25.06.2001 · Das Ausmaß der Katastrophe im Süden Perus wird immer erschreckender: Mindestens 97 Tote wurden aus den Trümmern geborgen, mehr als 46.000 Menschen sind obdachlos.
Nach dem schweren Erdbeben in Peru ist die Zahl der Todesopfer auf 97 gestiegen. Helfer suchen in den Trümmern weiter nach Überlebenden oder weiteren Todesopfern. 53 Menschen galten nach Behördenangaben noch als vermisst. Bei dem Beben der Stärke 7,9 auf der Richterskala wurden am Samstag mehr als 1.100 Menschen verletzt. Mehr als 40.000 Wohnungen sind zerstört.
Am schwersten betroffen waren die Andenstadt Arequipa, die zweitgrößte Stadt Perus, und die 100 Kilometer weiter südöstlich ebenfalls in den Anden gelegene Stadt Moquegua. Hier gab es auch die meisten Toten und Verletzten. Zahlreiche Häuser stürzten ein. Rund 30.000 Menschen wurden obdachlos. Die Bundesregierung und die EU kündigten schnelle Hilfe an. Die Schweiz schickte ein fünfköpfiges Team von Spezialisten in das Erdbebengebiet.
Rettungskräfte suchen weiter
Der Erdstoß war bis nach Bolivien zu spüren. Sein Zentrum lag rund 190 Kilometer westlich von Arequipa im Pazifischen Ozean. Nach Angaben des peruanischen Katastrophenschutzes starben außer in Arequipa und Moquegua auch in Tacna nahe der chilenischen Grenze und im Küstenort Camana Menschen. Hunderte Personen wurden verletzt, viele davon schwer. Auch in Nordchile gab es mindestens 30 Verletzte. In den Trümmern vieler Häuser suchten Rettungskräfte noch nach Opfern. Es wurde befürchtet, dass die Opferzahl noch weitaus höher liegen könnte.
Die Hauptstraße nach Moquegua war nach einem Erdrutsch blockiert. Dies behinderte die Lieferung von Nahrungsmitteln und Medikamenten ins Katastrophengebiet. Das Geophysikalische Institut registrierte bis Sonntag mehr als 100 Nachbeben. Rundfunkberichteten zufolge löste das Erdbeben eine Flutwelle aus, die mehr als einen Kilometer tief ins Landesinnere drang und Reis- und Zuckerrohrfelder unter Wasser setzte. Dabei ertranken in Camana 14 Menschen. Zuvor hatten viele Bewohner die Hafenstadt Callao bei Lima aus Angst vor Flutwellen in Panik verlassen.
Winterliche Temperaturen
Aus Furcht vor weiteren Beben verbrachten Hunderte Menschen die Nacht im Freien. In Arequipa herrscht zur Zeit Winter und die Temperaturen sinken auf fünf Grad Celsius. Der designierte Präsident Alejandro Toledo, der am 28. Juli das Amt übernimmt, sagte einen Besuch in den USA ab und reiste statt dessen in das Erdbebengebiet.
Die 1656 gebaute Kathedrale von Arequipa, die bereits 1868 von einem Erdbeben schwer beschädigt worden war, erlitt am Samstag schwere Schäden. Die 1540 von den spanischen Eroberern gegründete Stadt wird wegen der zahlreichen spanischen Kolonialbauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert auch „die weiße Stadt“ genannt. Im vergangenen Jahr wurde Arequipa von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.