehrt gewesen. So gab das Votum der Jury den Ausschlag. Die vergab ihre zwölf Punkte an die Band Blitzkids mvt., die mit einer Elektro-Pop-Darbietung im Stile Lady Gagas nur im Saal überzeugte, und versenkte LaBrassBanda mit einem einzigen Punkt. Das brachte Cascada den Sieg.

Die Zeit für zarte Fräuleinwunder jedenfalls ist vorbei beim ESC. Lena-Epigonen wie Mia Diekow oder Mobilée stürzten auf die letzten Plätze, der niedliche Retro-Schlager der Schwedin Betty Dittrich drang kaum durch, und die Soul-Sängerin Saint Lou kam auch nicht viel weiter. Chancenlos war auch der exotischste Beitrag, Die Priester & Mojca Erdmann mit ihrem Marienlied „Meerstern, sei gegrüßt“ und Finn Martins seichter Popsong „Change“. Einen guten dritten Platz erreichte dagegen die arrivierteste Band im Wettbewerb, die Söhne Mannheims mit „One Love“.

Neues Konzept, neue Attraktivität

Dass eine solche Gruppe an einem ESC-Vorentscheid teilnimmt, wertete ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber als einen der größten Erfolge des neuen Konzepts. Auch die Söhne Mannheims selbst sagen: „An einer Castingshow hätten wir niemals teilgenommen.“ Nachdem ProSieben sich vollständig und Stefan Raab sich zumindest vor der Kamera aus der Kandidatenkür zurückgezogen hatten, gestaltete die ARD den Wettbewerb um. An die Stelle des Castings trat eine Vorauswahl, getroffen vom NDR, der den ESC betreut, von Plattenfirmen sowie Raabs Agentur Brainpool, über die in einer einzigen Show abgestimmt wurde.

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Nach knapp zwei Stunden ESC-Vorentscheid kann man jedenfalls sagen: Mehr Halbfinale braucht eigentlich kein Mensch. Das neue Abstimmungsverfahren allerdings, das einen Mittelweg finden wollte zwischen Fachvotum und Massengeschmack, zeigte schon im ersten Durchlauf: Es bringt nicht den Beitrag nach vorne, der künstlerisch am wertvollsten ist. Aber es gibt der Jury die Macht, einen Teilnehmer zu stoppen, egal wie viele Stimmen er draußen vor den Empfangsgeräten sammelt. Am Ende gewinnt der Song, auf den sich alle irgendwie einigen können.

Das Ergebnis des Vorentscheids

1. Cascada

2. La Brass Banda

3. Söhne Mannheims

4. Saint Lu

5. Nica & Joe

6. Blitzkids mvt.

7. Ben Ivory

8. Betty Dittrich

9. Finn Martin

10. Die Priester & Mojca Erdmann

11. Mobilée

12. Mia Diekow

Quelle: FAZ.NET

 
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