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Eurovision Song Contest Baku ist jetzt Düsseldorf

26.01.2012 ·  Der 57. Eurovision Song Contest kündigt sich an - in Baku. Deshalb hat Düsseldorf nun feierlich den Schlüssel an die Hauptstadt Aserbaidschans übergeben. Aber: Es ist noch ein langer Weg.

Von Peter-Philipp Schmitt, Baku
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© dapd An der Halle in Baku wird noch gebaut

Rudyard Kiplings berühmtes Zitat „Ost ist Ost, West ist West, sie werden nie zueinander kommen“ wollten die aserbaidschanischen Gastgeber widerlegen. Und so trafen Düsseldorf und Baku im Buta-Palast zusammen. Die eine industrielle und kulturelle Großregion aus der Mitte Europas sollte, wie es hieß, feierlich den Schlüssel an die andere industrielle und kulturelle Großregion vom, sagen wir mal, entfernten Rande Europas übergeben. Der Ort ist symbolträchtig: Buta bedeutet in Sanskrit „Feuer“. Stolz nennt sich das öl- und erdgasreiche Aserbaidschan „Land des Feuers“. So stand, noch bevor die Live-Fernsehshow am Mittwochabend in der glitzernden Konzerthalle unweit des Heydar-Alijew-Flughafens begann, das Motto des „Eurovision Song Contest“ (ESC) bereits fest: „Light Your Fire“.

Es züngelte sehr, auf der Bühne und an den mit weißem Stoff bespannten Wänden des Buta-Palastes. Aserbaidschans Geschichte bewegte sich um den Saal herum: die steinzeitlichen Felszeichnungen in Qobustan unweit Bakus; der Feuertempel Ateschgah, der womöglich auf Anhänger Zarathustras zurückgeht und dessen Spitzen - durch natürlich austretendes Erdgas gespeist - brannten; bis hin zu den Straßenzügen der sich täglich modernisierenden Metropole am Kaspischen Meer. Auch musikalisch blieb es beim Ost-West-Spagat. Natürlich fehlten einige der einstigen Grand-Prix-Gewinner nicht, von Ruslana, die 2004 mit ihren „Wild Dances“ für die Ukraine gewonnen hatte, bis hin zu Lena, die ihren Siegertitel „Satellite“ aus dem Jahr 2010 sang. Titel- und Begleitmelodie des Abends aber war das Gewinnerlied 2011, „Running Scared“, von Ell & Nikki.

Ein langer Weg

Man ist sich nähergekommen in den vergangenen Monaten. Trotzdem ist es noch ein langer Weg von Düsseldorf nach Baku, wie die Moderatoren der Show, Leyla Alijwa and Nasim Huseynow, schmunzelnd feststellen mussten, nachdem es fast zwei quälend lange Minuten ohne Ton gedauert hatte, bis es gelang, einen Film über die letztjährige Gastgeberstadt zu zeigen. Wie weit Aserbaidschan von Zentraleuropa entfernt liegt, werden besonders die Künstler Ende Mai erfahren: Der ESC beginnt traditionell um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit, gesungen wird in Baku also von Mitternacht bis drei Uhr morgens.

Wer darf nach Baku? Die deutschen Kandidaten

Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU), der die Zuschauer im Saal mit einem freundlichen „Baku akshaminiz kheyir“ („Guten Abend, Baku“) begrüßte, ging genauso wie sein aserbaidschanischer Kollege aus Baku, Hajubala Abutalybow, über die technischen Schwierigkeiten des Abends hinweg. Auch der ESC-Generalbevollmächtigte von der Europäischen Rundfunkunion (EBU), der Norweger Jon Ola Sand, stellte der seit Mittwoch nun auch offiziell zur Gastgeberstadt des 57. ESC erkorenen Hauptstadt Aserbaidschans ein gutes Zeugnis aus: Die Vorbereitungen liefen gut, alle Fristen seien eingehalten worden. Er sei sich sicher, dass Baku den Grand Prix stemmen werde. Sand sprach dabei von olympischen Dimensionen. Tatsächlich ist der Aufwand für einen ESC mit Olympischen Spielen fast vergleichbar.

Die „Big Five“ und Aserbaidschan

Jon Ola Sand verkündete zudem, dass sich die „Reference Group“, die neunköpfige Lenkungsgruppe des ESC, am Dienstag endgültig für die noch im Bau befindliche Arena mit dem glanzvollen Namen „Baku Crystal Hall“ als Austragungsort entschieden habe. Drei mögliche Optionen hatten Baku und der ausrichtende Sender Ictimai TV als Veranstaltungsort angeboten. Aber die Hoffnungen der Aserbaidschaner richteten sich ganz auf die in wenigen Monaten direkt am Kaspischen Meer erbaute Kristallhalle. Am 31. März muss sie endgültig fertig sein, am 15. April beginnen in ihr die Vorbereitungen für das ESC-Finale.

Mit der Show im Buta-Palast versuchte sich zugleich ein ESC-Gastgeber erstmals an einer feierlichen Halbfinal-Auslosung, wie sie als Gruppenauslosungen etwa bei Fußballmeisterschaften längst gang und gäbe sind. Da Aserbaidschan und die „Big Five“, die fünf größten und für die EBU zahlungskräftigsten Länder (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien) automatisch für die Endrunde am 26. Mai gesetzt sind, mussten 37 weitere Teilnehmer auf die beiden Zwischenrunden am 22. und 24. Mai verteilt werden.

Armenien nimmt teil - im „Feindesland“

Dabei hat es schon Tradition, dass sechs Töpfe gebildet werden, in denen jeweils die sich besonders nahestehenden Nationen, die gerne füreinander stimmen, in einem Topf landen, um sie danach aufzuteilen. In Topf eins etwa befanden sich vor allem die ehemals zu Jugoslawien gehörenden Staaten Montenegro, Serbien, Mazedonien, Kroatien und Bosnien-Hercegovina sowie Albanien und die Schweiz, in Topf zwei Island, Dänemark, Finnland, Schweden, Norwegen und Estland.

Die größte Überraschung war vielleicht, dass das seit Jahren mit seinem Nachbarn Aserbaidschan um Nagorny Karabach streitende Armenien nun doch am ESC im „Feindesland“ teilnimmt. Noch kurz nach dem letztjährigen Grand Prix hatte der Binnenstaat im Kaukasus, der seit bald 20 Jahren die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehörende Gebirgsregion besetzt hält und in der es bis heute immer wieder Auseinandersetzungen bis zum Blutvergießen gibt, bekannt gegeben, keinesfalls nach Baku reisen zu wollen. Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen werde die Delegation nun respektvoll und damit wie alle anderen Nationen auch in Aserbaidschan erwartet, heißt es von Seiten der aserbaidschanischen Verantwortlichen. Polen hingegen hat erstmals überhaupt abgesagt: Dem polnischen Sender TVP (Telewizja Polska) sind zwei Großveranstaltungen in einem Jahr einfach zu viel. Man wolle sich, so heißt es, ganz auf die Gastgeberrolle bei der Fußballeuropameisterschaft im Sommer konzentrieren.

Der Weg zum Titel

Erstes Halbfinale am 22. Mai 2012:
(Italien, Aserbaidschan und Spanien werten in diesem Semifinale)

Montenegro
Island
Rumänien
Albanien
Belgien
Lettland
Schweiz
Finnland
Griechenland
Moldau
Zypern
Österreich
Dänemark
Russland
San Marion
Israel
Irland
Ungarn

Zweites Halbfinale am 24. Mai 2012:
(Deutschland, Großbritannien und Frankreich werten in diesem Semifinale)

Serbien
Niederlande
Portugal
Mazedonien
Weißrussland
Malta
Ukraine
Armenien
Bulgarien
Schweden
Georgien
Slowenien
Estland
Türkei
Slowakei
Kroatien
Norwegen
Litauen
Bosnien-Herzegovina

Endrunde am 26. Mai 2012

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Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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