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„European Song Contest“ Lys Assia brilliert, und die Schweiz scheitert

11.12.2011 ·  Lys Assia muss ihren Traum begraben, mit 87 Jahren als älteste Sängerin in die Annalen des „Eurovision Song Contest“ einzugehen, dabei stimmte beim Schweizer Vorentscheid so gut wie alles.

Von Alfons Kaiser
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"Eine Übertragung des schweizerischen Fernsehdienstes aus Lugano: ,Europäische Schlager und Chansons'. Sieben Länder traten an, vor und auf, den Preis um ,Das schönste Lied Europas' zu erringen. Er wurde der Schweiz zugesprochen für ein von Lys Assia vorgetragenes, gefälliges Erzeugnis ,Refrain'. Moral: Die andern führen das Nachtleben, das die Schweizer besingen."

Der Fernsehkritiker dieser Zeitung hatte vor 55 Jahren nicht viel übrig für das schönste Lied Europas. Lys Assia konnte es verkraften. Denn die Schweizer Schlagersängerin, 1924 geboren und 1950 mit "O mein Papa" auch in Deutschland bekannt geworden, hatte seitdem fünfeinhalb Jahrzehnte Zeit, ihren eigenen Ruhm zu besingen. Wenn aber jetzt auch die Schweizer selbst ihrem Nationalstar die Stimme nehmen - dann macht das sprachlos.

Dazu muss man sich an die Geschichte des "Eurovision Song Contest" erinnern. Zweimal siegte die Schweiz, 1956 mit Lys Assia, 1988 mit Céline Dion ("Ne Partez Pas Sans Moi"). Ansonsten blieb das Land in den letzten Jahrzehnten in der Endausscheidung des größten Schlagerwettbewerbs der Welt meist zweistellig, also zweitrangig. In diesem Jahr in Düsseldorf sang sich Anna Rossinelli mit "In Love for a While" souverän auf den letzten Rang.

Rang acht von 14

Und nun hätte unser Nachbarland die Chance gehabt, einen Schritt zurück zu tun - um sich am 26. Mai in Baku ganz weit nach vorn zu singen. Am Samstagabend trat Lys Assia beim nationalen Schweizer Vorentscheid mit der schönen Schnulze "C'etait Ma Vie" an. Es stimmte so gut wie alles: Sie sang in einer Landessprache, sie sang sicher und mit fester Stimme, das gefällige Lied stammt von Grand-Prix-Gewinner Ralph Siegel, und sie hatte für 87 Jahre viel Grazie. In Baku hätte sie vielleicht gar gewonnen.

In Kreuzlingen dagegen belegte sie bei Telefon- und SMS-Abstimmung Rang acht von 14. Nur 5,46 Prozent der Stimmen entfielen nach Angaben des Schweizer Fernsehens auf sie, während die Sieger 17,87 Prozent auf sich vereinigen konnten. Noch unwürdiger als die Plazierung war der Kommentar des Jurors "Stämpf", der meinte: "Ich weiß nicht, ob der Song zum Eurovison Song Contest passt oder mehr zu einer Kreuzfahrt-Kaffeefahrt."

Der U2-Verschnitt Sinplus mit "Unbreakable" passt sicherlich zum Eurovision Song Contest - und zwar so gut, dass das siegreiche Rock-Duo in Baku gnadenlos untergehen wird. "Swim against the stream" heißt es in ihrem auf Englisch gesungenen Lied. Hätte sich die Schweiz doch daran gehalten! Aber sie wollen nicht gewinnen. Die anderen führen eben das Leben, das die Schweizer besingen.

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Jahrgang 1965, verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“.

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