03.12.2001 · Die Erfindung des Amerikaners Dean Kamen erinnert an einen altmodischen Rasenmäher, soll aber bald schon die Fortbewegung in Innenstädten revolutionieren.
Das Rätselraten hat ein Ende: Die „Supererfindung Ginger“, die angeblich die Welt verändern kann, ist eine neue Art von Motor Scooter. Der Roller mit Elektroantrieb soll in den Innenstädten dem Auto Konkurrenz machen. Der Erfinder, Dean Kamen, lüftete am Montag das Geheimnis und setzte damit einjährigen Spekulationen ein Ende.
„Ginger“ oder auch „IT“, wie die Codenamen für das mysteriöse „Superding“ lauteten, sieht zwar recht simpel aus und erinnert an einen Rasenmäher. Aber natürlich ist der Scooter alles andere als ein alltägliches Fortbewegungsmittel: Der Benutzer kontrolliert Geschwindigkeit und Richtung durch die Verlagerung seines eigenen Gewichts. Kamen erwartet nach eigenen Angaben, dass seine umweltfreundliche Erfindung, die jetzt die offizielle Bezeichnung „Segway Human Transporter“ hat, eines Tages die Autos im innerstädtischen Verkehr ersetzen wird. Gerade 11 Pfennig kostet der Betrieb pro Tag, schildert der Erfinder.
Rätselraten begann im Januar 2000
Angefangen hatte das Rätseln im Januar vergangenen Jahres. Da sickerte in der Medienszene durch, dass ein Verleger 250.000 Dollar im Voraus für ein Buch über eine als Bahn brechend und absolut sensationell beschriebene Erfindung Kamens hingeblättert hatte. Danach schossen die Spekulationen ins Kraut. Vom wasserstoffbetriebenen Luftkissenboot bis hin zur Supertoilette, die vernichtet statt wegspült: Nichts wurde für unmöglich gehalten. Schließlich ist Kamen auch kein Unbekannter. Auf sein Konto geht bereits eine ganze Reihe von spektakulären Erfindungen, so ein Dialyse-Gerät im Aktentaschenformat, eine tragbare Insulin-Pumpe und „Fred“ - ein Rollstuhl, der Treppen hinauf und herunter klettern kann.
"Ein tolles Ding"
Technologie-Gurus wie Apple-Mitbegründer Steve Jobs und Amazon- Chef Jeff Bezos durften schon im Laufe des Jahres einen Blick auf „Ginger“ werfen und sagten danach schwärmend, es sei ein „tolles Ding“. Aber mehr verrieten sie nicht.
High Tech ohne Bremsen
Einzelheiten über „Segway“ finden sich nun in der am Montag erschienen jüngsten Ausgabe des „Time“-Magazins. Danach ist die Erfindung ein Zweirad und wiegt ungefähr 60 Pfund. Der Benutzer bewegt sich im Stehen vorwärts. Bremsen gibt es nicht. Ein System von Computern und Gyroskopen übernimmt einen Großteil der Arbeit, indem es das Gleichgewichtsgefühl des Körpers simuliert. Der Benutzer lehnt sich vorwärts, wenn er vorwärts will, rückwärts, wenn der Kurs geändert werden soll. Dazu gibt es am Lenker einen Griff für Rechts- und Linkskurven.
Sensoren sind in der Lage, das Zentrum der Schwerkraft des Körpers mehr als 100 Mal pro Sekunde zu messen und Richtung sowie Geschwindigkeit an den elektrischen Motor und die Räder zu „melden“.
Kamen zufolge kann der Benutzer nach sechstündigem Batterie-Aufladen ungefähr 24 Kilometer weit fahren. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 19 Kilometern in der Stunde. Das macht den Scooter zwar untauglich für Langstrecken, aber praktisch für das Fortbewegen in den verstopften Innenstädten. Die Verantwortlichen des Privatunternehmens „Segway“ haben bereits mit Städteplanern und Sicherheitsexperten der Bundesbehörden gesprochen um sicher zu stellen, dass der Scooter auch auf Bürgersteigen rollen darf.
Scooter kostet 3.000 Dollar
Der Normalbenutzer soll nach Angaben des Unternehmens binnen einen Jahres einen Scooter kaufen können. Kostenpunkt: 3.000 Dollar (rund 6.600 DM).