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Samstag, 11. Februar 2012
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Erstes muslimisches Fitnessstudio Probetraining in der Parallelwelt

19.06.2009 ·  In Köln hat eine Muslimin jetzt das erste Fitnessstudio für muslimische Frauen eröffnet. Männer müssen klingeln und draußen warten. Das heißt für die Frauen, dass sie das Kopftuch während des Trainings weglassen können.

Von Lydia Harder
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Die Männerklingel ist defekt. Ein Schild ermahnt den männlichen Besucher, zu klopfen und dann zu warten. „Wir kommen raus.“ Darüber zeigt ein Plakat eine Frau im grünen Schleier - ihre Augen leuchten, als sei ihr eine Offenbarung des Allerhöchsten erschienen. Auf dem Plakat steht in türkischer Sprache: „Einmalig in Köln. Das Fitnessstudio für die muslimische Frau.“

Nur Frauen dürfen die Pforte ins „Hayat“ (“Leben“) durchschreiten. Ins Leben zurückbefördern wollte sich die Gründerin, eine 40 Jahre alte Mutter von zwei erwachsenen, aber noch zu Hause lebenden Söhnen. Als Kind eines Gastarbeiters aus Ankara wurde Emine Aydemir in Deutschland geboren. Viele Jahre hat sie im Sitzen gearbeitet, an der Kasse eines Gemüseladens. Nach Feierabend kochte sie üppiges türkisches Essen für die Familie. Als die Söhne erwachsen waren, wollte sie wieder Sport machen, abnehmen, sich schön fühlen - und probierte Frauenfitnessstudios aus. Doch überall stieß die gläubige Muslimin auf dasselbe Problem: den Mann, den unvermeidlichen. Mal komme er als Postbote rein, dann als Besitzer oder als Klempner. „Für uns muslimische Frauen heißt das: vorbeugend Kopftuch tragen. Und zwar ständig. Aber das Kopftuch stört beim Training. Und man wird von Nichtmuslimen angestarrt.“

„Blut gegen Blut“

So beschloss Emine Aydemir, ein eigenes Sportcenter zu gründen - eines mit Männerklingel. Anfangs erntete sie nur Kopfschütteln. Vor allem den Herren im Bekanntenkreis waren die unternehmerischen Ambitionen der Deutsch-Türkin suspekt. Sie mietete Räume in einem schmucklosen zweistöckigen Betonbau an: unten eine billige Textilkette, oben Leibesertüchtigung, natürlich nicht im Schaufenster, sondern hinter heruntergelassenen Jalousien. Draußen gibt es ohnehin nur einen Wohnblock zu sehen, mit 25 Stockwerken und mindestens zehnmal so vielen Satellitenschüsseln. Hier in Köln-Bickendorf haben 40 Prozent aller Bewohner einen Migrationshintergrund, und meistens liegt der im Orient.

Die Frauen auf den Laufbändern sind zwischen 30 und 50 Jahre alt, türkische und arabische Familienmütter. Je älter, desto geringer die Deutschkenntnisse. Alles ist zweisprachig ausgeschildert. Bis auf die Plakate, die fettverbrennende Energieriegel mit Guave-Geschmack anpreisen - Werbespruch: „Natürlich weiblich“. Die Besitzerin legt neue Musik auf, man erwartet schmachtende Habibi-Schlager. Stattdessen läuft Gangster-Rap, die Platte von Massiv, „Blut gegen Blut“.

Duschen in Einzelkabinen

Im Gebetsraum spielen Kleinkinder auf den Teppichen. Die Frauen beten ihr Mittagsgebet manchmal auch schnell im Umkleideraum. Das geht nur im „Hayat“. Hierher kommen Frauen, die sonst gar keinen Sport machen würden. Ein gemischtes Studio käme für sie überhaupt nicht in Frage, sagt die Besitzerin. „Diese Frauen sind hilflos wie Babys.“ Manche können beim ersten Training noch nicht einmal Rad fahren. Die Frauen lernen, dass sie einen Bizeps und einen Trizeps besitzen. Sie beginnen, etwas für sich zu tun, anstatt immer nur für die Familie da zu sein. Etwas Deutsch lernt man nebenbei auch: Bei den Power-Fit-Kursen und Fatburner-Zirkeln erteilen die Trainerinnen ihre Anweisungen in deutscher Sprache.

Im „Hayat“ ist man zwar unter sich, aber deswegen noch lange nicht freizügig. Auch die jüngeren Frauen tragen Schlabberhosen und weite T-Shirts. Den kleinen Saunaraum betritt man in einem speziellen Leinentuch, in das man sich möglichst vollständig einwickelt. Beim Schwitzen das Handtuch abzulegen ist tabu. Nimmt sich eine nichteingeweihte christliche Besucherin diese Freiheit heraus, wird schnell die Besitzerin geholt, um sie aufzuklären. Auch duscht man nicht in Sammelduschen wie in den meisten Fitnessstudios, sondern in Einzelkabinen.

Am Ende binden sie das Kopftuch über das Haar

„All das ist doch nur Körperwahn“, findet Emine Aydemir. In anderen Studios gehe es gar nicht ums Training, da herrsche die Diktatur des Waschbrettbauchs. „Hier brauchen die Frauen nicht auf das Äußere zu achten.“ Was ist so schlimm daran? „Das Neidgefühl. Frauen sind da einfach extrem. Sie gucken und reden, und sie sind neidisch.“ Die muslimische Frau wird also nicht nur vor Männern, sondern auch vor sich selbst beschützt.

Vor dem großen Spiegel in der Umkleide machen sich zwei sechzehnjährige Mädchen schön, ziehen den Lidstrich nach, legen schweren Goldschmuck und Gürtel mit Glitzersteinchen an. Sie reden, sie lachen, sie sind selbstbewusst. Am Ende binden sie das Kopftuch über das volle schwarze Haar. Die älteren Frauen tauschen sich beim Haareföhnen über das Wohlergehen sämtlicher Familienangehöriger aus. Draußen auf der Straße warten im Auto ihre Männer. Die Kinder sitzen auf der Rückbank.

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