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Streit um Jerusalem : Der nächste ESC findet 2019 in Tel Aviv statt

Strahlend gewonnen: Sängerin Netta beim 63. ESC-Finale in Lissabon im Mai Bild: dpa

Mit dem Sieg der israelischen Sängerin Netta beim Eurovision Song Contest war zunächst Jerusalem als nächster Austragungsort im Gespräch. Das hatte für Unmut gesorgt.

          Der Eurovision Song Contest (ESC) wird nächstes Jahr in Tel Aviv stattfinden. Das hat die Europäische Rundfunkunion (EBU) am Donnerstag bekanntgegeben. Beworben hatten sich auch Jerusalem und Eilat. „Am Ende haben wir entschieden, dass Tel Aviv das beste Setup für das weltweit größte Live-Musik-Event bietet“, sagte Jon Ola Sand, der bei der EBU für den ESC verantwortlich ist. Die israelische Regierung hatte sich zuvor für Jerusalem eingesetzt, das sie ungeachtet palästinensischer Ansprüche und völkerrechtlicher Widersprüchlichkeiten zu ihrer ungeteilten Hauptstadt erklärt hat.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Nach dem Sieg der israelischen Sängerin Netta Barzilai beim ESC in Lissabon hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu angekündigt, der nächste ESC werde in Jerusalem stattfinden. Am Donnerstag ließ er mitteilen, Israel sei stolz, Gastgeber des ESC in Tel Aviv zu sein. „Tel Aviv ist eine internationale und pulsierende Stadt.“ Kultusministerin Miri Regev hatte zuvor gesagt, wenn die Eurovision „nicht in Jerusalem zu Gast sein will, wo wir es als Gastgeber möchten, dann müssen sie nicht nach Israel kommen“. Neben Völkerrechtsfragen haben die EBU auch religiöse Vorschriften bewogen, nicht nach Jerusalem zu gehen. Die dort starke Partei Vereinigtes Thora-Judentum hatte zuletzt verlangt, Schabbat-Vorschriften dürften nicht durch den ESC beeinträchtigt werden. Dadurch wären Aufbau und Proben nur unter erschwerten Bedingungen möglich gewesen.

          Ein Brief der EBU hatte vergangene Woche für neuerlichen Unmut gesorgt. Darin fordert die Rundfunkunion die Behörden auf, die Einreise von Besuchern und Mitwirkenden ungeachtet politischer und religiöser Ansichten zu garantieren, die Generalprobe am Schabbat und generelle Bewegungsfreiheit im Land zuzulassen sowie die Veranstaltung nicht politisch zu vereinnahmen. Die EBU teilte mit, sie erwarte in dieser Woche „Garantien des Ministerpräsidenten“. Der Bürgermeister von Tel Aviv nannte die Eurovision „perfekt geeignet“ für seine Stadt, die für „das Feiern der Freiheit“ stehe.

          Tel Aviv erwartet zum ESC 20.000 Besucher aus dem Ausland. Die Vorentscheide sind für den 14. und 16. Mai im Kongresszentrum von Tel Aviv angesetzt, das Finale für den 18. Mai.

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