Home
http://www.faz.net/-gum-7905j
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Cascada „Warum sollte so etwas peinlich sein?“

Sie singt für Deutschland beim „Eurovision Song Contest“: Cascada-Frontfrau Natalie Horler im Gespräch über Kritik, Nacktfotos und schlaflose Nächte.

© Marcus Kaufhold „Jede Frau fühlt sich angegriffen, wenn negativ über ihr Aussehen geredet wird“: Sängerin Natalie Horler.

Frau Horler, in Ihren Musikvideos tanzen Sie gerne auf dem Tisch. Im wahren Leben auch?

Früher, ja (lacht).

Eine Jeansverkäuferin trifft auf zwei unbekannte Musikproduzenten. Ein paar Jahre später haben sie drei Millionen Tonträger verkauft. Ist das die Geschichte hinter Cascada?

Grob gesehen könnte man das so sagen. Allerdings war Jeansverkäuferin für mich ein Nebenjob. Ich wollte nach der Schule Musik machen und habe mich sehr darum bemüht, aber irgendwie muss man ja auch die Miete zahlen. Das habe ich dann mit meiner anderen Liebschaft, der Mode, verbunden und habe Jeans verkauft. Außerdem habe ich gekellnert und als Sängerin in einer Cocktailbar gearbeitet: Viertelstunde singen, kleine Cocktailpause, weitersingen - so ging das den ganzen Abend.

Haben Sie dort Ihre Produzenten kennengelernt?

Nein, ich habe ganz klein als Studiosängerin angefangen und wurde weiterempfohlen. Eines Tages traf ich dann in einem Düsseldorfer Tonstudio auf meine Produzenten Yann Peifer und Manuel Reuter. Lustig daran ist, dass Manuel und ich beide aus Küdinghoven, einem Dorf bei Bonn, kommen, uns dort aber nie über den Weg gelaufen sind.

Waren Sie mit den beiden sofort auf einer Wellenlänge?

Wir mussten uns erst annähern. Produzenten können ja sehr bestimmend sein: Sing das mal so, nimm beim Singen die Hände aus den Hosentaschen, lächle beim Singen.

Sie sprechen perfekt Englisch. Wie kommt’s?

Obwohl ich in Deutschland geboren wurde, bin ich Engländerin. Bei uns in der Familie wurde nur Englisch gesprochen. Deutsch habe ich erst im Kindergarten gelernt. Ich finde diesen Weg die cleverste Variante, wenn man Kinder bilingual erziehen möchte.

Eine Engländerin tritt für Deutschland beim „Eurovision Song Contest“ an.

Die Regeln sind nicht so streng. Ich habe keinen deutschen Pass, lebe aber mit meinem Mann in Bonn und identifiziere mich mit Deutschland.

Angeblich haben Sie auch eine Wohnung in London.

Schön wär’s. Das ist eine Erfindung der Boulevardpresse. Ich habe allerdings bis vor etwa einem Jahr auf Mallorca gelebt und bin jede Woche nach Deutschland geflogen, um Songs aufzunehmen und aufzutreten. Nach zwei Jahren war mir das auf Mallorca aber zu viel mit der Sonne, außerdem ist dort im Winter ja wenig geboten.

Welches ist das größte Kompliment, das Sie je bekommen haben?

Mir schmeichelt es, wenn Leute sagen: Du bist nicht abgehoben, du bist ein ganz normaler Mensch.

Wer oder was bringt dieses Leuchten in Ihre Augen?

Wenn die Fans bei den Aufritten mitsingen oder weinen - diese Emotionen sind unfassbar, und das bringt meine Augen zum Leuchten. Die Unterstützung der Fans lässt einen selbst dann durchhalten, wenn man körperlich am Limit ist. Manchmal ist es bei den Auftritten ja zu warm, oder man hat zu wenig gegessen. Dann wird einem schlecht, und man muss sich nach der Show schon mal übergeben.

Wie muss man sich den typischen Cascada-Fan vorstellen?

Weiblich, zwischen vierzehn und fünfundzwanzig Jahren alt. Aber es gab hierzu auch schon Umfragen, und das Spektrum ist sehr groß: von unter zehn Jahren bis ins hohe Alter.

Haben Sie damit gerechnet, den deutschen Vorentscheid für den „Eurovision Song Contest“ zu gewinnen?

Ich gehe immer bescheiden an so was ran. Hochmut kommt vor dem Fall, und ich habe es immer vermieden, hochmütig zu sein. Im Moment des Siegs war ich wirklich geschockt. Es bedeutet mir sehr, sehr viel, für Deutschland antreten zu dürfen.

GER, Eurovision Song Contest 2013,  Unser Song für Malmö - Cascada © nordphoto Vergrößern Glorious: Horler beim Vorentscheid im Februar.

Nach Ihrem Sieg ist ein Kritiksturm losgebrochen.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mickie Krause im Gespräch Findet ihr mich peinlich?

Auf der Bühne singt er von Zehn nackten Friseusen, daheim warten drei Töchter auf ihn. Ein Gespräch mit dem Partysänger Mickie Krause über Erziehung, Exzesse und die musikalische Bekehrung seines Vaters. Mehr Von Jörg Thomann

31.07.2015, 15:35 Uhr | Gesellschaft
Pertti Kurikan Nimipäivät Behinderte Punker wollen den ESC rocken

Sie haben alle verschiedene geistige Beeinträchtigungen, aber vor allem lieben sie Punk-Musik: Die vier Musiker der finnischen Gruppe Pertti Kurikan Nimipäivät wollen den Eurovision Song Contest rocken – und gewinnen. Vor ihrem Auftritt beim ersten Halbfinale hat Bassist Sami Helle über ihre Vorliebe für raue Musik und ihre Fans gesprochen. Mehr

19.05.2015, 17:46 Uhr | Gesellschaft
Michael Fassbender im Gespräch Ich kann Old Shatterhand förmlich sehen

Als Sohn eines Deutschen geboren, hat Hollywood-Star Michael Fassbender immer noch eine besondere Verbindung zu seinem Geburtsland. Ein Grund, mit ihm über Karl-May-Filme, seine Ferien in Mannheim und deutsches Bier zu sprechen. Mehr Von Christian Aust

23.07.2015, 14:29 Uhr | Gesellschaft
Eurovision Song Contest Duett von Ann Sophie und Dominic Muhrer

Beim Finale kämpft jeder für sich – aber im Vorfeld schlossen sich die deutsche Kandidatin und der Sänger der österreichischen Band zusammen. Mehr

19.05.2015, 17:49 Uhr | Gesellschaft
Unterwegs mit Sebastian Vettel Zur Halbzeit Bratwurst

War der Auto-Führerschein für Sebastian Vettel eigentlich noch etwas Besonderes? Der vierfache Formel-1-Weltmeister nimmt uns mit und spricht über das Autofahren, die Eintracht und warum er alte Motorräder liebt. Mehr Von Boris Schmidt

27.07.2015, 11:11 Uhr | Technik-Motor

Veröffentlicht: 12.05.2013, 14:13 Uhr

Endlich Eltern Mark Zuckerberg und Priscilla Chan bekommen ein Mädchen

Mark Zuckerberg wird endlich Vater, Til Schweiger und Sigmar Gabriel gehen gemeinsam gegen Fremdenhass an und Gisele Bündchen geht in Burka und Flipflops zum Schönheitschirurgen – der Smalltalk. Mehr 18