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ESC-Tagebuch aus Kiew (2) : Blau-Gelb steht für Hoffnung und Jugend

Triana Park singt für Lettland: Auf mehreren Bühnen präsentieren sich die ganze Woche lang Teilnehmer des ESC. Bild: dpa

Für den ESC in Kiew wurden Straßen repariert, Parks verschönert, Fan-Zonen eingerichtet. Wie viel Geld die Veranstaltung am Ende gekostet und wie viel sie eingebracht hat, wird sich noch zeigen.

          Keine andere europäische Millionen-Metropole ist wohl so preiswert wie Kiew. Das macht sich vor allem beim Essen und Trinken und im Vergleich zum letzten „Eurovision Song Contest“ (ESC) in Stockholm bemerkbar. Ein Hauptgericht in einem guten Restaurant kostet zwischen drei und fünf Euro (90 bis 150 Griwna), in einem sehr guten Restaurant sind es selten mehr als 15 Euro (440 Griwna). In fast allen Restaurants wird das Gewicht von jedem Gericht bis zu den Zutaten schon auf der Speisenkarte angegeben: Hinter einem Schaschlik mit Kartoffeln, Pilzen und Gemüse steht dann zum Beispiel „200/150/50/100“.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Auch die Öffnungszeiten sind mehr als gastfreundlich: Ohne Probleme kann man rund um die Uhr in Kiew essen, trinken und überhaupt einkaufen. Das beste und kreativste und zugleich preiswerteste Restaurant mit ukrainischen Spezialitäten ist vermutlich das „Spotykach“: Dort gibt es die gefüllten, halbmondförmigen Teigtaschen – Wareniki genannt – auch in den Landesfarben Blau und Gelb.

          Die Farben der ukrainischen Flagge sind in diesen Tagen überall zu sehen. Gelb steht offiziell für die Farbe des Getreides, die Ukraine galt einmal als Kornkammer Europas. Das Blau symbolisiert den Himmel über den Feldern, doch inzwischen ist das Blau eher Sinnbild für Hoffnung und für die Jugend in der Ukraine geworden. Fast jeder sechste Ukrainer ist unter 14 Jahre alt. Dementsprechend groß ist das Interesse vor allem junger Leute am ESC. Gleich fünf Fan-Zonen wurden über die Stadt verteilt eingerichtet, wo bis spät in die Nacht gefeiert wird.

          Zehn Tage lang wird von mittags bis 22 Uhr gefeiert

          Größter ESC-Außenposten ist wie jedes Jahr das sogenannte „Eurovision Village“. Dafür wurde eine der Hauptstraßen Kiews, der Chreschtschatyk in der Innenstadt gesperrt. Der bis zu 100 Meter breite sechsspurige Boulevard wird über das Jahr immer mal wieder zu einer Flaniermeile und ist dann für Autos gesperrt. Er quert den Majdan Nesaleschnosti, den Unabhängigkeitsplatz, der 2004 durch die Orangene Revolution bekannt wurde und auf dem im  Februar 2014 mehr als 100 Personen ihr Leben bei den Euromaidan-Protesten ließen. An die „Himmlischen Hundert“, wie sie in der Ukraine genannt werden, erinnern Bilder der Getöteten, es sind in Stein gelaserte Tafeln, oberhalb des Platzes.

          Ohne Eintritt bezahlen zu müssen, kann jeder in dieser Woche die Kandidaten kennenlernen. Slavko Kalezic singt für Montenegro.
          Ohne Eintritt bezahlen zu müssen, kann jeder in dieser Woche die Kandidaten kennenlernen. Slavko Kalezic singt für Montenegro. : Bild: dpa

          Im Eurovisions-Dorf wird zehn Tage lang täglich von mittags bis 22 Uhr abends gefeiert. Es gibt unter anderem Würstchen (zwei Stück mit bayerischer Sauce und Pommes für drei Euro) und vor allem jede Menge Bier (der halbe Liter für einen Euro). Dort wird natürlich auch das erste Halbfinale am Dienstagabend auf einer großen Leinwand übertragen (in Deutschland ist es von 21 Uhr an live im Fernsehen bei ONE sowie online bei eurovision.de im Livestream zu sehen). Auf mehreren Bühnen präsentieren sich zudem die ganze Woche lang Teilnehmer des ESC, so dass jeder auch ohne Eintritt bezahlen zu müssen, die Kandidaten kennen lernen kann.

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