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Erste deutsche Pferdeklappe : Letzte Rettung für verarmte Pferdehalter

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Mit zwei Klappenpferden: Petra Teegen (rechts) und Friederike Gitzel mit einem Islandpferd und einem polnischen Konik-Pony Bild: Christina Hucklenbroich

In die erste deutsche Pferdeklappe kommen fast täglich neue Tiere. Die Besitzer sind finanziell überfordert. Anonym bleiben wollen die wenigsten.

          Ahornbäume und Buchen verbergen die mit einem Elektrozaun verschlossene Koppel. Wer mit Auto und Anhänger hier hält, kann sein Pferd im Schutz der Bäume ausladen. Zu verfehlen ist die Weide nicht: Ein großes Schild am Straßenrand zeigt die Zeichnung eines Mädchens, das zärtlich den Arm um ein Pferd legt. Daneben der Schriftzug: „Pferdeklappe“.

          Petra Teegen stapft vorsichtig durch den Morast am Eingang, ihr Terrier Happy ist ihr dicht auf den Fersen. „Darf ich vorstellen: unsere Empfangsjungs“, sagt die Sechzigjährige und zeigt auf die drei Pony-Wallache, die auf der Weide grasen. „Wir haben nämlich keine Empfangsdamen, sondern Empfangsjungs.“ Wenn jemand sein Pferd unangemeldet auf der Weide abstellt, dann braucht der Neuankömmling dringend die Gesellschaft. „Das Pferd ist ein Herdentier. Wird es allein zurückgelassen, schreit es sich die Lunge aus dem Hals und versucht, durch den Zaun zu gehen“, erklärt Teegen. Die Krankenschwester, die 20 Jahre lang in der Onkologie arbeitete, kümmert sich schon ihr halbes Leben ehrenamtlich um vernachlässigte Pferde. Am 1. Juli hat sie mit einem eigens gegründeten Verein die erste Pferdeklappe Deutschlands eröffnet, in Norderbrarup im Kreis Schleswig-Flensburg, ein paar Kilometer vor der dänischen Grenze. Hier können finanziell überforderte Pferdebesitzer ihre Tiere anonym abgeben. Modell standen die Babyklappen an Krankenhäusern für Eltern in Not.

          „Die Leute sind alt und haben das Geld nicht mehr“

          Allerdings sind nur drei der bislang mehr als 40 Klappenpferde wirklich anonym abgeliefert worden – darunter die braune Stute Silke. In der für Briefe bestimmten Plastikbox am Zaun fand sich nur ein spärlich beschriebener Computerausdruck: „Das ist Silke. Sie ist 20 Jahre alt und gesund. Ich gebe sie hier in Eure Klappe, weil ich einfach nicht mehr kann.“

          Die meisten Pferdebesitzer rufen an, bevor sie ihre Tiere nach Norderbrarup fahren. Für das Wochenende sind gleich fünf Vollblüter aus der Nähe von Hamburg angekündigt. „Die Leute sind alt und haben das Geld nicht mehr“, sagt Teegen. Bislang stammen die Pferde aus der Nähe bis in den Hamburger Raum. Bald will aber jemand Pferde aus Bayern bringen. „Der Winter kommt“, sagt Teegen, „jetzt wird es erst richtig interessant. Jetzt kommen die nicht mehr einzeln, sondern gleich vier oder fünf.“

          Was hier geschieht, erinnert an die spektakulären Berichte aus Irland, die in den vergangenen Jahren kursierten. In der Krise entließen verzweifelte Besitzer Pferde, die sie sich im Wirtschafts-Boom angeschafft hatten, einfach in die freie Natur. Im dicht besiedelten Deutschland ist die Klappe für viele Halter die letzte Rettung.

          Suche nach Menschen, die für ein eigenes Pferd sorgen können

          Die Pferde versorgt Teegen vor der Vermittlung in neue Hände auf ihrem Hof, der nur ein paar Autominuten von der Klappe entfernt liegt. Heute wartet vor dem Stall schon Friederike Gitzel. Die 53 Jahre alte Tierärztin ist Mitglied im Vorstand des Vereins Pferdeklappe e.V., der inzwischen mehr als 40 Mitglieder hat. In ihrer Küche stellt Petra Teegen Kaffeetassen auf den Tisch und legt einen dicken Ordner daneben. Darin hat sie Briefe von Haltern und Fotos von Tierschutzfällen gesammelt. Sie zeigt auf das Bild einer Holsteiner Warmblutstute, die sie vor einem knappen Jahr aufgenommen hat. Das Pferd war so stark abgemagert, dass man durch die Haut die Knorpelspangen der Luftröhre erkennen konnte. Teegen blättert weiter zum Foto eines schönen braunen Pferdes, das unbeschwert über eine Wiese trabt. Es ist dasselbe Pferd, ein paar Monate später bei seiner neuen Besitzerin. „Die Frau war Mitte 50, Lehrerin“, sagt sie. „Solche Leute suchen wir auch immer für die Klappenpferde.“

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