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Nur noch deutsche Neukunden : Essener Tafel werden „Nazi-Praktiken“ vorgeworfen

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Bei der Düsseldorfer Tafel bekommen alle Bedürftigen Lebensmittel. In Essen vorübergehend nur noch die mit deutschem Pass. Bild: dpa

Seit Januar nimmt die Tafel in Essen nur noch deutsche Hilfsbedürftige als Neukunden an. Dafür hagelt es von Hilfsorganisationen und in sozialen Netzwerken heftige Kritik. Nun bezieht der Dachverband „Tafel Deutschland“ Stellung.

          Nach der Entscheidung der Essener Tafel, nur noch deutsche Bedürftige als Neukunden aufzunehmen, hagelt es Kritik von Flüchtlingshilfeorganisationen und in sozialen Netzwerken. So bezeichnete die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl Essen die Maßnahme als diskriminierend. Der Dachverband „Tafel Deutschland“ reagiert auf die Vorwürfe und betonte, dass alle bisherigen Kunden wie gewohnt mit Lebensmitteln unterstützt würden. Der Verband sieht die Politik in der Pflicht.

          Die Essener Tafel begründete die Begrenzung damit, dass der Anteil der Migranten zuletzt auf drei Viertel geklettert sei. Der Vorsitzende der Essener Tafel Jörg Sartor sagte der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung WAZ: „Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt.“ In den vergangenen zwei Jahren seien aber ältere Tafel-Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter offenbar einem schleichenden Verdrängungsprozess zum Opfer gefallen.

          Kritik: Maßnahme widerspricht Gleichbehandlungsgrundsatz

          Die Hilfsorganisation bewahrt Lebensmittel vor der Vernichtung und verteilt sie an Bedürftige. Die Empfänger müssen Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld beziehen und dies der Tafel nachweisen.

          Die Trennung nach deutschem oder nicht-deutschem Pass sei sehr sehr ungünstig und widerspreche dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, bemängelte Inka Jatta, Mitglied der Geschäftsführung von Pro Asyl Essen, gegenüber der WAZ. Sie könne zwar nachvollziehen, dass die Arbeit immer schwieriger werde, plädiere aber dafür, diejenigen auszuschließen, die Probleme bereiteten.

          Auf Twitter wurden der Tafel Essen „Nazi-Praktiken“ vorgeworfen, weil sie zwischen Deutschen und Nichtdeutschen unterscheidet. Andere Nutzer unterstützten die Maßnahme hingegen und begründeten ihre Zustimmung damit, dass 75 Prozent Ausländer genug seien.

          Jochen Brühl, Vorsitzender des Dachverbands Tafel Deutschland, erklärte: „Ziel und Aufgabe aller Tafeln ist es, Lebensmittel an alle Bedürftigen zu verteilen und so akute Not zu lindern. Maßgeblich für unser Engagement ist die Bedürftigkeit und nicht die Herkunft.“ Er wies aber darauf hin, dass Ausnahmen von diesem Prinzip Situationen geschuldet seien, die von den Ehrenamtlichen vor Ort organisatorisch nicht mehr anders zu händeln seien.

          Lagert Staat Aufgaben aus?

          Dass es zu so drastischen Maßnahmen komme, kreidet er der Politik der letzten Jahre an. Er erwarte von der neuen Regierung, dass sie „nachhaltige Lösungen für die akuten Probleme der Ärmsten findet“. Brühl sagte weiter: „Es kann und darf nicht sein, dass diese Aufgabe vom Staat ausgelagert wird.“

          Jörg Sartor schrieb in einer Pressemitteilung, dass er hoffe, dass sich die Lage schnell soweit bessere, dass es keine Warteliste mehr gebe. Die Beschränkung dauere „so lange, bis die Waage wieder ausgeglichen ist“.

          Der Landesverband der Tafeln Nordrhein-Westfalen bestätigte einen starken Andrang von Migranten in den vergangenen beiden Jahren. Davon seien alle Tafeln betroffen, sagte die stellvertretende Vorsitzende Claudia Manousek. Ähnliche Beschränkungen wie in Essen seien aber nicht bekannt. Eine Sprecherin der Düsseldorfer Tafel sagte: „Bei uns zählt die Bedürftigkeit, nicht die Herkunft.“

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