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Tagebuch aus Malmö (4) Küssen gegen Russland

 ·  Im zweiten Halbfinale des „Eurovision Song Contest“ ist für die Israelin Moran Mazor Schluss. Auch Ralph Siegel scheitert wieder. Dafür mausert sich ein Hipster aus Budapest, der anfangs nicht mal am Grand Prix teilnehmen wollte, zu einem Geheimfavoriten.

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© dpa Vergrößern Zehn Jahre später: Die finnische Variante des „Hochzeitskusses“ von Britney Spears und Madonna, dargeboten von Krista Siegfrids (links) und einer Tänzerin

Für die Unverbesserlichen, die am Mittwoch in Malmö für Palästina und zugleich gegen eine Künstlerin demonstriert hatten, dürfte es ein kleiner Triumph gewesen sein: Die junge Israelin Moran Mazor hat es nicht ins Finale geschafft - und das ausgerechnet an ihrem 22. Geburtstag. Ihre hebräische Ballade „Rak Bishvilo“ (Nur für ihn), die sie mit viel Herzblut und Inbrunst vortrug, kam nicht an. Nicht erst in Schweden, wo sich selbst einige Politiker gegen eine Teilnahme Israels am Grand Prix ausgesprochen hatten, sah sich Mazor einem plötzlichen Furor ausgesetzt: Der britische Modedesigner John Galliano hatte für sie ein Kleid für den „Eurovision Song Contest“ (ESC) anfertigen wollen. Doch weil Gallianos antisemitische Pöbeleien Anfang 2011 noch nicht vergessen und verziehen sind, untersagte der israelische öffentlich-rechtliche Sender IBA der Sängerin, sich von ihm einkleiden zu lassen.

Unpolitisch soll er sein, und frei von Werbung. Hehre Ziele, die noch kein Grand Prix erreicht hat. Auch in diesem Jahr nicht. Die Finnin Krista Siegfrids zum Beispiel hat eine klare, auch politische Botschaft, die niemand missverstehen kann. Ihr Lied „Marry Me“ (Heirate mich), das sie wie bei einer Schülertheatervorstellung mit lustigen und scheinbar selbst geschneiderten Kostümen darbietet, ist zwar harmlos. Doch am Ende küsst sie eine Frau – und das mit großer Begeisterung. Das wohl informierte Publikum in der Malmö Arena wartet nur auf diesen Moment, und darauf, dass die Sängerin mit ihren Tänzerinnen danach Luftsprünge vollführt, als sei Großes geschehen. Nun ist Finnland ein liberales Land, der Gesetzentwurf zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare so gut wie abgesegnet, doch dürfte Krista Siegfrids Punkbraut-Protest auch eher an Länder wie Russland oder Weißrussland und nicht unbedingt an ihre Heimat gerichtet sein. Im Finale am Samstag bekommt die Finnin nun noch einmal eine Gelegenheit, Europa mit ihrem Kuss zu erfreuen.

© dpa Vergrößern Der älteste Künstler in der ESC-Geschichte: Emil Ramsauer, 95 Jahre alt, kommt aus der Schweiz und spielt in Malmö Kontrabass

Die Schweiz hingegen ist mal wieder nicht dabei. Fünfmal seit 2006 scheiterten die Eidgenossen nun schon, und auch mit Takasa und dem Song „You & Me“ war in der Zwischenrunde Schluss. Da half auch nicht das herzhaft und an die Ralph-Siegel-Gruppe Dschingis Khan erinnernde „Hey“ mit in die Luft geworfenen Armen. Die Sechs hatten schon zu Jahresbeginn keinen guten Start, sie mussten sich einem Urteil der Europäischen Rundfunkunion (EBU) beugen. Denn Takasa ist eine Band der Berner Heilsarmee, die unter dem Namen Heilsarmee und in den Uniformen der christlichen Freikirche auftreten wollte. Das aber ließ die EBU nicht zu.

Takasa bedeutet übrigens nicht, wie spekuliert wurde, „The artists known as Salvation Army“, sondern ist Suaheli für „reinigen“. Am Donnerstagabend stand mit den Schweizern zugleich der älteste Künstler in der ESC-Geschichte auf der Bühne der Malmö Arena: der 95 Jahre alte Kontrabassist Emil Ramsauer. Ihn hatten sie in ihrem Bewerbungsvideo, das die Fahrt der Band im kleinen roten Fiat nach Malmö darstellt, herrlich in Szene gesetzt. Beim Auftritt in Malmö standen sie viel zu steif nebeneinander auf der Bühne, das war ideenlos, Ramsauer wirkte geradezu hilflos verloren.

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