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Erdbeben in Italien Eingestürzte Dorfschule: Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

03.11.2002 ·  Die Menschen in Mittelitalien haben Angst: Seismologen rechnen mit weiteren Nachbeben.

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Neue Erdstöße haben am Samstag die Erdbebenregion in Mittelitalien erschüttert, in der viele verängstigte Bewohner die Nacht in Notunterkünften verbringen mussten. Experten warnen, dass auch kommende Woche noch mit Erdstößen gerechnet werden müsse. Unterdessen haben die Justizbehörden die Ermittlungen zur Ursache des Einsturzes der Dorftschule in San Giuliano di Puglia aufgenommen, in der 29 Menschen ums Leben kamen. Der Vorwurf lautet auf fahrlässige Tötung. Die Regierung in Rom ordnete für das ganze Land Halbmast-Beflaggung zum Gedenken an die Toten an.

Die Erdstöße der Stärke 3,7 bis 3,8 auf der Richterskala brachten Gebäude im Gebiet um die Kleinstadt San Giuliano di Puglia erneut ins Wanken, in der am Donnerstag bei einem schweren Beben 26 Kinder und drei Erwachsene unter den Trümmern einer Schule begraben worden waren. Berichte über Verletzte oder neue Schäden lagen am Samstagmorgen nicht vor. Doch die Nerven der Bewohner wurden erneut auf eine harte Probe gestellt. Seit dem Hauptbeben der Stärke 5,4 am Donnerstag haben die Seismologen mehr als 100 Nachbeben registriert.

Mehr als 5.000 Obdachlose

In der 50.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Campobasso und zahlreichen weiteren Orten verließen tausende Menschen in der Nacht zum Samstag ihre Wohnungen und übernachteten trotz der Kälte im Freien, wie das staatliche italienische Fernsehen RAI berichtete. Auch viele obdachlos gewordene Menschen seien in Panik aus den für sie errichteten Zelten geflohen.

Das vom Erdbeben am Donnerstag am stärksten betroffene Dorf San Giuliano di Puglia und drei nahe gelegene Orte waren am Freitag nach zwei starken Nachbeben evakuiert worden. Die Zahl der Obdachlosen wurde mit mehr als 5.000 angegeben. „San Giuliano gleicht einem Geisterdorf“, berichtete ein RAI-Reporter. Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte den Notstand für die Region ausgerufen.

Beerdigungen am Sonntag

Die 29 Toten - darunter die 26 in der eingestürzten Dorfschule ums Leben gekommene Kinder - sollen am Sonntag beerdigt werden. Die Eltern der Kinder wachten den Berichten zufolge die ganze Nacht hindurch an den in einer Sporthalle aufgebahrten weißen Särgen. Auch eine Lehrerin und zwei ältere Frauen waren getötet worden, als ihre Häuser über ihnen einstürzten. In einem der beiden Zeltlager hielt am Rande des Dorfes hielt Dorfpfarrer Don Ulisse einen Gedenkgottesdienst ab. Dabei spielten sich herzzerreißende Szenen der Trauer und Verzweiflung ab.

Die Behörden der Region haben unterdessen angekündigt, dass alle Schulen bis zum 9. November geschlossen bleiben. Bis dahin sollen die Gebäude auf ihre Erdbebensicherheit hin überprüft werden. Die Staatsanwaltschaft hat die Überreste der Schule von San Giuliano di Puglia beschlagnahmt, um die Einsturzursache zu klären. Ein Beben der Stärke 5,4 lässt nach modernen Standards errichtete Häuser normalerweise nicht einstürzen. Medienberichten zufolge wird vermutet, dass das 1953 errichtete und vor wenigen Jahren ausgebaute Gebäude eklatante Baumängel aufwies. "Das ist nicht normal", konstatierten die Ermittler nach einen ersten Untersuchung der Trümmer.

Kinder feierten Halloween-Party

Ein Rettungshelfer sagte, offenbar seien die meisten der toten Kinder an ihren Pulten erschlagen worden, als das Dach der Schule einstürzte. „Es sieht so aus, als ob die ganze erste Klasse ausgelöscht wurde“, erklärte der Geistliche Fernando Manna. Die Kinder feierten zum Zeitpunkt des Erdstoßes am Donnerstagmittag gerade eine Halloween-Party.

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