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„Eurovegas“ Madrid will sich aus der Krise zocken

 ·  Einer der reichsten Männer der Welt will vor Madrid ein europäisches Las Vegas bauen. Trotz seiner Forderungen – Steuervorteile, Raucherlaubnis, keine Gewerkschaften, Zugang für Minderjährige – ist die Lokalregierung begeistert.

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© REUTERS Acker war gestern: Auf diesem formschönen Weizenfeld bei Madrid soll dereinst der Rubel rollen.

Will und kann sich die spanische Hauptstadt aus der Krise zocken? Die Antwort der Regionalregierung unter Ministerpräsidentin Esperanza Aguirre ist ein klingendes Ja. Fast rauschhaft waren am Wochenende die Reaktionen der Lokalpolitiker auf die Entscheidung des amerikanischen Kasinomagnaten Sheldon Adelson, Madrid für den Bau von „Eurovegas“ vor Barcelona den Zuschlag zu geben.

Der 78 Jahre alte Adelson, einer der reichsten Männer der Welt und Gründer der Las Vegas Sands Corporation, hatte sich lange Bedenkzeit gelassen. Im Februar vorigen Jahres kündigte er zum ersten Mal in Singapur - dort hat er neben Las Vegas und Macao eines seiner lukrativsten Unternehmen - an, dass er „ein Mini-Las Vegas in Europa schaffen“ wolle. Sein Plan, so hieß es wenig später, solle Investitionen von 17 Milliarden Euro in das größte Kasino- und Kongresszentrum des Kontinents umfassen (ein Viertel von Adelson selbst), bis zu 260 000 Arbeitsplätze bringen und pro Jahr elf Millionen Besucher anlocken.

Besonders zupackend ging die Madrider Regierung mit ihren Offerten ans Werk. Während die Katalanen zunächst zögerlicher erschienen, vor allem wenn von umfassenden Steuervorteilen, billigem Boden, Ausschluss von Gewerkschaften, Raucherlaubnis und Zugang für Minderjährige in Begleitung Erwachsener die Rede war, warb Aguirres Mannschaft offensiv und zuletzt mit Erfolg. Auch die spanische Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy scheint zufrieden und ließ am Wochenende durchblicken, dass ihre Arbeitsmarktreform, die das Heuern und Feuern „flexibler“ gestaltet, den Kasinokönig offenkundig beeindruckt habe.

Dabei ist das Projekt, wie Adelson fairerweise signalisierte, erst „in der Anfangsphase“ und außerdem noch „von der Lösung der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen in Europa“ abhängig. Das betrifft vor allem die Finanzierung, an der vor ein paar Jahren schon ein ähnlicher monumentaler Plan in Nordspanien in der Nähe von Saragossa gescheitert ist. Auch sind noch zahlreiche andere Entscheidungen wie der genaue Standort - drei Madrider Vororte konkurrieren - und der Umfang zu klären.

Der Bau, so sagen die Optimisten, solle schon im nächsten Jahr beginnen, zu einer Teileröffnung im Jahr 2016 führen und dann 2025 vollendet sein. Während sich am Wochenende erste (kleine) Gruppen von Demonstranten in der Madrider Innenstadt versammelten und gegen das „hirnverbrannte“ Projekt protestierten, blieben die Verlierer in Barcelona nicht untätig. Sie antworteten vielmehr mit einem Vergnügungsgegenschlag und kündigten den Bau von sechs neuen „Themenparks“ bei Tarragona an. Auch hier ist eine Option der Einschluss von Spielkasinos.

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Jahrgang 1950, politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel, Marokko und Tunesien mit Sitz in Madrid.

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