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Ermittlungen King of Pop, Nummer 621785

13.02.2004 ·  Nach Zahlung einer Kaution in Millionenhöhe ist Michael Jackson wieder auf freiem Fuß. Der des Kindesmißbrauchs beschuldigte Popstar hatte sich am Donnerstag den Behörden gestellt. Eine erste gerichtliche Anhörung ist für den 9. Januar geplant.

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Hinein in Handschellen, heraus nicht nur ohne, sondern die rechte Hand mit den zum "Victory"-Zeichen gespreizten Fingern in die Höhe gereckt. Am Ende des Prozesses gegen den Popstar Michael Jackson wegen des Vorwurfs der "mehrfachen Belästigung von Kindern" wird man wissen, welches Symbol für den spektakulären Fall das richtige ist. Am 16. Januar beginnt das Verfahren gegen den „King of Pop“ im kalifornischen Santa Maria.

Michael Jackson habe sich beim ersten Verhör und bei anderen Verrichtungen wie der Abnahme von Fingerabdrücken und beim Herstellen der Fotografie für die Akte mit der Nummer 621785 "sehr kooperativ" verhalten, hieß es aus dem "Santa Barbara County Sheriff's Department". Nach Hinterlegung einer Kaution in Höhe von drei Millionen Dollar und seines Reisepasses sowie der Versicherung, er werde sich für allfällige weitere Befragungen bereithalten, wurde Michael Jackson wieder auf freien Fuß gesetzt.

Das digitalisierte Deckblatt der Akte mit dem Foto des Popstars war bald auf der Website des Sheriffs zu sehen - und wurde von vielen Tageszeitungen auf dem Titelblatt veröffentlicht. Neben den dürren Daten über Rassezugehörigkeit - ein großes "B" für "black", obwohl man bezweifeln kann, ob Michael Jacksons offenbar wegen einer Krankheit veränderte Hautfarbe noch als schwarz bezeichnet werden kann, Geburtsdatum, Körpergröße und -gewicht sowie Augen- und Haarfarbe ist das Foto eines Mannes mit weit aufgerissenen Augen, die mit dunklem Lidstrich geschminkt sind, und mit feuerroten zusammengekniffenen Lippen zu sehen. Das ist nicht eben ein Foto für die Autogrammkarte, und man fragt sich, ob der Furor der Gleichbehandlung hier auch den erwünschten Nebenzweck der öffentlichen Bloßstellung und Demütigung vor Prozeßbeginn erfüllen soll.

Vorverurteilungen und Medienkampagne?

Dieser Ansicht sind jedenfalls Geschwister, Verwandte und Freunde von Michael Jackson, die sich von der Unschuld Jacksons überzeugt zeigten. Der schwarze Prediger und Bürgerrechtler Jesse Jackson sprach von einem "overkill" und warnte vor Vorverurteilungen und einer Medienkampagne. Die amerikanische Öffentlichkeit sei "besessen" von dem Fall: "Michael verdient einen fairen Prozeß, die Medien müssen objektiv bleiben, und das Publikum in aller Welt darf nicht zu einem voreiligen Urteil kommen", sagte Jesse Jackson (der nicht mit Michael Jackson verwandt ist).

Michael Jacksons Bruder Jermaine sprach von "Lynchjustiz" und äußerte die Gewißheit, die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, die nach Presseberichten auf den Aussagen eines zwölfjährigen Jungen beruhen, würden sich als gegenstandslos erweisen. "Wir unterstützen ihn eintausendprozentig", sagte Jermaine Jackson dem Nachrichtensender CNN. Ein Sprecher Jacksons sagte: "Michael würde nie einem Kind Schaden zufügen. Diese obszönen und absolut grundlosen Behauptungen werden sich vor Gericht als falsch herausstellen."

"Obszönes und zügelloses Verhalten"

Die Medien haben jedenfalls ihr Fressen. Sie belagern den Gerichtsort Santa Maria und warten auf einen Blick auf den Popstar. Im Gerichtssaal hat Richter Melville keine Dreherlaubnis gegeben. Sollte Jackson für schuldig befunden werden, drohen ihm je einzelnem Fall bis zu acht Jahren Gefängnis. Das angebliche Opfer soll ein zum Zeitpunkt der Vorfälle zwölf Jahre alter krebskranker Junge gewesen sein, der regelmäßig in Jacksons "Neverland Ranch" übernachtet haben soll. Bei Sitzungen mit einem Psychiater soll der Junge erzählt haben, er sei sexuell mißbraucht worden. Ob auch die schon vor zehn Jahren erhobenen Vorwürfe eines anderen Jungen, der damals 14 Jahre alt war, wieder Eingang in die Anklage finden, weiß niemand. Seinerzeit sollen Jacksons Anwälte "zum Preis" von 25 Millionen Dollar eine außergerichtliche Einigung erreicht haben. Daß es damals zu keiner Anklage kam, heißt nicht, daß der Fall nicht doch noch vor Gericht gebracht werden kann.

Damals wie heute ist der Staatsanwalt Tom Sneddon mit der Sache betraut, und in manchen Medien wird vermutet, der 61 Jahre alte Ankläger führe eine Art Privatfeldzug gegen Michael Jackson. Auf dem 1995 erschienenen Album "History" ist der Staatsanwalt Gegenstand eines Songs und wird als "kalter Mann" bezeichnet, der politische Ziele durchzusetzen versuche. Daß der Haftbefehl ausgerechnet am Tag der Veröffentlichung von Michael Jacksons neuem Album "Number Ones" ausgestellt wurde, bezeichnet der Staatsanwalt als schiere Koinzidenz. Jedenfalls stecken in der Ermittlungsakte 621785 alle Ingredienzien für ein langes Gerichtsdrama nach dem Geschmack der amerikanischen Medien. Und auch das Publikum wird sich nicht abwenden.

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