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Erfurt : Rettungsaktion für die „Königin der Glocken“

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Ein Kran hebt die „Gloriosa” aus dem Glockenstuhl des Erfurter Doms Bild: AP

Sie gehört zu den wertvollsten Kirchenglocken der Welt: die „Gloriosa“ im Erfurter Mariendom. Ein winziger Haarriß droht die prachtvolle „Königin der Glocken“ zu zerstören.

          Die größte, frei schwingende mittelalterliche Glocke der Welt ist wegen einer bevorstehenden Reparatur aus dem Turm des Erfurter Mariendoms ausgebaut worden. In einer spektakulären Aktion brachte ein Spezialkran am Donnerstag die vor 507 Jahren in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli gegossene „Gloriosa“ (die Ruhmreiche) aus ihrer Glockenstube in 37 Metern Höhe sicher auf einen Tieflader. Von diesem wurde sie zur Reparatur ins bayerische Nördlingen gebracht, wo sie am Abend ankam.

          An der 11,5 Tonnen schweren Glocke mit einem Durchmesser und einer Höhe von rund 2,50 Metern war am unteren Rand ein acht Zentimeter langer Haarriß festgestellt worden, der sie beim Läuten zu zerreißen drohte. Mit einem „Deo gratias“ (Dank sei Gott) meldete sich der Erfurter Bischof Joachim Wanke aus dem Krankenhaus und dankte allem, die am Gelingen beteiligt waren. „Ich habe mitgezittert und mitgebangt“, sagte Wanke, der sich einer Herzoperation unterziehen mußte.

          Spalt wird mit Bronze aufgefüllt

          Die Reparatur der „Gloriosa“ nimmt die Glocken-Schweißerei Thomas Lachenmeyer vor. Die Spezialfirma wird die Rißstelle aussägen, die gesamte Glocke erhitzen und den Spalt mit Bronze auffüllen, wie der Leiter des Dombauamtes, Andreas Gold, mitteilte. Am 9. September wird die Glocke wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren.

          Ein Blümchen als Maskottchen für die heikle Reise des Meisterwerks mittelalterlicher Glockengießkunst

          Die Nördlinger Firma hatte die „Gloriosa“ im Jahr 1985 schon einmal direkt im Glockenturm in einem hochkomplizierten Schweißverfahren repariert, nachdem sich ein 60 Zentimeter langer Riß gebildet hatte. Bei der aktuellen Reparatur hätte wegen der Hitze alles Holz in der Glockenstube entfernt werden müssen, weshalb man sich zum Transport entschlossen hatte.

          Die auch als „Königin der Glocken“ gepriesene „Gloriosa“ gehört zu den klangschönsten und wertvollsten Glocken der Welt. Sie war im Juli 1497 von dem Glockengießer Gerhard Wou von Kampen gegossen worden, dessen Technik und Können als bis heute unerreicht gelten.

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