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Aktualisiert: 11.03.2017, 21:18 Uhr

Essener Einkaufszentrum Syrischer Drahtzieher plante offenbar Anschlag mit Terrorgruppe

Der möglicherweise geplante Anschlag auf ein Einkaufszentrum in Essen sollte angeblich von einem „Hit-Team“ mit IS-Hintergrund durchgeführt werden. Anweisungen dazu sollen per Chat erfolgt sein.

© dpa Polizisten sichern am Samstag in Essen das Einkaufszentrum Limbecker Platz nach einer Terrorwarnung.

Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass der möglicherweise geplante Anschlag auf das Essener Einkaufszentrum von einem mehrköpfigen Team von Terroristen ausgeführt werden sollte. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen soll der mutmaßliche Drahtzieher aus dem Dschihadisten-Gebiet in Syrien heraus per Internet-Messenger versucht haben, mehrere Personen für ein Attentat auf das Einkaufszentrum in der Essener Innenstadt zu motivieren. Laut Informationen der „Bild“-Zeitung soll es sich dabei um einen Kämpfer des „Islamischen Staates“ (IS) aus Oberhausen handeln.

Nach diesen Informationen vom Samstag sah die Anschlagsplanung vermutlich ein Attentat mit einem sogenannten „Hit-Team“ vor. Ein Teil der möglichen Attentäter soll sich demnach in Deutschland befunden haben, ein anderer Teil sollte aus dem Ausland anreisen. Unklarheit bestand am Samstagabend noch über die Personalien der möglichen Attentäter. Unklar war auch, wie viele Terroristen sich an einem möglichen Anschlag hätten beteiligen sollen.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen gewann das Bundesamt für Verfassungsschutz den ersten Hinweis auf das Bedrohungsszenario aus eigenen Quellen. Dabei soll es um abgehörte elektronische Kommunikation gehen.

Einkaufszentrum blieb geschlossen

Die Polizei hatte das Einkaufszentrum am Limbecker Platz am frühen Morgen schließen lassen. Zwei Männer aus Oberhausen wurden am Nachmittag vernommen und deren Wohnung durchsucht. Die Polizei sagte zunächst nicht, dass es sich um Tatverdächtige handele. Die Nachrichtenagentur AFP meldete, dass die beiden Männer verhaftet worden seien, andere Agenturen sprachen zunächst nur von Verhören.

© Twitter

Um eine Gefährdung der Besucher auszuschließen, blieben Verkaufshallen und die Parkgarage des Einkaufszentrums den ganzen Tag über geschlossen. Die Shoppingmeile zählt zu den größten innerstädtischen Einkaufszentren in Deutschland.

Polizisten in schusssicheren Westen sicherten den Komplex

Die Polizei hatte die Information nach eigenen Angaben von anderen Behörden erhalten und nahm die Bedrohung sehr ernst. „Wir als Polizei sind die Sicherheitsbehörde und wir haben uns dazu entschieden, wir machen das Einkaufszentrum zu“, sagte Polizeisprecher Christoph Wickhorst. Die Entscheidung sei in der Nacht gefallen. Das Management war am frühen Morgen informiert worden.

Polizisten in schusssicheren Westen und mit Maschinenpistolen sicherten den Gebäudekomplex ab. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, auch aus anderen Teilen Nordrhein-Westfalens. Der Gebäude-Komplex wurde von Beamten umstellt. Am Morgen hatten Einsatzkräfte das Gebäude durchsucht. Sie wollten ausschließen, dass sich schon Beschäftigte oder Reinigungskräfte darin aufhielten. Am Zentrum Limbecker Platz herrschte am Vormittag gespenstische Ruhe, wo an normalen Samstagen reger Betrieb ist.

© reuters Hinweise auf Anschlag: Essener Einkaufszentrum geschlossen

Die Polizei arbeitete parallel zu den Maßnahmen vor Ort mit zahlreichen Experten an der Aufklärung der Hintergründe. „Wir müssen gucken, wer hat möglicherweise hier etwas vorgehabt. Die Ermittlungen laufen im Hintergrund“, sagte der Polizeisprecher weiter.

In Essen wurde vor knapp einem Jahr ein Anschlag verübt

Nach Angaben des Managements halten sich samstags im Schnitt bis zu 60.000 Menschen in dem mehrgeschossigen Ladenkomplex auf. Der Warnhinweis bezog sich nur auf das Einkaufszentrum, nicht aber auf umliegende Geschäfte. Außerhalb der Absperrung konnte der Samstagsbetrieb weiterlaufen.

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In der Ruhrgebietsmetropole war vor knapp einem Jahr ein Terroranschlag verübt worden. Im April 2016 hatten in Essen zwei muslimische Jugendliche eine Bombe auf ein Gebetshaus der Sikhs geworfen, während dort eine Hochzeit gefeiert wurde. Bei der Explosion wurden drei Menschen verletzt. Anfang Dezember begann der Prozess gegen die damals 16 Jahre alten Täter und einen Komplizen. Laut Anklageschrift hatten sie die Sikhs als Ungläubige betrachtet.

45246910 © dpa Vergrößern Das Einkaufszentrum „Limbecker Platz“ in der Innenstadt von Essen (Archivbild)

In den vergangenen Monaten waren in Deutschland mehrfach öffentliche Gebäude nach Terrorhinweisen gesperrt worden. So wurde im November 2015 das Fußball-Länderspiel Deutschland-Niederlande in Hannover kurz vor Anpfiff abgesagt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen gab es wenige Tage nach den schweren Anschlägen in Paris konkrete Hinweise auf geplante Bombenanschläge im Stadion und am Bahnhof. An Silvester 2015 wurde der Münchner Hauptbahnhof nach einer Terrorwarnung geräumt. Vor zwei Jahren fiel der Karnevalsumzug in Braunschweig wegen akuter Terrorgefahr aus.

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