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Ermordeter Bankierssohn Wer ist der Täter?

02.10.2002 ·  Unauffällig, freundlich, hilfsbereit. So beschreiben Bekannte den mutmaßlichen Mörders Jakob von Metzlers.

Von Nikolaus von Twickel
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Was war der mutmaßliche Mörder des kleinen Jakob von Metzler für ein Mensch? Auch wenn seine Angehörigen und Freunde am Mittwoch den Medien kaum Auskunft erteilen wollten, verdichtete sich das Bild von einer vollkommen unvorhersehbaren Tat, sei das Motiv nun finanziell oder sexuell. Anwalt Ulrich Endres sagte über den Charakter seines Mandanten: „Wenn Sie eine Tochter hätten, Sie würden sie mit ihm auf den Wiener Opernball schicken.“

Mit 27 lebte G. immer noch in demselben Frankfurter Stadtteil, in dem er aufgewachsen ist. Sachsenhausen, unmittelbar südlich des Mainufers, gilt als überwiegend gutbürgerliche Wohngegend. Hier machte G. vor etwa zehn Jahren Abitur an der Carl-Schurz-Schule - dasselbe Gymnasium, das sein mutmaßliches Opfer Jakob von Metzler bis zuletzt besuchte.

Seine Freunde nannten ihn "Maggi"

Hier war der Student an der katholischen Gemeinde St. Bonifatius aktiv, kümmerte sich nach Aussage von Pfarrer Richard Weiler bis vor zwei oder drei Jahren auch um Kinder- und Jugendgruppen. G. war außerdem in Fanclubs der Frankfurter Eintracht aktiv. Zumindest seine Fußball-Freunde nannten ihn „Maggi“.

Im Jahr 2000 gründete „Maggi“ mit Freunden den Eintracht-Fanclub „Southforce“ - weil im Süden der Stadt beheimatet. „Wie es der Zufall wollte, lernten wir auf Ibiza unseren jetzigen Vorsitzenden Maggi kennen, der zu dieser Zeit Vorsitzender von zwei Fanclubs in Sachsenhausen und Heusenstamm war“, heißt es auf der Homepage des Vereins. Weil diese aber „so vor sich hin vegetierten“, habe man einfach einen neuen Club gegründet.

"Absolut unauffällig"

Wohlgemerkt, einen Club, der sich auf seiner am Dienstagabend abgeschalteten Homepage auch ausdrücklich von Gewalt und Hooligans distanzierte. Laut seinen Einträgen im Vereins-Chatforum war G. recht reiselustig - im vergangenen Juni war er demnach auf Ibiza und im Juli in Florida.

Das Jura-Studium an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universtät in seiner Heimatstadt scheint der junge Mann dagegen nicht mit allergrößtem Eifer verfolgt zu haben: Mit 13 Semestern bis zum ersten Staatsexamen studierte G. zwar nicht besonders schnell, aber auch nicht unüblich langsam unter den 4.500 Kommilitonen der juristischen Fakultät. Nach Auskunft der Universtät zeichnete er sich als „absolut unauffällig“ aus.

"Freundlich und sauber"

Nachbarn schildern den jungen Mann als „freundlich und sauber“. Von seiner Wohnung im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses habe er die Bushaltestelle sehen können, an der sein Opfer verschwand und möglicherweise von ihm abgepasst wurde. Eine Nachbarin sagte, er habe nur gelegentlich Besuch gehabt.

Spekulationen, dass sich G. seinem Opfer durch angebotenen oder ausgeübten Nachhilfe-Unterricht annäherte, wurden am Mittwoch nicht offiziell bestätigt. Pfarrer Weiler, der sich persönlich an G. als „hilfsbereiten und friedlichen“ jungen Mann erinnert, wies zwar Darstellungen zurück, dass die Familie des Verdächtigen wohlhabend gewesen sei. Ganz normale Leute seien das, betonte er. Ein finanzielles Motiv für die Tat rückte aber schon durch ihre fast aussichtslose Durchführung weiter in den Hintergrund.

Auch Bekannte und Freunde G.s tendierten am Mittwoch eher zu der von Psychologen ins Spiel gebrachten Version des zum Entführer gewendeten Sexualtäters. „Das klingt plausibler als diese idiotische Entführungsgeschichte“, sagte ein enger Bekannter, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will.

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