24.06.2001 · Am Wochenende bebte die Erde an mehreren Orten. Die folgenschwerste Erschütterung ereignete sich in Peru. Dort gab es zahlreiche Tote.
Ein schweres Erdbeben hat in Peru mindestens 47 Menschenleben gefordert. Zudem gab es mehrere hundert Verletzte. In den peruanischen Provinzen Arquipa, Moquegua und Tacna sowie in der angrenzenden chilenischen Provinz Arica entstand außerdem großer Sachschaden. In der Bevölkerung brach Panik aus. Besonders betroffen war die Millionenstadt Arequipa. Sie war 1600 durch ein Erdbeben völlig zerstört worden. Weitere schwere Beben folgten 1687, 1868, 1958 und 1960. Wegen der zahlreichen spanischen Kolonialbauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert wird Arequipa auch „die weiße Stadt“ genannt. Im vergangenen Jahr wurde die Stadt von der UN-Kulturorganisation UNESCO zum Teil des Welterbes erklärt.
Die Rettungsarbeiten werden durch schlechtes Wetter erschwert. Experten rechnen mit leichten Auswirkungen des Bebens bis nach Hawaii. Auch in Bolivien war der Erdstoß noch zu spüren. Das Tsunami-Warnzentrum des Nationalen Wetterdienstes in Honolulu erwartete Veränderungen des Meeresspiegels, aber keine Flutwellen, vor denen zunächst für die gesamte Pazifikküste von Chile bis Mexiko gewarnt worden war.
Beben der Stärke 7,9
Nach Angaben der US-Erdbebenwarte in Colorado erreichte das Beben die außerordentlich hohe Magnitude von 7,9 auf der Richterskala. Das Geophysische Institut Perus gab diese aber nur mit 6,9 an. Das Epizentrum des Bebens lag nahe der Küstenstadt Ocana rund 900 Kilometer südlich von Lima. In der peruanischen Hauptstadt war das Beben zwar noch zu spüren, richtete aber keine Schäden an. Insgesamt wurden etwa 20 Nachbeben registriert.
Von den Behörden offiziell bestätigt wurden bis jetzt 15 Tote in Moquegua sowie acht Tote und zwei Vermisste in Arequipa. Unbestätigte Berichte sprachen von weiteren neun Toten in Tacna. Zusätzliche Opfer wurden unter eingestürzten Häusern befürchtet. Tausende Menschen weigerten sich aus Angst vor Nachbeben, in ihre Häuser zurückzukehren. Zunächst brachen in der Unglücksregion auch Stromversorgung und Telefonverbindungen zusammen.
Angst vor Flutwelle
Die Zahl der Verletzten wurde auf mehrere hundert geschätzt. Allein 167 waren es in Arequipa, wo in einem Fußballstadion ein Tumult ausbrach. Noch weit vom Erdbebenherd entfernt, in Callao, dem Hafen von Lima, kam es am Samstag zu einer Panik, weil dort die Menschen glaubten, dass eine Flutwelle anrolle. Erdbeben werden in der Region oft von Seebeben, die solche Flutwellen auslösen, begleitet. Deshalb versuchten in Arica, der nördlichsten Stadt Chiles, viele Menschen, so schnell wie möglich die Hügel der Pazifikstadt zu erreichen. In der Hektik kam es zu mehreren Verkehrsunfällen. Das Beben in Arica löste auch Erdrutsche aus. Drei Menschen sollen verschüttet worden sein.
Hilfsmaßnahmen angelaufen
Der peruanische Katastrophenschutz schickte zwei Flugzeuge mit Decken, Nahrungsmitteln und Medikamenten in die Krisenregion. Auch das Ausland reagierte sofort. Die Schweiz entsandte ein fünfköpfiges, zum Teil bereits in Lateinamerika stationiertes Spezialistenteam ins Erdbebengebiet. Das katholische Hilfswerk Misereror richtete einen Soforthilfefonds über 50.000 Mark ein. Mit dem Technischen Hilfswerk, dem Deutschen Roten Kreuz und dem Malteser Hilfsdienst sei bereits Kontakt aufgenommen worden.
„Sobald wir wissen, was genau benötigt wird, können wir sehr schnell Hilfe entsenden“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Es es keine Hinweise darauf, dass Deutsche von dem Erdbeben betroffen waren.