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Cascada „Warum sollte so etwas peinlich sein?“

Sie singt für Deutschland beim „Eurovision Song Contest“: Cascada-Frontfrau Natalie Horler im Gespräch über Kritik, Nacktfotos und schlaflose Nächte.

© Marcus Kaufhold Vergrößern „Jede Frau fühlt sich angegriffen, wenn negativ über ihr Aussehen geredet wird“: Sängerin Natalie Horler.

Frau Horler, in Ihren Musikvideos tanzen Sie gerne auf dem Tisch. Im wahren Leben auch?

Früher, ja (lacht).

Eine Jeansverkäuferin trifft auf zwei unbekannte Musikproduzenten. Ein paar Jahre später haben sie drei Millionen Tonträger verkauft. Ist das die Geschichte hinter Cascada?

Grob gesehen könnte man das so sagen. Allerdings war Jeansverkäuferin für mich ein Nebenjob. Ich wollte nach der Schule Musik machen und habe mich sehr darum bemüht, aber irgendwie muss man ja auch die Miete zahlen. Das habe ich dann mit meiner anderen Liebschaft, der Mode, verbunden und habe Jeans verkauft. Außerdem habe ich gekellnert und als Sängerin in einer Cocktailbar gearbeitet: Viertelstunde singen, kleine Cocktailpause, weitersingen - so ging das den ganzen Abend.

Haben Sie dort Ihre Produzenten kennengelernt?

Nein, ich habe ganz klein als Studiosängerin angefangen und wurde weiterempfohlen. Eines Tages traf ich dann in einem Düsseldorfer Tonstudio auf meine Produzenten Yann Peifer und Manuel Reuter. Lustig daran ist, dass Manuel und ich beide aus Küdinghoven, einem Dorf bei Bonn, kommen, uns dort aber nie über den Weg gelaufen sind.

Waren Sie mit den beiden sofort auf einer Wellenlänge?

Wir mussten uns erst annähern. Produzenten können ja sehr bestimmend sein: Sing das mal so, nimm beim Singen die Hände aus den Hosentaschen, lächle beim Singen.

Sie sprechen perfekt Englisch. Wie kommt’s?

Obwohl ich in Deutschland geboren wurde, bin ich Engländerin. Bei uns in der Familie wurde nur Englisch gesprochen. Deutsch habe ich erst im Kindergarten gelernt. Ich finde diesen Weg die cleverste Variante, wenn man Kinder bilingual erziehen möchte.

Eine Engländerin tritt für Deutschland beim „Eurovision Song Contest“ an.

Die Regeln sind nicht so streng. Ich habe keinen deutschen Pass, lebe aber mit meinem Mann in Bonn und identifiziere mich mit Deutschland.

Angeblich haben Sie auch eine Wohnung in London.

Schön wär’s. Das ist eine Erfindung der Boulevardpresse. Ich habe allerdings bis vor etwa einem Jahr auf Mallorca gelebt und bin jede Woche nach Deutschland geflogen, um Songs aufzunehmen und aufzutreten. Nach zwei Jahren war mir das auf Mallorca aber zu viel mit der Sonne, außerdem ist dort im Winter ja wenig geboten.

Welches ist das größte Kompliment, das Sie je bekommen haben?

Mir schmeichelt es, wenn Leute sagen: Du bist nicht abgehoben, du bist ein ganz normaler Mensch.

Wer oder was bringt dieses Leuchten in Ihre Augen?

Wenn die Fans bei den Aufritten mitsingen oder weinen - diese Emotionen sind unfassbar, und das bringt meine Augen zum Leuchten. Die Unterstützung der Fans lässt einen selbst dann durchhalten, wenn man körperlich am Limit ist. Manchmal ist es bei den Auftritten ja zu warm, oder man hat zu wenig gegessen. Dann wird einem schlecht, und man muss sich nach der Show schon mal übergeben.

Wie muss man sich den typischen Cascada-Fan vorstellen?

Weiblich, zwischen vierzehn und fünfundzwanzig Jahren alt. Aber es gab hierzu auch schon Umfragen, und das Spektrum ist sehr groß: von unter zehn Jahren bis ins hohe Alter.

Haben Sie damit gerechnet, den deutschen Vorentscheid für den „Eurovision Song Contest“ zu gewinnen?

Ich gehe immer bescheiden an so was ran. Hochmut kommt vor dem Fall, und ich habe es immer vermieden, hochmütig zu sein. Im Moment des Siegs war ich wirklich geschockt. Es bedeutet mir sehr, sehr viel, für Deutschland antreten zu dürfen.

GER, Eurovision Song Contest 2013,  Unser Song für Malmö - Cascada © nordphoto Vergrößern Glorious: Horler beim Vorentscheid im Februar.

Nach Ihrem Sieg ist ein Kritiksturm losgebrochen.

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